PM 134 — 19.11.2007
Friedensbeauftragter fordert Abkehr vom kriegskulturellen Denken
Menschen in Industriestaaten sollen Umgang mit Ressourcen einschränken
Am Buß- und Bettag (21.11.) endet die diesjährige Ökumenische Friedensdekade. Wolfgang Geffe, der Friedensbeauftragte im Bereich der Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland (EKM), mahnt aus diesem Anlass eine Abkehr vom kriegskulturellen Denken der letzten Jahrzehnte an. Dazu verweist er auf die jüngst erschienene Friedensdenkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Darin heißt es, wirksame Friedenspolitik beruhe auf dem Abbau von Gewalt, einer internationalen Rechtsordnung und einer gerechten Weltwirtschaft. "Wenn Du den Frieden willst, bereite den Frieden vor", gilt als neuer Leitsatz. Der Rat der EKD widerspricht damit dem politischen Grundsatz, dass man den Krieg vorbereiten müsse, wenn man den Frieden wolle.
Nach Ansicht von Geffe kann ein gerechter Frieden nur verwirklicht werden, wenn Macht und Güter nicht mehr ungleich verteilt sind. "Die bestehenden globalen Handelsbeziehungen und Produktionsverhältnisse sind ungerecht. Damit führen sie zu Gewalt und Krieg", sagt er. In der Friedensdenkschrift heißt es dazu, dass der Zugang zu strategischen Ressourcen nicht durch militärische Operationen gesichert werden darf. Die Bevölkerung der Industriestaaten wird aufgerufen, mit den natürlichen Ressourcen achtsamer umzugehen und sich einzuschränken.
Im Hinblick auf den völkerrechtlich umstrittenen Status militärischer Interventionen der letzten Jahre begrüßt der Friedensbeauftragte den Verweis auf das Recht für Bundeswehrangehörige, Befehle aus Gewissensgründen zu verweigern. Dazu steht in der Denkschrift, dass die Angehörigen der Streitkräfte "verfassungs- und völkerrechtlich für ihre Handlungen individuell verantwortlich sind". Für Geffe ist das ein wichtiger christlicher Beitrag zur Diskussion um den Abschuss eines von Terroristen entführten Flugzeuges. Sehr positiv bewertet er auch die Aussage der Denkschrift, dass die Drohung mit Nuklearwaffen kein Mittel der legitimen Selbstverteidigung sein könne.
"Die zivile Konfliktlösung muss vorrangige Aufgabe sein", bekräftigt Geffe eine Forderung der Denkschrift. Die Politik in Deutschland sieht er bisher nicht auf diesem Weg: "Wir haben nur 120 bis 150 Friedensfachkräfte im Ausland, aber 7000 Bundeswehrsoldaten." Noch könne nicht davon die Rede sein, dass sich die politische Gesamtausrichtung von der Perspektive der zivilen Konfliktbearbeitung leiten lässt, heißt es in der Denkschrift der EKD. "Das Fazit des Friedensbeauftragten: "Wir brauchen mehr Mittel für die gewaltfreie Konfliktbearbeitung".
Die Kirchgemeinden im Bereich der EKM begehen die Friedensdekade mit hunderten Veranstaltungen. In einigen Kirchen finden tägliche Friedensgebete statt.
Bei Rückfragen: Wolfgang Geffe, 03641 - 63 81 18 oder 0151 - 15 21 05 51
Archiv Pressestelle Magdeburg
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