Allstedt
(10.12.2011) — Reformationsorte in Mitteldeutschland
Mit A. ist der Reformator Thomas Müntzer verbunden, der hier von Ostern 1523 bis August 1524 als Pfarrer wohl die wirkmächtigste Zeit seines Lebens verbrachte. Hier führte Müntzer noch vor Luther die deutsche Liturgie ein, ließ auch Frauen im Chor mitsingen und heiratete die entlaufene Nonne Ottilie von Gersen. Mit der Zeit wurden seine Predigten immer radikaler und hatten auch Brandschatzung zur Folge. Müntzer stellte sich an die Spitze des "Allstedter Bundes", einer bewaffneten Truppe, der sich schnell 500 Bergleute, Handwerker und Bauern anschlossen.
Auf Schloss A. kam es am 13. Juli 1524 zu einem der zentralen Ereignisse der Reformation: Müntzer hält vor Johann dem Beständigen und dessen fürstlichen Gästen die "Fürstenpredigt", die kühnste Predigt vielleicht, die eine Obrigkeit in Deutschland je hören musste. Luther forderte Friedrich den Weisen auf, gegen den "Satan von Allstedt" vorzugehen. Müntzers Antwort war die "Hochverursachte Schutzrede", eine Abrechnung mit Luther, den er darin "Doktor Lügner" und "geistloses, sanftlebendes Fleisch zu Wittenberg" nannte. Im August 1524 musste Müntzer A. verlassen. Luther hat das von ihm als aufrührerisch-schwärmerisch gekennzeichnete Denken und Handeln Müntzers weiter verurteilt und literarisch angegriffen. Das Ende Müntzers (Hinrichtung am 27.5.1525) bezeichnete er als Gottesurteil.
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