Chronik Kirchen in der DDR 1951 - 1960
1951
15./17.3. Das ZK der SED proklamiert den „Sozialistischen Realismus“ in Literatur und Kunst und ruft zum Kampf gegen den „Formalismus“ auf.
11./15.7. Der 2. Deutsche Evangelische Kirchentag findet in Berlin unter der Losung „Wir sind doch Brüder“ statt.
18.9. Bischof Dibelius wendet sich in einem Brief an Stalin gegen „die gegenwärtige Handhabung der Justiz im Bereich der DDR“.
1.10. Die DDR-Behörden verweigern im Westen ausgebildeten Theologen und Priestern die Aufenthaltsgenehmigung für das Gebiet der DDR.
1952
5.6. Eröffnung des Philosophisch-Theologischen Studiums (Priesterseminars) mit römischen Promotionsrecht in Erfurt.
14./15.6. Verbot eines Kirchentages der Jungen Gemeinde in Lübbenau mit der Begründung, diese sei eine „illegale Organisation“.
9./12.7. Die 2. Parteikonferenz der SED erklärt die Periode der antifaschistisch-demokratioschen Umgestaltung der Gesellschaft für beendet und beschließt den Beginn des planmäßigen „Aufbaus der Grundlagen des Sozialismus“ in der DDR.
19./24.7. Der 75. Deutsche Katholikentag in Berlin mit 150 000 Teilnehmern wird von den DDR-Behörden vielfach behindert.
Juli/August Schaffung der „Kasernierten Volkspolizei“ (KVP), die 1956 in der Nationalen Volksarmee aufgeht, und der „Gesellschaft für Sport und Technik“ (GST).
9./10.8. Bischof Dibelius beschwört vor der Synode der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg angesichts der deutschen Teilung die „Einheit der Kirche“.
1953
1.1. Verbot des Religionsunterrichts in Schulräumen.
1.4. Eine Sondernummer der FDJ-Zeitung „Junge Welt“ eröffnet die Hetzkampagne gegen die Junge Gemeinde und verunglimpft sie als „Tarnorganisation für Kriegshetze“. Damit beginnt der „Kirchenkampf“ der SED-Führung, in dem es zu zahlreichen Verhaftungen und einer Fluchtwelle insbesondere von Jugendlichen aus der DDR kommt.
3.5. Ein Hirtenbrief der katholischen Bischöfe der DDR mahnt insbesondere für Jugendliche ein „unzerstörbares Recht auf Freiheit“ an.
2./4.6. Moskau fordert die SED-Führung zu einer durchgängigen politischen Kurskorrektur auf. In dem Dokument des Ministerrats der UdSSR „Über die Maßnahmen zur Gesundung der politischen Lage in der DDR“ verlangt die sowjetische Regierung unter anderem auch eine vollständige Rücknahme aller gegen die Kirchen in der DDR gerichteten Aktionen.
10./11.6. Spitzengesprächj zwischen Vertretern des Staates und der Kirche. In einem Kommuniqué über die Begegnung wird die Einstellung der antikirchlichen Maßnahmen zugesichert.
16./17.6. Bauarbeiter der Stalin-Allee in Ost-Berlin treten in den Streik und lösen damit den Volksaufstand in der DDR aus.
1954
7./11.7. Der Kirchentag in Leipzig, vereinigt unter der Losung „Seid fröhlich in Hoffnung“ wird von rund 500 000 Menschen besucht.
14.11. Einführung der Jugendweihe
30.11. Die evangelische Kirchenleitung von Berlin-Brandenburg erklärt die Unvereinbarkeit von Konfirmation und Jugendweihe.
26.12. Protest der katholischen Berliner Ordinarienkonferenz gegen die Jugendweihe.
1955
27.3. Erste Jugendweihefeiern in Ost-Berlin.
11./14.5. Unterzeichnung des Warschauer Vertrages über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand.
Dezember In einem „Ratschlag des Rates der EKD zur gesetzlichen Regelung des Schutzes der Kriegsdienstverweigerer“ bitten die Kirchen beide deutsche Regierungen um gesetzliche Regelungen zur Wehrdienstverweigerung und die Einführung von verschiedenen Formen des Wehrersatzdienstes.
1956
18.1. Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee (NVA) und des Ministeriums für nationale Verteidigung.
20.1. Das „Neue Deutschland“ eröffnet die Agitation gegen die Bahnhofsmission, die der Spionagetätigkeit verdächtigt wird.
10.2. Die Kirchensteuern werden nicht mehr durch die Finanzämter eingezogen, sondern nur noch wie private Vereinsbeiträge behandelt.
29.8./2.9. Bischof Otto Spülbeck/Meißen bezeichnet auf dem Kölner Katholikentag die DDR als das „fremde Haus“, in dem Katholiken allenfalls „unter der Treppe“ geduldet würden.
1957
22.2. Abschluss des „Vertrages der EKD mit der Bundesrepublik Deutschland zur Regelung der evangelischen Militärseelsorge“.
8.3. Bildung der „Dienststelle für Kirchenfragen“ (später: Staatssekretariat) bei der Regierung der DDR unter der Leitung von Staatssekretär Werner Eggerath.
26.11. Kardinal Julius Döpfner erneuert für Priester das Verbot seines Amtsvorgängers, Kardinal Konrad von Preysing, sich öffentlich zu „Zeitfragen“ zu äußern: „Nur die Gesamtheit der Bischöfe Deutschlands ist berechtigt, Erklärungen zu Zeitfragen im Namen der katholischen Kirche Deutschlands abzugeben.“
28.11. Der Leipziger evangelische Studentenpfarrer Siegfried Schmutzler wird wegen „Boykotthetze“ und „Staatsverleumdung“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.
1958
11.2. Albert Norden, Mitglied des Polibüros, erklärt die Kirche zum „letzten organisierten Feind der DDR“.
12.2. Die „Anordnung zur Sicherung von Ordnung und Stetigkeit im Erziehungs- und Bildungsprozess der allgemein bildenden Schulen“ („Lange-Erlass“) behindert den katholischen Religionsunterricht und die evangelische Christenlehre.
30.4. Der provinzialsächsische Synodalpräses Lothar Kreyssig ruft zur Gründung der „Aktion Sühnezeichen“ auf.
17.5. Ministerpräsident Otto Grotewohl erklärt die Tätigkeit des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Regierung der DDR, Propst Heinrich Grüber, wegen des Militärseelsorgevertrages für beendet.
1./4.6. Gründung der Prager Christlichen Friedenskonferenz (CFK) als eine Sammlung linksorientierter Theologen und Laien, die sich als Gegenstück zum Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf versteht.
1.7. Gründung des regimetreuen „Bundes evangelischer Pfarrer in der DDR“.
21.7. Ein Kommuniqué zum Abschluss von längeren Verhandlungen über das Staat-Kirche-Verhältnis in der DDR verkündet: Christen „respektieren die Entwicklung zum Sozialismus und tragen zum Aufbau des Volkslebens bei“.
1959
3.6. Das Gesetz über die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) leitet die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft ein.
Oktober Die Denkschrift von Bischof Dibelius „Obrigkeit?“ löst eine heftige öffentliche Debatte über das Verhältnis der Christen zum SED-Staat aus.
2.12.Das Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens erklärt die allgemeinbildende zehnklassige Polytechnische Oberschule (POS) zur obligatorischen Schule.
Advent Die Aktion „Brot für die Welt“ wird als Aufgabe aller deutschen evangelischen Landes- und Freikirchen eingeführt; parallel dazu entsteht das katholische Bischöfliche Hilfswerk „Misereor“, das später in der DDR den Namen „Not in der Welt“ trägt.
1960
11.3. Die evangelischen Bischöfe der DDR protestieren in einem Brief an Ministerpräsident Grotewohl gegen die zwangsweise Eingliederung der Bauern in die LPG.
12.9. Das Amt des Staatspräsidenten wird nach dem Tode Wilhelm Piecks durch den Staatsrat unter Vorsitz von Walter Ulbricht ersetzt.
4.10. Ulbricht erklärt vor der Volkskammer: „Das Christentum und die humanistischen Ziele des Sozialismus sind keine Gegensätze.“
31.12. Kardinal Döpfner bezeichnet in einem Aide-mémoire Ulbricht als „Erzstalinisten“, von dem Kirche und Religion „nicht die geringste Rücksichtnahme, geschweige denn Förderung zu erwarten“ hätten.
"Die Kirche in der DDR"
Die Realität des kirchlichen Lebens wird im Gegensatz zur Äußerung des DDR-Partei- und Staatschefs an einer Chronik über die Kirchen in der DDR deutlich:
- Jahre von 1945 - 1950
- Jahre von 1951 - 1960
- Jahre von 1961 - 1970
- Jahre von 1971 - 1980
- Jahre von 1981 - 1990
Die Chronik ist entnommen aus der Publikation "Die Kirche in der DDR" von Professor Dr. theol. Peter Maser in der Reihe Deutsche ZeitBilder der Bundeszentrale für politische Bildung mit Zustimmung des Autors. Das Bildmaterial ist Bestandteil der Internet-Enzyklopädie www.wikipedia.org
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