Startseite » Leben & Glauben » Predigten

 

Predigt von Landesbischöfin Ilse Junkermann am 25. April 2010

(25.04.2010) — Landesbischöfin Ilse Junkermann

im Rundfunkgottesdienst zur Eröffnung der Landesgartenschau in Aschersleben

Eröffnung LAGA in der Reihe "Was ist Kirche? Kirche erblüht" - Predigt über Gen 1
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Gemeinde hier in Aschersleben, zu Hause oder unterwegs!

Endlich wieder mehr Licht, endlich wieder wärmer: Wie wundervoll ist der Frühling! Endlich sehen unsere Augen wieder Grün, Gelb und Rot - Osterglocken und Tulpen. Endlich, nach dem kalten Winter, nach dieser langen Zeit in Grau, Schwarz und Weiß: welche Wohltat! Wie wundervoll ist der Frühling! Alles grünt und blüht. Besonders auf der Landesgartenschau.

Auch die Menschen blühen auf. "Wir werden blühen und fruchtbar sein", haben wir eben gesungen. Es ist, als ob Ostern weiterklingt. "Siehe, Neues ist geworden," heißt es im Wochenspruch. Und auch Menschen, die nicht an Gott, den Schöpfer glauben, freuen sich daran, wie alles blüht. Wir spüren, wie schön das Leben sein kann. Beinahe wie im Garten Eden.

Töne: Mix

"Und siehe, es war sehr gut." Ein wunderbarer Garten ist die Erde. Auch wenn wir wissen: Vieles ist- auch dank uns Menschen - nicht mehr gut, vieles nicht mehr wunderbar. Dennoch, gegen manchen Augenschein gilt seit Ostern: Das Leben wird siegen. Alles wird neu, im Himmel wie auf Erden. Gott hält an seiner Schöpfung fest. Er siegt an Ostern über alles Todbringende - damit seine Geschöpfe leben.

Paradiesisch, so soll und wird unser Leben sein. "Und siehe, es war sehr gut." In dieser Aussicht auf den Garten Eden leben wir auf dieser Erde. In dieser Zuversicht bewahren wir die Schöpfung.

Darum geht es im Kirchengarten auch um Ressourcen, um seltene Pflanzen, die zu schützen sind. Das ist mehr als eine Umwelt- und Klimafrage, für Christen ist es eine Glaubensfrage. Wir glauben an Gott, den Schöpfer. Darum - und nicht, weil wir Gutmenschen oder Weltverbesserer wären - bewahren wir alles, was er uns in die Hand gegeben hat. Pflanzen, Tiere - und Menschen. Alles und alle hat Gott uns anvertraut, alles und alle sollen wachsen und gedeihen.

Doch: Wie geht das nun, dass ein Mensch erblüht? Und wie er-blüht die Kirche?
Auf der Landesgartenschau steht uns die Antwort direkt vor Augen - wie die Blumen. Da ist es ebenso einfach wie wundervoll: Im Samen oder in der Knolle, da steckt schon alles drin, was eine Blume ausmacht. Und dann braucht sie zum Blühen: Erde, Wasser, Luft und Licht.
Hier in der Magdeburger Börde, da wissen die Menschen: Zuallererst muss die Erde gut sein.

Töne: Spatenstiche

Kirche blüht, wo sie geerdet ist und von unten wächst.

Ohne Erde wächst nichts. So wie jede Pflanze, so braucht auch jeder Mensch einen guten Grund für sein Leben. Als Christin finde ich guten Boden in dem, nach dem ich genannt bin: in Christus. Ich weiß: ich brauche eine Kraft, die mir geschenkt wird, die nicht in mir selber steckt. Ich brauche eine Kraft, einen Boden, aus dem ich wachsen kann.

Wie ein solcher Boden ist Christus, unser Glaubensgrund. Er hat die Welt schon zum Guten gewendet. Darum muss ich kein Weltverbesserer sein, vielmehr darf ich mit ihm die Welt verändern. Gott hat mir dazu guten Boden bereitet. Aus ihm heraus darf ich wachsen - genau so wie ich bin.

Dieser Glaube kann Menschen verwurzeln und erden. Kirche blüht, wo sie das spüren lässt: im Gottesdienst, im Gebet, in der Stille. Viele Menschen suchen nach Sinn und Grund in ihrem Leben. Sie suchen Erde, in der sie wurzeln können. Sie sehnen sich nach Spiritualität.
Sie sehnen sich danach zu spüren: Einer sagt ja zu mir. Manchmal ist in unseren Kirchen zu viel Betrieb - und zu wenig Raum für Stille und Empfangen, bei Hauptamtlichen wie bei Ehrenamtlichen. Lasst uns darauf achten, dass wir geerdet bleiben und dass Menschen bei uns gute Erde finden.
Denn auch Kirche blüht nur, wo sie geerdet bleibt. Wo Menschen beten, singen und hören und spüren: Ich bin von Gott gewollt. Mich gibt es nur einmal. Ich bin nicht austauschbar. Ich bin wertvoll und wichtig! Es ist wie hier im Kirchengarten. Rund um das Gärtnerhaus sind seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzen gesät. Zum Zeichen: Keine Pflanze, keine Pflanzenart soll verloren gehen. So wie kein Mensch verloren gehen soll. Jede und jeder soll werden können, was Gott in ihm und in ihr angelegt hat.

Darauf sollen wir achten, als Gärtner in seinem Namen. Ahmed und Ayse müssen genauso viele Chancen haben wie Hans und Hanne. Ob mit Abi oder Sekundarschul-Abschluss: Junge Leute müssen wachsen können, sich entfalten und ihren Platz haben. Jede und jeder - ob jung oder alt, reich oder arm, Manager oder Hartz4Empfänger - jeder ist und bleibt wertvoll in Gottes Garten.

Denn all diese Menschen lassen unsere Gesellschaft wachsen, so wie alle Christenmenschen unsere Kirche. Geerdet in Christus wächst Kirche von unten und nicht von oben; aus Basisgruppen und aus der Gemeinschaft an jedem Ort und nicht von Bischöfin oder Bischof her.
In jeder Kirche sind darum Bewegungen von unten lebenswichtig: sei es durch die Bewegung "Kirche von unten" in der römisch-katholischen Kirche, seien es die Friedensgruppen oder Initiativen gegen rechts in den evangelischen Kirchen. Kirche blüht, wo sie geerdet bleibt und wo sie von unten wächst.

Töne: Wasser

Kirche blüht, wo sie erfrischt wird und erfrischend wirkt.

Ohne Wasser wächst nichts. Da trocknet der Boden aus und alles stirbt ab. Wasser belebt Pflanzen, Tiere und Menschen. Und das Wasser der Taufe belebt uns Christen. Wer getauft ist, muss nicht sagen: das Alte bleibt, alles bleibt, wie es ist. Wer getauft ist, spürt: Alles wird neu - und geht jeden Tag frisch ans Werk.

Auch wenn viele das so sagen: Es gibt keine "evangelische" oder "katholische", es gibt nur eine Taufe. Sie verbindet Christen in aller Welt und erfrischt so auch die Ökumene. Aus dem Wasser der Taufe treibt die Kirche sozusagen Blüten - in allen Farben und Formen, in allen Konfessionen. Wann werden wir uns an dieser bunten Vielfalt mehr freuen als daran leiden?
Viel von diesem Wasser, so stelle ich es mir vor, kann wie ein sanfter Sprühregen im ökumenischen Kirchengarten auf manch verkrustetes fallen; es kann in der direkten Begegnung und Zusammenarbeit auf manche verkrusteten Bilder voneinander fallen und so den gemeinsamen Boden lockern. Ein solch lockerer Boden, ja, der kann wohl einladend auf die Besucherinnen und Besucher wirken: 'Ja, in einem solchen Boden habe sogar ich als fremde Pflanze einen Platz!'
Es gibt vieles in unseren Kirche, das verkrustet und vertrocknet ist, wo wir Prinzipien und Traditionen wichtiger nehmen als Menschen und als Menschen zu gewinnen.
Jetzt ist die Zeit, neu anzufangen und darüber zu reden: geschwisterlich, ökumenisch und hoffentlich erfrischend ehrlich. Nicht nur beim Ökumenischen Kirchentag in München, auch hier im Kirchengarten in Aschersleben. Ich hoffe, es werden muntere und mutige Gespräche geführt, erfrischend für alle, erfrischt durch das Wasser der Taufe. Denn Kirche blüht, wo sie erfrischend wirkt.

Töne: Lachen

Kirche blüht, wo sie befreit ist und befreiend wirkt.

Wenn es uns leicht ums Herz ist, liebe Gemeinde, dann lachen wir! Lachen befreit, auch in einer beengten Situation. Ein Lachen, besonders Kinderlachen, das perlt so richtig in der Luft und lässt einen strahlen, als ginge im Gesicht ein Licht an.

Ohne Licht wächst nichts. Ohne Luft zum Atmen und Lachen erstickt die Lebensfreude und das Leben. Da wird es eng und ängstlich. Auch in unserer Kirche haben wir oft Angst vor Neuem, bleiben eng, sehen kaum über den eigenen Kirchturm hinaus.

Dabei ruft uns Gott, freie und frohe Christenmenschen zu sein. Christus macht uns frei, angstfrei zu leben mit Gott, fast wie im Paradies. Kirche blüht, wo sie befreit wird. Wo sie diese Freiheit predigt und auch lebt. Wir sollen die frohe Botschaft so verkünden, dass Menschen erleichtert sind. Wir sollen eine Atmosphäre schaffen, in der es Menschen leicht ums Herz wird - frei von Druck und Angst. Dazu braucht es immer wieder den frischen Wind des Heiligen Geistes, der in unsere Enge pustet und uns Druck und Angst nimmt.

Die Landesgartenschau zeigt, wie frische Luft und Licht da Wunder wirken können. Kirche erblüht, wo sie befreiend wirkt. Wo Menschen aufatmen und auflachen, wo sie fühlen: Das Licht der Liebe Gottes fällt im Garten Erde auch auf mich. Der "Glanz, der von Eden zu mir aufbricht", das ist der "Morgenglanz der Ewigkeit". Dieses Licht verleiht jedem Menschen besonderen Glanz - er liegt auch auf denen, die im Dunkel stehen, die am Rande der Lichtkegel unserer Gesellschaft stehen.

Die Liebe Gottes will jeden und jede froh und frei machen. Auch so frei, zu sagen: "Ich muss nicht immer mehr haben. Ich muss nicht alles haben, vielmehr: sollen alle genug haben."
Eine Ethik des "Genug". Das ist der dringend nötige Beitrag für mehr Gerechtigkeit, für Frieden und eine bewahrte Schöpfung. "Leben teilen" heißt darum auch das Motto im Kirchengarten. Wir sind so frei zu teilen. Kirche blüht, wo sie befreiend wirkt.

Töne: Mix

Wie wunderbar, wenn das Leben lacht. Osterglocken und Blumen machen es vor: Mit Luft und Licht, mit Wasser und dem richtigen Boden, da blüht es in jedem Frühjahr grün, gelb und rot. Auch die Kirche er-blüht seit 2000 Jahren, seit dem ersten Ostertag. Die LAGA erinnert uns: Wir leben im wunderbaren Garten Gottes. Beinahe paradiesisch - hier auf Erden und erst recht im Himmel. AMEN



Zitat

"Der Prediger steige auf die Kanzel, öffne seinen Mund, höre aber auch wieder auf."
Martin Luther


Audio & Video

Sie benötigen das Flash Plug-In um den Player zu sehen.
Artikel anzeigen

 

Sie benötigen das Flash Plug-In um den Player zu sehen.

 

Aktionen

Evangelische Kirche in Mitteldeutschland gegen Rechtsextremismus
Internet-Plattform www.kirchengrundstuecke.de
Gemeindekongress 2012 in Halle
Arbeitslose Handys für arbeitlose Menschen
Internet-Plattform geistreich.de - Projekte aus der EKM
Luther 2017
Ansprechstellen für Missbrauchsopfer
www.mitteldeutschland.evangelisch.de
Fragen zur Kirchensteuer