Bischöfe zu geplanter Moschee: Kreuz ist kein Kampfzeichen

epd-bild  / Jens-Ulrich Koch

epd | 15.03.2017

Erfurt (epd). Der Protest gegen die geplante Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt-Marbach könnte ein juristisches Nachspiel haben.

Die Aufsteller der zunächst vier und zehn Meter hohen Holzkreuze neben dem vorgesehenen Bauplatz müssten diese wieder abbauen. Sobald sie mit Hilfe der Polizei ermittelt seien, würden sie per Anwaltsschreiben aufgefordert, die Holzkreuze umgehend zu entfernen, sagte die Eigentümerin der Fläche, die Mainzer Aufbaugesellschaft, am Mittwoch MDR Thüringen. Zuvor hatten das Bistum Erfurt und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in der Sache zu Besonnenheit aufgerufen und sich gegen einen Missbrauch des christlichen Symbols gewandt.

Der MDR zitierte die Immobilientochter der Stadt Mainz mit den Worten: "Nachdem wir von den Vorgängen erfahren haben, haben wir uns umgehend mit der Stadt Erfurt sowie Vertretern der katholischen und evangelischen Kirchen in Erfurt in Verbindung gesetzt." Man sehe in den aufgestellten Holzkreuzen einen mehrfachen Verstoß gegen geltendes Recht. Konkret werfe das Unternehmen den Initiatoren der Aktion widerrechtliches Betreten fremden Eigentums und widerrechtliches Aufstellen von politischen Protestzeichen vor, berichtete der MDR.

Die Bischöfe der beiden großen Kirchen in Thüringen, der Katholik Ulrich Neymeyr und die Protestantin Ilse Junkermann, wendeten sich entschieden gegen einen Missbrauch des Kreuzes als "Kampfeszeichen". In einer am Dienstagabend in Erfurt verbreiteten gemeinsamen Erklärung heißt es: "Das Kreuz als Symbol des Christentums ist ein Zeichen der Gewaltlosigkeit, kein Kampfeszeichen." Das Kreuz, an dem Jesus Christus gestorben ist, stehe für Gottes Liebe zu den Menschen, und zwar zu allen Menschen.

"Wir sind aufgerufen zum Dialog und dem Respekt vor anderen Menschen und Religionen. Wer das Kreuz benutzt, um - egal in welche Richtung - Stimmung zu machen gegen Andersdenkende oder andere Glaubensrichtungen, missbraucht dieses christliche Symbol", erklärten Neymeyr und Junkermann. Die verbalen Angriffe verschiedener Initiativen in den sozialen Netzwerken führten hierbei nur zu weiteren Eskalationen in diesem Streit. Die Worte, die die Gruppen wählten, hätten nichts zu tun mit der christlichen Botschaft von Nächsten- und sogar Feindesliebe.

Zu dem geplanten Moschee-Neubau in Erfurt-Marbach erneuerten die Bischöfe der beiden christlichen Kirchen ihre Haltung. Das Grundgesetz sei hier klar: Religionsgemeinschaften hätten das Recht auf die freie Ausübung ihrer Religion. "Deshalb begrüßen wir als christliche Kirchen den Moschee-Neubau in Erfurt. Wer die Religionsfreiheit infrage stellt, sollte sich fragen, ob er auf dem Boden unseres Grundgesetzes steht", unterstrichen die leitenden Geistlichen.

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde will im Erfurter Ortsteil Marbach eine Moschee bauen. Auf dem Grundstück neben ihrem geplanten Standort wurden Anfang März mehrere Holzkreuze aufgestellt. Beteiligt an den Aktionen seien unter anderem eine Gruppierung namens "Bürger für Erfurt" sowie Rechtsextremisten aus Halle und die neurechte "Ein-Prozent"-Kampagne gewesen, so MDR Thüringen. Auch die AfD unterstütze den Protest, hieß es.



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