Chronik Kirchen in der DDR 1971 - 1980

1971

24.2. Der Vorstand des BEK nimmt über Staatssekretär Hans Seigewasser offizielle Beziehungen zur DDR-Regierung auf.
1.3. Alle Veranstaltungen in Kirchenräumen ohne unmittelbar religiösen Charakter unterliegen der Anmeldepflicht.
3.5. Ablösung Walter Ulbrichts durch Erich Honecker.
2./6.7. Auf der BEK-Synode in Eisenach wird die Formulierung von der „Kirche in der sozialistischen Gesellschaft, nicht neben ihr, nicht gegen sie“ geprägt, auf die die Formel „Kirche im Sozialismus“ zurückgeht.

 

1972

Trabant 601.3.1. Die Berliner Ordinarienkonferenz wendet sich gegen die Abtreibung und bezeichnet sie als „verabscheuungswürdiges Verbrechen“.
9.3. Die Volkskammer beschließt das Gesetz über Schwangerschaftsunterbrechung; 14 Abgeordnete der Ost-CDU dürfen dagegen stimmen, 8 Abgeordnete üben Stimmenthaltung.
23.4. Die Evangelische Kirche der Union (EKU) gliedert sich in den „Bereich Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West)“ sowie den „Bereich DDR“.
26.5. Unterzeichnung des Verkehrsvertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR.
13.12. Der BEK vereinbart mit dem DDR-Ministerrat ein „Sonderbauprogramm“ für 45 kirchliche Bauvorhaben (Wiederaufbau oder Umgestaltung), das von den westlichen Kirchen finanziert wird. Ähnliche Regelungen für die katholische Kirche folgen.
21.12. Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland (Grundlagenvertrag).

 

1973

26./19.5. Die BEK-Synode in Schwerin erklärt, eine „Kirche im Sozialismus wäre die Kirche, die dem christlichen Bürger und der einzelnen Gemeinde hilft, dass sie einen Weg in der sozialistischen Gesellschaft in der Freiheit und Bindung des Glaubens finden und bemüht sind, das Beste für alle und für das Ganze zu suchen“.
3./7.7. Beginn der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki.
23.7. Die bischöflichen Kommissare in Erfurt, Magdeburg und Schwerin werden zu Apostolischen Administratoren ernannt, die die Rechte und Pflichten residierender Bischöfe innehaben und dem Vatikan direkt unterstellt sind.
18.9. Die DDR wird vor der Bundesrepublik Deutschland als 133. Mitglied in die UNO aufgenommen.

 

1974

28.1. Verabschiedung des Gesetzes über die Teilnahme der Jugend an der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft und ihre allseitige Förderung in der DDR (Jugendgesetz).
14.3. Errichtung „Ständiger Vertretungen“ der Bundesrepublik und der DDR in Ost-Berlin und Bonn.
27.9. Gesetz zur Ergänzung und Änderung der Verfassung der DDR von 1974, durch das der Begriff „deutsche Nation“ gestrichen wird.
13.11. Auflösung des „Bundes evangelischer Pfarrer in der DDR“.
17.11. In einem gemeinsamen Hirtenbrief zur christlichen Erziehung klagen die katholischen Bischöfe der DDR, Katholiken „fühlen sich als Bürger zweiter Klasse behandelt“.

 

1975

9.6. Erzbischof Agostino Casaroli, der „Außenminister des Vatikan“, besucht Kardinal Bengsch in Ost-Berlin und trifft mit hohen DDR-Regierungsvertretern zusammen.
30.7./1.8. Gespräch zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker auf dem KSZE-Gipfeltreffen in Helsinki.
7.10. Erich Honecker und Leonid I. Breschnjew unterzeichnen in Moskau den neuen Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand zwischen der DDR und der UdSSR.
27.11. Der BEK und die evangelischen Freikirchen protestieren in einer gemeinsamen Erklärung gegen die von der UNO-Vollversammlung am 10. November vorgenommenen Gleichsetzung von Rassismus und Zionismus.

 

1976

10.4. Papst Paul VI. verleiht der Berliner Ordinarienkonferenz den Rang einer eigenständigen Bischofskonferenz
18./22.5. Der IX. Parteitag der SED beschließt ein neues Programm und Statut; Erich Honecker wird Generalsekretär der SED.
Sommer Die DDR-Regierung sagt den Bau von Kirchen und Gemeindezentren in sozialistischen Neubaugebieten zu.
18.8. Der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz verbrennt sich in Zeitz als Protest gegen die „Unterdrückung in Schulen an Kindern und Jugendlichen“.
16.11. Ausbürgerung des Liedersängers Wolf Biermann nach einem Konzert in Köln.

 

1977

6./10.6. Vertreter der BEK beteiligen sich am „Weltkongress religiöser Repräsentanten für dauerhaften Frieden, Abrüstung und gerechte Beziehungen zwischen den Völkern“ in Moskau.
23.8. Verhaftung Rudolf Bahros und Verurteilung zu acht Jahren Haft wegen seines Buches „Die Alternative“.

 

1978

1.2. Einführung des Unterrichtfaches „Wehrkunde“.
6.3. Honecker empfängt Bischof Albrecht Schönherr und Vorstandsmitglieder des BEK zu einem Grundsatzgespräch.
14.6. In einem „Brief an die Gemeinden“ äußert die Konferenz der Kirchenkeitungen (KKL) Bedenken gegen die Einführung des Wehrkundeunterrichts.
12.6. Kardinal Bengsch protestiert gegen die Einführung des Wehrkundeunterrichts.
13.10. Gesetz über die Landesverteidigung der DDR.
16.10. Wahl des Krakauer Erzbischofs Karol Wojtyla zum Papst (Johannes Paul II.).
28.10. Papst Johannes Paul II. Empfängt DDR-Außenminister Oskar Fischer in Privataudienz.

 

1979

28.1. Empfehlungen zur Bildung einer „Vereinigten Evangelischen Kirche in der DDR“.
24.8. Als erste gemeinsame Erklärung von BEK und EKD wird ein „Wort zum Frieden“ veröffentlicht.
7.11. Klaus Gysi wird Nachfolger des am 18. Oktober verstorbenen Hans Seigewasser im Amt des Staatssekretärs für Kirchenfragen.
13.12. Kardinal Alfred Bengsch stirbt in Ost-Berlin, zu seinem Nachfolger wird Weihbischof Joachim Meisner ernannt.

 

1980

30.6. Eine neue Veranstaltungsverordnung bestimmt, dass religiöse Veranstaltungen in der Regel von der Anmeldepflicht freigestellt sind.
13.10. Anhebung des Zwangsumtausches bei Reisen in die DDR auf 25 DM pro Tag. Honecker hält in Gera eine Rede über die „Abgrenzung“ gegenüber der Bundesrepublik und fordert die Anerkennung zweier souveräner, voneinander unabhängiger deutscher Staaten.
9./19.11. Die ersten Friedensdekaden in den evangelischen Kirchengemeinden stehen unter der Losung „Frieden schaffen ohne Waffen“.


"Die Kirche in der DDR"

Die Realität des kirchlichen Lebens wird im Gegensatz zur Äußerung des DDR-Partei- und Staatschefs an einer Chronik über die Kirchen in der DDR deutlich:

 

Die Chronik ist entnommen aus der Publikation "Die Kirche in der DDR" von Professor Dr. theol. Peter Maser in der Reihe Deutsche ZeitBilder der Bundeszentrale für politische Bildung mit Zustimmung des Autors. Das Bildmaterial ist Bestandteil der Internet-Enzyklopädie www.wikipedia.org


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