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Martin Luther über das Pilgern

Pilgerreisen und Wallfahrten, mit Ablass verbunden, sind für Luther fromme Werke und damit „Narrenwerk“. Seine Reise nach Rom stärkt in Luther die reformatorische Ansicht: Allein aus Glauben kommt ein Christ zu Gott und nicht durch das „Geläuff“, sprich das Pilgern. "Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt", spottet er über den Pilgerweg nach Santiago di Compostela.

Wer evangelisch ist, lebt „aus Glauben“ und muss der Gnade nicht hinterherlaufen. Das gilt bis heute: Niemand muss pilgern, doch viele Menschen möchten es und machen sich auf den Weg. Die Suche nach göttlichen Kräften an besonderen, heiligen Orten zieht sich durch alle Religionen.

In der jüdisch-christlichen Tradition gilt Abraham als einer der ersten Pilger. Der Auszug des Volkes Israel ins Heilige Land war sozusagen eine jahrzehntelange Pilgerreise. Und der Tempel in Jerusalem wird später in vielen Psalmen als Pilgerziel besungen.

Doch das Alte Testament betont bereits: Gott wohnt nicht nur im Tempel. Jahwe, „ich bin, der ich bin“, ist unterwegs mit den Menschen. Das Neue Testament spitzt diese Ansicht noch zu. Gott ist laut Johannes das „Wort“, er wird „im Geist und in der Wahrheit“ angebetet.

Die ersten Christen pilgern darum nicht; doch die Bewegung lebt bald wieder auf. Im dritten Jahrhundert werden Jerusalem und das Heilige Land Ziel der Pilger. Hundert Jahre später kommen mit der Heiligenverehrung die Reisen zu deren vermeintlichen Gräbern hinzu. Besonders beliebt waren die Ruhestätten der Apostel Petrus und Paulus in Rom, bald gefolgt von dem Grab des Jakobus in Santiago di Compostela.

Das Hochmittelalter wird schließlich die Hoch-Zeit der Pilger. Sinn und Unsinn der einsetzenden frommen „Lauferei“ wird bereits zu dieser Zeit hinterfragt. „Wer viel pilgert, wird selten heilig“, sagt Thomas von Kempen im 14. Jahrhundert.

Auf den beschwerlichen Reisen wollen die Pilger Vergebung erfahren und Verdienste für ihr Seelenheil erwerben. Dabei gehen die Gläubigen zumeist auf eine Art Kurzpilgerreise, auf Wallfahrt.

Bei der Wallfahrt zählt allein das Ziel: Am heiligen Ort Buße tun. Das geschieht durch die Eucharistiefeier und den damit verbundenen Ablass. Darin besteht bis heute in römisch-katholischer Tradition der Sinn einer Wallfahrt oder einer traditionellen Pilgerreise.

Bei einer Pilgerreise ist jedoch bereits der Weg das Ziel. Wer in der Nachfolge Christi lebt, soll als Büßer unterwegs sein, ohne feste Bleibe und ohne Besitz. Denn laut Lukasevangelium hat der Menschensohn „nichts, wo er sein Haupt hinlege“. Diese Form des Pilgerns kommt mit dem Mönchtum des Mittelalters auf.

Die Mönche sehen sich als ständige Pilger, als Fremde in der Welt. Das entspricht dem Wortsinn: "Pilgern" geht zurück auf das lateinische "pergere/per agere" und bedeutet soviel wie "jenseits des Ackers" oder "in der Fremde". Auch das griechische „xenos“, also „Gast/Fremder“, meint im Neuen Testament „Pilger“.

Der Mensch ist zeitlebens unterwegs zu Gott. Er ist „homo viator“, ein „Wegegeher“, betont die klösterliche Pilgertradition. Der Benediktiner Anselm Grün spricht heute ähnlich von dem Menschen, der auf dem Weg ist, der „wandernd sich wandelt.“ Pilgern ist so gesehen eine Lebenshaltung, ein beständiges Beten mit den Füßen.

Die moderne Pilgerbewegung verfolgt kein einheitliches Ziel mehr. Doch das „auf dem Weg sein“ zieht viele Pilger an - seien sie katholisch, evangelisch, esoterisch geprägt. Ziel ist es, unterwegs zu sein – zu sich selbst, zu den anderen, zu Gott.


"auf dem Weg sein..."

  • Abraham gilt als einer der ersten Pilger
  • Im dritten Jahrhundert werden Jerusalem und das Heilige Land Ziel der Pilger
  • „Wer viel pilgert, wird selten heilig“, sagt Thomas von Kempen im 14. Jahrhundert
  • Bei einer Pilgerreise ist bereits der Weg das Ziel
  • "Pilgern" geht zurück auf das lateinische "pergere/per agere"
  • Ziel ist es, unterwegs zu sein – zu sich selbst, zu den anderen, zu Gott

 

Links

www.lutherweg.de
www.oekumenischer-pilgerweg.de
www.thueringer-pilgerwege.de
www.pilgern-in-mitteldeutschland.de
www.jakobusweg-sachsen-anhalt.de


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