Stätten der Reformationsgeschichte
in Mitteldeutschland
Allstedt
- 13.7.1524 Thomas Müntzer hält auf Schloss A. die "Fürstenpredigt", die kühnste vielleicht, die eine Obrigkeit in Deutschland je hören musste (Luthers Antwort: "Ein Brief an die Fürsten zu Sachsen von dem aufrührerischen Geist")
Altenburg
- Beispiel für eine frühe Reformation (erste evangelische Predigt durch Gabriel Zwilling 1522; evangelischer Prediger Wenzeslaus Linck 1523; 1525-1545 Georg Spalatin): verbunden vor allem mit der Stadtkirche St. Bartholomäi
- an/in der Brüderkirche: Grabstein von Luthers Urenkel, Johann Friedrich (gestorben 1677, begraben in Brüder)
Apolda
- Pfarrbibliothek mit umfangreichem Bestand an reformatorischen Schriften und Lutherausgaben des 16. und 17. Jh.. (Sanierungsbedarf!)
- Lutherkirche = einer der berühmt-berüchtigsten DC-Kirchen Thüringens
Arnstadt
- 1522 predigt der Eisleber Augustinermönch Kaspar Güttel auf dem Markt bereits evangelisch
- Oberkirche Arnstadt (ehem. Franziskanerkirche): Beispiel für Umgestaltung einer Klosterkirche in eine protestantische Kirche; Bibliothek in der Sakristei (umfangreich und wertvoll; Kirchenbuch, in welchem der Tod des Fuhrmanns Wolff Essiger im Jahr 1593 eingetragen ist - dieser soll Luther von Erfurt aus 1521 zum Reichstag nach Worms gefahren haben)
Brehna (Kirchenkreis Wittenberg)
- Katharina von Bora ist hier von 1505-1508 im Kloster (Augustinerinnen), bevor sie nach Nimbschen wechselt (dort 1515 zur Nonne geweiht)
Drübeck (Kirchenkreis Halberstadt)
- Kloster 1526 im Zuge der Reformation aufgelöst; Nutzung als Damenstift (jede Dame hatte ihren eigenen Garten!) - Beispiel für die Umnutzung der Klosteranlagen nach der Reformation
Eisleben
- 1525 kam Johann Agricola in die Stadt als evangelischer Prediger, wurde auch Rektor der neugegründeten Lateinschule St. Andreas im Haus der Alten Superintendentur (entwickelte hier die erste Schulordnung, schrieb 1526 einen lateinischen, 1527 einen deutschen Katechismus)
Erfurt
- Augustinerkloster und kirche: linkes Buntglasfenster im Altarraum = sog. Löwen- und Papageienfenster; Rose = Vorbild für Luthers Lutherrose (Brief an Lazarus Spengler vom 08.07.1530: hier erklärt Luther seine Petschaft)
- Georgenkirche: Grabstein von Nikolaus von Amsdorf (1565); umfangreiche reformatorische Ikonographie (Doppelgemälde zum Andenken an das Reformationsfest 1617)
Falkenberg (Kirchenkreis Bad Liebenwerda)
- entscheidende Schlacht des Schmalkaldischen Krieges am 24. April 1547
Gotha
- Schloss Friedenstein: bedeutendes reformationsgeschichtliches Archiv; das protestantische Escorial!!
- Friedrich Myconius (1490-1546): evangelischer Pfarrer in Gotha, an zahlreichen theologischen Verhandlungen seiner Zeit beteiligt. Luther schätzte ihn sehr
Halle
- erste ev. Predigt in der Karwoche 1541 durch Justus Jonas (bis dahin starke römisch-katholische Präsenz, dann aber wird aus der Residenz des Kardinals eine Lutherstadt)
- die 1554 begründete Marienbibliothek, eine der ältesten Pfarrbibliotheken Deutschlands mit heute ca. 30.000 Bänden und begründet unter Sup Sebastian Boetius, folgt der Anregung Luthers, gute Bibliotheken einzurichten (in ihr auch die Übersetzungen der Vollbibeln von 1534 und 1541 mit eigenhändigen Eintragungen Luthers; die von 1534 aus dem Besitz der Felicitas von Selmenitz mit Widmung Luthers: "Der Erbarn tugentsamen frawen Felicitas von Selmenitz, meiner Lieben Gevattern Martinus Luther d. d." = dono dedit = geschenkt; die von 1541 aus dem Besitz des Sohnes von Franziska von Selmenitz)
Herzberg/Elster (Kirchenkreis Bad Liebenwerda)
- 1538 entwickelte Melanchthon für die Lateinschule (heute: Philipp-Melanchthon-Gymnasium) die erste deutsche Schulordnung (an der Front der Schule: Büste von Melanchthon mit den Lutherrosen, die von Wittenberger Studenten zu dessen Ehren gestiftet wurden), die Maßstäbe gesetzt hat
Jena
- Reformation durch Martin Reinhardt ab ca. 1522 (gemeinsam mit Karlstadts Schwager, dem Juristen Gerhard Westerburg), enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit Karlstadt (sie verließen den gewaltlosen Weg), Situation eskalierte im Juni 1524: Bürger gingen gegen Klöster vor, in Jena schloss sich sogar der Stadtrat an und beschlagnahmte Mitte August im Karmeliterkloster wertvolles Messgerät; 10/1524 verließen Reinhardt und Westerburg J.; zum NF bestellte ML Anton Musa, der über die Verhältnisse klagt (1/1525): "... nulla erat ordo, nulla metus, nulla religio" - es gab weder Ordnung, noch Ehrfurcht, noch Religion; 5/1525 Plünderung des Karmeliterkloster; 6/1525 Standgericht des Kurfürsten (mehr als 20 Hinrichtungen)
Kemberg (Kirchenkreis Wittenberg)
- Wirkungsort des Propstes Bartholomäus Bernhardi (Freund Luthers, heiratete als einer der erster Geistlichen 1521 = damit Begründer des evangelischen Pfarrhauses)
- Kemberger Cranach-Altar: bei der Darstellung der Taufe Jesu sind neben den ersten ev. Predigern Kembergs, Bartholomäus Bernhardi und Matthias Wanckel, auch die großen Vier aus Wittenberg abgebildet: Luther, Melanchthon, Jonas und Bugenhagen; Schwelbrand 8./9.11.1994; der größte Teil der Bilder ist zerstört (eines der drei geretteten ist die Taufszene, jetzt in der Sakristei ausgestellt; Innenausstattung der Kirche neu: u. a. Altargestaltung von Arnulf Rainier)
Kroppenstedt (Kirchenkreis Halberstadt)
- Kirche: Kanzel mit Lutherporträt und Altar von 1693 mit Inschriften der Prediger seit der Reformation; evangelischer Beichtstuhl (hochrangige reformatorische Ausstattung als Beispiel für die bewahrende Kraft des Luthertums)
Magdeburg
- am 17.7.1524 wird Magdeburg protestantisch und Nikolaus von Amsdorf erster Sup.
- im Sommer 1524 geht Caspar Cruciger als Prediger und Schulrektor nach M.
- 1531 tritt M. dem Schmalkaldischen Bund bei
- "Herrgotts Kanzelei"
Orlamünde (Kirchenkreis Eisenberg)
- Karlstadt setzte seine GD-Ordnung um, predigte in deutscher Sprache, reichte das AM in beiderlei Gestalt, hob die Kindstaufe auf und ließ die Bilder entfernen (1523/24)
Osterwieck (Kirchenkreis Halberstadt)
- Fachwerkstadt aus dem Reformationsjahrhundert
- 1535 Reformation eingeführt; schon 1533 ließ Bürgermeister Michael Steggeler an seinem Haus die erste reformatorische Inschrift anbringen: VDMIAE = Verbum Dominum Manet in Aeternum
Saalfeld (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld)
- 1526 wurde Caspar Aquila (1488-1560), ein enger Mitarbeiter Luthers und Freund Melanchthons, erster Sup in S. - 12.11.2010 = 450. Todestag von Aquila
Stendal
- St. Marien: Schererorgel von Hans Scherer d. Ä. (um 1580) ist ein Instrument protestantischer Kirchenmusik, wie sie sich Luther vorgestellt hat
- Jakobikirche: Reformatorenfiguren auf Altaraufsatz aus dem Umkreis der Magdeburger Bildhauerschule (um 1600-1603 von Hans Hake aus Werben geschaffen) (der Reformator neben ML ist entweder Justus Jonas, der Reformator Stendals, oder Conrad Cordatus, der erste Sup Stendals)
Torgau (Kirchenkreis Torgau-Delitzsch)
- 1526 Gründung der ersten evangelischen Stadtkantorei durch Johann Walter ("evangelischer Urkantor")
- Sterbehaus Katharina Luther in der Katharinenstr. 11: 1552 brach in Wittenberg die Pest aus, die Lutherin mit den Kindern Paul und Margarethe flüchteten nach T., genau wie die Uni; nach Unfall mit dem Pferdewagen lag sie ein Vierteljahr auf dem Krankenlager, bevor sie starb (20.12.1552)
- Schloss Hartenfels mit Schlosskapelle: erstes Beispiel des evangelischen Kirchenbaus (am 5.10.1544 von Luther "eingeweiht": Festpredigt zu Wesen und Sinn des evangelischen Gottesdienstes; unter Leitung von Johann Walter sang ein Chor die für diesen Tag komponierte siebenstimmige Motette über Psalm 119)
Westhausen (Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld)
- Jodok Mörlin (Jodocus Morlinus) (um 1490-1550): Freund Luthers aus den beginnenden Reformationsjahren. Mörlin war 1517 Philosophieprofessor in Wittenberg und gehörte zum Freundeskreis Luthers. Auf Luthers Empfehlung ging er 1520 nach Westhausen in Thüringen, um dort die Reformation voranzutreiben. Kurfürst Friedrich der Weise wollte mit dieser Entscheidung den Einfluss Würzburgs am südlichen Ende seines Landes zurückdrängen, offenbar mit Erfolg: die Heldburger Unterländer sollen in Scharen zu Mörlin gepilgert sein, ehe sie selbst einen protestantischen Pfarrer bekamen. Westhausen war der Universität Wittenberg inkorporiert.
Wittenberg
- Bugenhagenhaus: ältestes evangelisches Pfarrhaus der Welt (bis 1997 ununterbrochen Suptur, heute Geistliches Gemeinde- und Begegnungszentrum)
Zeitz (Kirchenkreis Naumburg-Zeitz)
- Kirche St. Michael: in der Sakristei wurde 1882 ein Druck der 95 Thesen von 1517 entdeckt (Kopie der Rarität ist zu sehen)
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Fon 0361/51800-322
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