Chronik Kirchen in der DDR 1981 - 1990

1981

Aufnäher Schwerter zu Pflugscharen.8.3. Ein Hirtenwort der katholischen Bischöfe mahnt die Eltern, ihr „Ersterziehungsrecht“ in Anspruch zu nehmen: „Hass schafft Feindschaft, und Erziehung zum Hass zerstört den Friedenswillen und den Frieden selbst“.
2.5. Wiedereinweihung der im Krieg zerstörten Nikolaikirche in Potsdam.
9.5. Der an die Kirchenleitungen gerichtete Aufruf der Dresdner Initiative „Sozialer Friedensdienst“ (SoFD), die sich für einen Wehrersatzdienst außerhalb des Bereiches der Nationalen Volksarmee einsetzt, wird von mehr als 5000 Eingaben unterstützt.
18./22.9. Der Magdeburger Bischof Werner Krusche löst Bischof Albrecht Schönherr als Vorsitzenden des BEK ab.
28.10. Papst Johannes Paul II. Befürwortet vor den Bischöfen aus der DDR Kontakte in der Friedensfrage zu den evangelischen Kirchen.
3./13.11. Zweite Friedensdekade. Die Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ werden zum neuen Symbol.
11./13.12. Bundeskanzler Helmut Schmidt trifft zu Gesprächen mit Honecker in Güstrow zusammen; die Verhängung des Kriegsrechts in Polen überschattet das Treffen.

 

1982

Jahresanfang Der kirchenkritische Aktionskreis Halle (AKH) moniert die „Sprachlosigkeit“ der katholischen Kirche gegenüber der Friedensproblematik.
25.1. „Berliner Appell – Frieden schaffen ohne Waffen“ des SED-Dissidenten Robert Havemann und des Berliner Pfarrers Rainer Eppelmann.
März SED, FDJ und Ost-CDU starten die Kampagne „Der Friede muss verteidigt werden, der Frieden muss bewaffnet sein.“
24.3. Die Synode der sächsischen Landeskirche rät angesichts verstärkter staatlicher Repressionsmaßnahmen von der weiteren Verwendung der Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ ab.
25.3. Neues Wehrdienst- und Grenzgesetz der DDR.
6.5. Die Direktoren der sechs staatlichen Sektionen Theologie an den Universitäten der DDR warnen im „Neuen Deutschland“ vor dem Missbrauch der „Friedenssehnsucht für antisozialistische Ziele“.

 

1983

27.2. In allen katholischen Gottesdiensten wird das Wort der Bischöfe über die Bedeutung Luthers auch für die katholische Kirche verlesen.
März Basisgruppen aus der gesamten DDR treffen sich zum ersten Zentralen Friedensseminar in Ost-Berlin.
29.6. Zusage eines Milliardenkredits für die DDR durch die Vermittlung der Bundesregierung.
15.9. Verordnung zur Regelung von Fragen der Familienzusammenführung und der Eheschließung zwischen Bürgern der DDR und Ausländern.
Oktober/November Abschlussfeiern zum Lutherjahr in Worms und in Eisleben.
9.11. Festakt der DDR-Staatsführung zum Luther-Jahr in der Deutschen Staatsoper in Ost-Berlin.
12.12. Bärbel Bohley und Ulrike Poppe von der Initiative „Frauen für den Frieden“ werden verhaftet und erst nach zahlreichen internationalen Protesten am 24. Januar 1984 wieder auf freien Fuß gesetzt.

 

1984

10.4. Die Synode von Berlin-Brandenburg verhindert durch ihren Einspruch die Bildung einer „Vereinigten Evangelischen Kirche in der DDR“.
1.7. Die „Verordnung zur Bekämpfung von Ordnungswidrigkeiten“ schafft die gesetzliche Grundlage zur Bekämpfung unabhängiger Gruppen und Personen.
11./21.11. Die fünfte Friedensdekade verknüpft die Themen Frieden und Umwelt miteinander.

 

1985

19.3. Gemeinsames Wort von BEK und EKD zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor vierzig Jahren.
5.4. Eröffnung der Friedensbibliothek in der Ostberliner Bartholomäus-Kirche.
24.4. Papst Johannes Paul II. empfängt den DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker zu einer halbstündigen Audienz.
12.8. Die Theologische Studienabteilung beim BEK veröffentlicht eine Materialsammlung zum Thema „Leben und Bleiben in der DDR“.

 

1986

28.2. Vertreter von über 120 Basisgruppen beteiligen sich an einem Treffen in Stendal „Frieden konkret“.
6.5. Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und der DDR.
September Gründung der „Umweltbibliothek“ in der Ostberliner Zionskirche.
7.10. Der evangelische „Arbeitskreis Solidarische Kirche (AKSK)“ konstituiert sich als „Opposition innerhalb der Amtskirche“.

 

1987

7.6. Während eines Rockkonzerts vor dem Reichstag in West-Berlin versammeln sich Jugendliche im Osten der Stadt und fordern: „Die Mauer muss weg!“
24./28.6. Evangelischer Kirchentag in Ost-Berlin mit Gegeninitiative „Kirchentag von unten“.
10./12.7. Katholikentreffen in Dresden: rund 100 000 Menschen besuchen die Abschlussversammlung.
1./18.9. BEK und „Aktion Sühnezeichen“ beteiligen sich beim „Olof-Palme-Friedensmarsch“.
5.9. Etwa 1000 Mitglieder unabhängiger Friedensgruppen aus der gesamten DDR demonstrieren unangemeldet im Ostberliner Bezirk Prenzlauer Berg: „Gorbatschow ist unsere Hoffnung.“
7./11.9. Offizieller Arbeitsbesuch Honeckers in der Bundesrepublik.
25.11. Nächtliche Haussuchung in der „Umweltbibliothek“ der Berliner Zionsgemeinde, der Verhaftungen folgen.

 

1988

10.1. Gründung des Grünen Netzwerks „Arche“ zur Koordinierung der Umweltaktivitäten im Umfeld der Kirchen.
17.1. Mehr als 100 Verhaftungen von „Ausreisern“ und Mitgliedern von Initiativgruppen während der Luxemburg-Liebknecht-Gedenkdemonstration.
12./15.2. Ökumenische Versammlung der Kirchen zum Thema „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ in Dresden.
März Eingriffe der DDR-Zensur in Kirchenzeitungen.
13.7. Rücktritt des Staatssekretärs für Kirchenfragen, Klaus Gysi; Nachfolger wird Kurt Löffler, zuvor Staatssekretär im Kulturministerium der DDR.
12.9. Beim „Friedensgebet“ in der Leipziger Nikolaikirche kommt es zu tumultartigen Auseinandersetzungen mit „Ausreisern“.
8.11. Sondersitzung der Volkskammer zum 50. Jahrestag der „Reichskristallnacht“.
19.11. Verbot des Vertriebs der deutschen Ausgabe der populären sowjetischen Zeitschrift „Sputnik“ in der DDR.

 

1989

Friedensgebete im Herbst 1989.5.3. Der BEK-Vorsitzende Landesbischof Werner Leich möchte die Formel „Kirche im Sozialismus“ durch „Evangelische Kirche in der DDR“ ersetzen.
26./30.4. Die 3. Vollversammlung der Ökumenischen Versammlung in Dresden fordert eine „Umgestaltung des Sozialismus unter den Bedingungen unseres Landes“.
7.5. Kommunalwahlen in der DDR.
6.6. Der BEK tritt für Aufdeckung der Wahlfälschungen bei der Kommunalwahl ein.
7.6. Gründung des Verbandes der Freidenker in der DDR.
11.6. Honecker nimmt am Gottesdienst zur Einweihung des Greifswalder Doms teil.
25.6. Prälat Georg Sterzinsky wird von Papst Johannes Paul II. zum neuen Bischof von Berlin ernannt.
10.9. Ungarn gestattet den DDR-Bürgern die Ausreise „in ein Land ihrer Wahl“.
15./19.9. Die Synode der BEK ruft zu grundlegenden Reformen in der DDR auf.
30.9. Die in die bundesdeutschen Botschaften in Warschau und Prag geflüchteten DDR-Bürger dürfen über die DDR in die Bundesrepublik ausreisen.
3./4.10. Führende Kirchenvertreter verhindern durch ihren Aufruf „Keine Gewalt!“ schwere Auseinandersetzungen am Dresdner Hauptbahnhof.
6.10. Honecker verkündet bei einem Festakt im Ostberliner Palast der Republik in Gegenwart von Michail Gorbatschow: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.“
7.10. Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR.
18.10. Auf eigenen Wunsch scheidet Honecker „aus gesundheitlichen Gründen“ aus allen seinen Staats- und Parteifunktionen aus. Egon Krenz wird zum Generalsekretär der SED gewählt.
23.10. Nach Schätzungen von Kirchenkreisen demonstrieren rund 300 000 Menschen (nach ADN „mehr als 100 000“) in Leipzig für freie Wahlen und gegen eine „neue Machtkonzentration“.
4.11. Weit mehr als 500 000 Menschen demonstrieren in Ost-Berlin „für Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit“. Sie fordern unter anderem auf Transparenten: „Das Volk sind wir – gehen sollt ihr.“
7.11. Der Ministerrat der DDR und sein Vorsitzender, Willi Stoph, treten geschlossen zurück, bleiben aber bis zur Wahl einer neuen Regierung geschäftsführend im Amt.
9.11. Öffnung der innerdeutschen Grenze.
28.11. Bundeskanzler Helmut Kohl legt dem Bundestag ein Zehn-Punkte-Programm zur Deutschlandpolitik vor, das die Wiederlangung der staatlichen Einheit zum Ziel hat.
1.12. Die Volkskammer streicht den Passus über den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung der DDR.
7.12. Erste Sitzung des Zentralen Runden Tisches, zu der die evangelische und katholische Kirche ins Ostberliner Dietrich-Bonhoeffer-Haus eingeladen hat.
11.12. Bei Großdemonstrationen in verschiedenen Städten der DDR mehren sich die Transparente mit der Forderung: „Deutschland, einig Vaterland!“
19.12. Bundeskanzler Kohl und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow kündigen in Dresden eine Vertragsgemeinschaft zwischen beiden deutschen Staaten für das Frühjahr 1990 an.

 

1990

Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.5.1. Demonstranten stürmen das „Amt für Nationale Sicherheit“ (früher: Ministerium für Staatssicherheit) in Berlin-Lichtenberg.
17.1. Auf einer gemeinsamen Tagung erklären BEK- und EKD-Vertreter in Loccum den kirchlichen Willen, „das die beiden deutschen Staaten zusammenwachsen“.
30.1. Das Ehepaar Honecker wird im Pfarrhaus der Hoffnungsthaler Anstalten in Lobetal aufgenommen.
4.2. Umbenennung der SED in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS).
5.2. Bildung der „Regierung der nationalen Verantwortung“ in der DDR.
13.2. Die Ostberliner Wochenzeitung „Die Kirche“ warnt vor einer „Wiedervereinigungs-Trunkenheit“.
20.2. In einem gemeinsamen Hirtenwort rufen die katholischen Bischöfe in der DDR zur Beteiligung an den Volkskammerwahlen auf.
21./22.2. Die Synode des BEK erklärt zur deutschen Wiedervereinigung: „Wir wollen uns Zeit lassen.“
8.3. Der Ostermontag wird wieder gesetzlicher Feiertag, ebenso (ab Mai) Himmelfahrt und der Buß- und Bettag; Fronleichnam, Allerheiligen und Reformationsfest werden entsprechend den konfessionellen Verhältnissen in den Ländern als Feiertage begangen.
18.3. Erste freie Wahlen zur Volkskammer.
6.5. Erste freie Kommunalwahl.
22.5. Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Bischof Karl Lehmann, ruft vor Beginn des Berliner Katholikentages dazu auf, der Vereinigung Deutschlands nicht mit Misstrauen oder Ängsten zu begegnen.
1.7. Die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion tritt in Kraft.
22.7. Die Volkskammer beschließt das Gesetz zur Wiedereinführung der Länder.
23.8. Die Volkskammer beschließt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik zum 3. Oktober.
3.10. Der Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes nach Artikel 23 Grundgesetz wird wirksam. Damit hört die DDR auf zu existieren. In der Berliner Marienkirche findet aus diesem Anlass ein zentraler ökumenischer Gottesdienst statt.


"Die Kirche in der DDR"

Die Realität des kirchlichen Lebens wird im Gegensatz zur Äußerung des DDR-Partei- und Staatschefs an einer Chronik über die Kirchen in der DDR deutlich:

 

Die Chronik ist entnommen aus der Publikation "Die Kirche in der DDR" von Professor Dr. theol. Peter Maser in der Reihe Deutsche ZeitBilder der Bundeszentrale für politische Bildung mit Zustimmung des Autors. Das Bildmaterial ist Bestandteil der Internet-Enzyklopädie www.wikipedia.org


Audio & Video

Sie benötigen das Flash Plug-In um den Player zu sehen.
Artikel anzeigen

 

Sie benötigen das Flash Plug-In um den Player zu sehen.

 

Aktionen

Evangelische Kirche in Mitteldeutschland gegen Rechtsextremismus
Internet-Plattform www.kirchengrundstuecke.de
Gemeindekongress 2012 in Halle
Arbeitslose Handys für arbeitlose Menschen
Internet-Plattform geistreich.de - Projekte aus der EKM
Luther 2017
Ansprechstellen für Missbrauchsopfer
www.mitteldeutschland.evangelisch.de
Fragen zur Kirchensteuer