Chronik Kirchen in der DDR 1961 - 1970
1961
9.2. Ulbricht empfängt bei einem von der SED propagandistisch stark herausgestellten Empfang eine Delegation christlicher Bürger, kirchlicher Amtsträger und Theologen unter Leitung von Professor Emil Fuchs.
13./18.6. Allchristliche Friedensversammlung tagt in Prag.
19./23.7. Auf dem letzten gesamtdeutschen evangelischen Kirchentag in Berlin, der wegen der Behinderungen durch die DDR-Behörden schon vorwiegend im Westteil der Stadt abgehalten werden muss, wird erstmals das Verhältnis von Christen und Juden in breiter Öffentlichkeit diskutiert.
13.8. Errichtung der Berliner Mauer.
16.8. Weihbischof Alfred Bengsch folgt Kardinal Döpfner als Bischof von Berlin.
20.9. Gesetz über die Verteidigung der DDR.
1962
24.1. Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht.
21.2. Die Kirchliche Ostkonferenz gibt sich als Konferenz der evangelischen Kirchenleitungen (KKL) in der DDR eine eigene Geschäftsordnung.
21.6. Beginn der deutsch-deutschen Verhandlungen über den Häftlingsfreikauf.
1963
15./21.1. Der VI. Parteitag der SED erklärt „den umfassenden Aufbau des Sozialismus“ in der DDR zur Hauptaufgabe.
8.3. Die Konferenz der evangelischen Kirchenleitungen verabschiedet die „Zehn Artikel über Freiheit und Dienst der Kirche“ in einer sozialistischen Gesellschaftsordnung.
5.12. Gründung des Lehrstuhls für Wissenschaftlichen Atheismus an der Universiät Jena.
17.12. Das erste Passierscheinabkommen der DDR mit dem Senat von Berlin (West) ermöglicht Westberlinern erstmals seit dem Mauerbau Verwandtenbesuche in Ost-Berlin.
1964
4.5. Neues Jugendgesetz der DDR.
18.8. Wartburggespräch zwischen Ulbricht und dem evangelischen Landesbischof Moritz Mitzenheim.
7.9. Einführung eines Wehrersatzdienstes durch die „Anordnung des Nationalen Verteidigungsrates der DDR über die Aufstellung von Baueinheiten im Bereich des Ministeriums für Nationale Verteidigung“, der allerdings von den „Totalverweigerern“ ebenfalls abgelehnt wird.
17./18.11. Gründung der regimetreuen „Berliner Konferenz katholischer Christen aus europäischen Staaten (BK)“, an der sich die katholischen Geistlichen auf Anweisung ihrer Bischöfe nicht beteiligen dürfen.
1965
25.2. Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem.
1.11. Kritik der Berliner Ordinarienkonferenz (BOK) an der Indikationspraxis beim Schwangerschaftsabbruch.
11.11. Handreichung der evangelischen Konferenz der Kirchenleitungen „Zum Friedensdienst der Kirche“.
1966
15.2. Wahl von Präses Kurt Scharf zum Bischof von Berlin als Nachfolger von Otto Dibelius. Die DDR-Nachrichtenagentur ADN erklärt: „Seine Wahl ist für die DDR wirkungslos.“
1.4. Ausschluss von Professor Robert Havemann aus der Akademie der Wissenschaften der DDR.
19.7. Die DDR verbietet die für 1969 in Weimar geplante Konferenz des Lutherischen Weltbundes (LWB).
22.9. Auszeichnung des thüringischen Bischofs Moritz Mitzenheim zum 75. Geburtstag mit dem DDR-Orden „Stern der Völkerfreundschaft“.
1967
13./17.1. Die Berlin-Brandenburgische Kirche bestellt Albrecht Schönherr zum Verweser des Bischofsamtes für die östliche Region der Landeskirche.
20.2. Gesetz über die Staatsbürgerschaft der DDR.
2.4. Auf der regionalen Teilsynode der EKD erklären die Landeskirchen in der DDR, „dass unser Festhalten an der Gemeinschaft der Evangelischen Kirche in Deutschland vom Evangelium her und aus ökumenischer Verantwortung geboten ist“.
28.8. Einführung der 5-Tage-Arbeitswoche und die damit verbundene Abschaffung kirchlicher Feiertage: Ostermontag, Himmelfahrt, Reformationstag, Bußtag. Der Karfreitag und der Pfingstmontag müssen „eingearbeitet“ werden.
29.10. Feierlichkeiten zum 450. Jahrestag der Reformation in Wittenberg.
1968
15.2. Die evangelischen Bischöfe der DDR erklären in der Diskussion zur neuen DDR-Verfassung: „Als Staatsbürger eines sozialistischen Landes sehen wir uns vor die Aufgabe gestellt, den Sozialismus als eine Gestalt gerechteren Zusammenlebens zu verwirklichen.
29.2. Bei einer Bürgerversammlung zur neuen Verfassung führt Bischof Moritz Mitzenheim in Gegenwart von Ulbricht aus: „Die Staatsgrenzen der DDR bilden auch die Grenze für die kirchlichen Organisationsmöglichkeiten.“
6.4. Die neue Verfassung erklärt die DDR zum „sozialistischen Staat deutscher Nation“.
30.5. Sprengung der Leipziger Universitätskirche.
20./21.8. Invasion der Truppen des Warschauer Pakts in die CSSR, um den „Prager Frühling“ zu zerschlagen.
3.9. Entwurf für eine Ordnung des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK).
1969
10.6. Die Grundordnung des Bundes Evangelischer Kirchen in der DDR (BEK) tritt in Kraft. In Art. 4.4 bekennt sich der Bund „zu der besonderen Gemeinschaft der ganzen evangelischen Christenheit in Deutschland“.
14.9. Anlässlich der Einhundertjahrfeier der Wallfahrt in Bernau erklärt Kardinal Alfred Bengsch: „Wir sind schon bereit, alles anzuerkennen, was zum wirklichen Wohl der Menschen getan wird, auch aus dem Grunde, weil ja überall Christen mitgearbeitet haben.“
26.9. Hermann Matern, Mitglied des SED-Politbüros, skizziert vor führenden Funktionären der Ost-CDU die „Entwicklung einer festen Zusammenarbeit von Marxisten und Christen“ auf dem gemeinsamen „Weg zur sozialistischen Menschengemeinschaft“.
1970
19.3. Treffen zwischen DDR-Ministerpräsident Willi Stoph und Bundeskanzler Willy Brandt in Erfurt.
26./29.6. Der BEK definiert sich „als eine Zeugnis- und Dienstgemeinschaft von Kirchen in der sozialistischen Gesellschaft der DDR“.
"Die Kirche in der DDR"
Die Realität des kirchlichen Lebens wird im Gegensatz zur Äußerung des DDR-Partei- und Staatschefs an einer Chronik über die Kirchen in der DDR deutlich:
- Jahre von 1945 - 1950
- Jahre von 1951 - 1960
- Jahre von 1961 - 1970
- Jahre von 1971 - 1980
- Jahre von 1981 - 1990
Die Chronik ist entnommen aus der Publikation "Die Kirche in der DDR" von Professor Dr. theol. Peter Maser in der Reihe Deutsche ZeitBilder der Bundeszentrale für politische Bildung mit Zustimmung des Autors. Das Bildmaterial ist Bestandteil der Internet-Enzyklopädie www.wikipedia.org
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