Vortrag von Landesbischöfin Ilse Junkermann am 7. Dezember 2010 in Erfurt
(07.12.2010) — Landesbischöfin Ilse Junkermann
beim Adventsempfang der Evangelischen Kirchen in Thüringen.
Der Ruf nach den Werten
Antworten aus Schrift und Tradition
Der Ruf nach Werten - immer wieder taucht er in Krisensituationen in unserer Gesellschaft auf. Schnell wird da die Frage nach dem gestellt, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Es ist die Frage nach Werten, die die Grundlage unseres Zusammenlebens bilden, die wir nicht vorschnell und nicht in falscher Toleranz aufgeben sollten. Es ist gut, dass es diesen Ruf nach den Werten gibt - er zeugt von einem lebendigen Gemeinwesen.
Vor allem im zu Ende gehenden Jahr ist in unserer Gesellschaft dieser Ruf vorzugsweise dann aufgetaucht, wenn bestehende Werte (wirklich oder vermeintlich) infrage gestellt wurden. So steht die Frage, der Ruf nach Werten, im Zentrum, wenn es darum geht, einerseits Ja zu sagen zur Integrationsgesellschaft und andererseits die Grenzen der Toleranz gegenüber denjenigen Werten zu bestimmen und zu ziehen, die Migrantinnen und Migranten aus ihrem kulturellen und religiösen Hintergrund mitbringen. Ich nenne als Beispiel: Die Frage nach der gleichberechtigten Teilnahme von Mädchen muslimischen Glaubens z.B. am Sport- und Schwimmunterricht. Es tut jeder Gemeinschaft, es tut auch unserer Gesellschaft gut, wenn in ihr die Frage und der Ruf nach Werten lebendig bleiben! So mühsam und langwierig sie zuweilen zu beantworten ist - so wichtig ist, dass der Diskurs über die Werte, die unser Zusammenleben verbinden, lebendig bleibt, ja auch kontrovers geführt wird. Im Gedenkjahr seines Todes erinnere ich gerne an Melanchthons Wort: "Wir sind einander zum wechselseitigen Gespräch geboren." Dies wechselseitige Gespräch betrifft nicht zuletzt das Gespräch über die gemeinsamen Werte. Und wer sagt, ein solcher Diskurs um Werte sei in der Mediengesellschaft nicht vermittelbar, der sei nur erinnert an die Berichterstattung über den Bundesparteitag der CDU vor wenigen Wochen. Die dortige Diskussion über die PID (Präimplantationsdiagnostik) ist m.E. ein gelungenes Beispiel für diesen öffentlichen Diskurs. Es ist wichtig - und offenbar auch medial zu vermitteln -, dass auf schwierige Fragen keine einfachen Antworten gegeben werden können. Es ist wichtig - und offenbar auch medial zu vermitteln -, dass in schwierigen Fragen der Diskurs und die Diskussion über die Werte, die mit dieser Frage verbunden sind, offen und streitbar geführt werden kann. Und in dieser Diskussion und Auseinandersetzung ist wieder einmal deutlich geworden: Die Frage nach Anfang und Ende des Lebens, die durch wissenschaftliche Erkenntnisse und menschliches Können sich neu stellt, diese Frage wirft die Frage nach den Werten ganz neu auf, ja, dies ist schon ein elementarer Wert: Es gibt kein Leben ohne Wert, es gibt kein Zusammenleben ohne Werte und Verständigung über Werte.
Damit verbinde ich eine erste grundlegende Eigenschaft von Werten: sie gehören zu jeder Gemeinschaft. Werte sind im Zusammenleben der Menschen zu Hause. Werte sind darauf angewiesen, dass ihnen Menschen in ihrem Leben Gestaltungskraft zugestehen und dass sie ihnen in ihrer Lebensgestaltung Gestaltungsraum geben. Es kommt darauf an, dass Menschen ihr Leben an diesen Werten ausrichten, dass sie erfahren: dieser Wert ist etwas wert. Wenn Sie sich fragen: Was ist mir lieb und wert? Was ist wertvoll für mich? Was macht den Reichtum meines Lebens aus?, dann sind Sie Ihren Werten auf der Spur. Die Wünsche zu Weihnachten - sie zeigen, was Menschen lieb und wert ist: Frieden, Gemeinschaft, Gerechtigkeit.
Damit klingt ein weiteres an: In mancher Diskussion, in manchem Ruf nach Werten kann man den Eindruck gewinnen, als stünden Werte aller Art im Regal und Supermarkt, als müsste man nur den richtigen Wert ergreifen, erwerben und dann in Gebrauch nehmen. Doch Werte sind keine Ware. Sie sind weder wie eine Ware zu erwerben und zu benutzen; noch sind sie in der Hinsicht eine Ware, dass sie ein totes Ding sind, das von Menschen produziert werden kann. Auch die Kirche ist keine "Bundesagentur für Werte", die Werte nach Bedarf liefern könnte - wie der damalige EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, im Jahr 2007 sagte. Vielmehr gilt auch für die Kirche, was für die ganze Gesellschaft gilt: Werte wollen gelebt werden. Zu Werten gehört elementar, dass sie lebendig bleiben im Leben der einzelnen Menschen wie im Zusammenleben.
Auch Kinder und Jugendliche "lernen" Werte nur dadurch, wie ihnen Werte vorgelebt werden. Werteerziehung nach Lehrplan, Werte auswendig lernen und abfragen können, das kann man wohl tun. Doch eine echte Aneignung geschieht erst, wenn sie das Leben bestimmen, wenn sie zu Erfahrungswerten werden. Wertebildung und -erziehung gelingt nur, "wenn Leben und Lebensorientierung geteilt werden und daraus Werte erwachsen." (EKD-Denkschrift) Ungelebte Werte, auch nur demonstrierte Werte, die z.B. eine Partei oder auch eine Kirche vor sich herträgt, aber nicht in ihrem Leben verankert, werden schnell zu Ideologie. Sie sind leblos und helfen nicht zum Zusammenleben - im Gegenteil: sie ersticken jede Lebendigkeit.
Vor diesem Hintergrund ist der Protest gegen die Neuberechnung von Hartz IV durch die Bundesregierung sehr verstehbar: Der in der öffentlichen Präsentation vorgetragene reine "Sachbezug", dass die 5 Euro Erhöhung den sachlichen Berechnungen eben entsprächen und die Statistik kein anderes Ergebnis erbringen könne - genau dieser pure Sachbezug lässt die politische Einordnung vermissen. Es wird zu wenig deutlich und es wird zu wenig in den Diskurs dieser Gesellschaft hineingegeben, welche politischen Implikationen und Entscheidungen und v.a. welche Werte und Bewertungen hinter dieser Berechnung stehen. Wie steht es in dieser Entscheidung aktuell um den Gemeinschaftsbezug von Eigentum und Reichtum? Welchen aktuellen Wert hat die Verpflichtung von Eigentum?
"Antworten aus Schrift und Tradition" sind im Titel meiner Rede versprochen. Wir sind schon längst mittendrin in diesen Antworten, denn unsere Gesellschaft und Kultur ist nach wie vor von christlichen Werten geprägt. Auch die Verfassung des Freistaats Thüringen hält ja in ihrer Präambel den Gottesbezug aller folgenden Werte fest in den Worten: "...gibt sich das Volk des Freistaats Thüringen in freier Selbstbestimmung und auch in Verantwortung vor Gott diese Verfassung." (Präambel)
Aber nun sollen die Antworten aus Schrift und Tradition auch direkt zu Wort kommen, in aller diesem Anlass und Rahmen gebotenen Kürze. Schon in der aller ersten Geschichte der Bibel, in der Schöpfungsgeschichte finden wir die elementare Bedeutung von Werten für das Zusammenleben. Ja, die Schöpfung selbst ist von Werten durchdrungen: Wir finden in der Schöpfungsgeschichte folgende Werte erzählt: Den Wert der Ordnung gegenüber dem Wert des Chaos. Den Wert des Ruhetags in der Reihe der Arbeitstage - dieser Wert hat göttlichen Rang. Den Wert der Gottebenbildlichkeit der Menschen - worin ihre unantastbare und unzerstörbare Würde gründet, die durch keine Tat oder Untat verloren gehen kann. Den Wert der Freiheit, die eine Grenze hat ("...von allen Früchten dürft ihr essen, nur von diesem einen Baum nicht"). Und schließlich den Wert der Grenze, die das Paradies selbst umgibt, ja, die überhaupt erst das Paradies definiert. Paradies, das heißt von seinem Wortursprung in Pharsi direkt übersetzt: das Umgrenzte.
Wir wissen alle: Das paradiesische Leben geht den Menschen verloren durch ihre Grenzüberschreitung. Mit der Vertreibung aus dem Paradies ist zwar der Verlust der unmittelbaren Gottesnähe verbunden. Aber, so wird uns erzählt, Gott bleibt mit seiner Schöpfung und seinen Menschen verbunden. Ja, die ganze Bibel erzählt davon, wie Gott diese Nähe zu den Menschen um ihrer Lebensmöglichkeiten willen sucht.
Ich überspringe die schönen weiteren Geschichten der Urgeschichte und komme zu dem "Wertekanon" der jüdisch-christlichen Überlieferung, den Zehn Geboten. In ihnen werden elementare Werte geboten, damit den Menschen ein menschliches und menschengerechtes Zusammenleben gelingt. (Eltern ehren, nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsch' Zeugnis reden, dem Nächsten sein Gut nicht abspenstig machen wollen). Diese Gebote für das zwischenmenschliche Zusammenleben hängen elementar an den ersten drei Geboten, die das Zusammenleben zwischen Menschen und Gott betreffen: Der Respekt vor Gott - das Vertrauen auf ihn, das Misstrauen gegenüber anderen Göttern, das Gebot, seinen Namen nicht zu missbrauchen und die Achtung des Ruhetags.
In diesen 10 Geboten finden wir die zweite grundlegende Eigenschaft von Werten: Ohne Rückbindung an die Wahrheit, die in Gott ist - hat kein Wert irgendeine Verlässlichkeit und Verbindlichkeit. Wenn Werte "nur" Ergebnis eines zwischenmenschlichen Diskurses sind, dann sind sie in einem Maße verschiebbar und beeinflussbar, dass ihre Lebensdienlichkeit für alle in Frage schnell in Frage stehen kann. Wie schnell kann der im Diskurs oder in der Machtausübung Stärkere dann Werte zu seinen Gunsten setzen und durchsetzen, auch wenn es auf Kosten anderer geht. Die Rede von "unwertem" Leben oder sog. "minderwertigen" Rassen oder Kulturen schafft eine lebensbedrohende und -vernichtende Wirklichkeit, wie sie in der Zeit des Nationalsozialismus, gepaart mit industriell angelegtem, höchst effizienten Töten zu einem bis dahin unvorstellbarem Massenmorden geführt hat. Lebensmöglichkeit und Lebensdienlichkeit für alle Menschen, das ist ein Grundwert, der außerhalb der Reichweite menschlichen Diskurses im Gott des Lebens selbst gegründet ist. Eben weil Menschen ihr Leben nicht sich selbst und dem eigenen Schaffen und Werken verdanken, gerade deshalb steht jedem Menschen von Gott her unverletzliche Würde und Lebensmöglichkeit zu. Das ist die Wahrheit über unser Leben. Und diese Wahrheit ist die Quelle, aus der alle Werte erst kommen und fließen. Und diese Wahrheit ist die Grenze, die menschengemachte Werte nicht überschreiten dürfen.
Dass wir in der aktuellen Weltsituation von diesem Grundwert der Lebensmöglichkeit und Lebensdienlichkeit für alle Menschen weit entfernt sind - das ist uns nur allzu drastisch allein in der Zahl der Menschen vor Augen, die jährlich weltweit an Hunger sterben. Es ist für Millionen von Menschen eine Todeskatastrophe, dass in unserer Gegenwart die Worte "Wert" und "Werte" nahezu ausschließlich ökonomisch verstanden werden. Es bekommt uns nicht, wenn an Werte der Maßstab der Verwertung und Verwertbarkeit gelegt wird. Und es wird uns als Einwanderungsgesellschaft nicht bekommen und eben gerade nicht der Integration dienen, wenn wir Menschen allein nach dem Maß ihrer Verwertbarkeit in die Gemeinschaft unseres Zusammenlebens aufnehmen. Sie werden dann keinen anderen Wert bei uns leben als den, den sie selbst erfahren: die Verwertbarkeit, das, was ein einzelner aus dieser Gesellschaft für sich "rausholen" kann.
Die globalisierte Gesellschaft braucht einen Dialog der Religionen, in dem sie sich auf gemeinsame Werte verständigen, damit unser weltweites Zusammenleben auf Dauer gelingen kann. Und die globalisierte Gesellschaft braucht Menschen, die in Politik, Parteien, in Justiz, Polizei und Militär diese Werte leben - glaubwürdig und überzeugend. Mit dem Bezug auf Gott geht die Wahrheitsfrage allen Werten voraus. Werte folgen aus dem Glauben. In einer pluralen Gesellschaft kann es zugleich kein Wertemonopol geben, weder einer Kirche oder Religionsgemeinschaft noch des Staates. Der demokratische Staat weiß sich zwar an Grundwerte im Sinne des Grundgesetzes und der Menschenrechte gebunden, aber damit ist nur ein weiter Rahmen vorgegeben, der im pädagogischen Alltag erst noch ausgefüllt werden muss.
Unsere Gesellschaft braucht eine Werteerziehung und eine Wertediskussion, in der es Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen möglich ist, der Frage nach Gott, der Frage nach der Wahrheit und dem Grund ihres Lebens nachzugehen. In einer pluralen Gesellschaft und Demokratie ist es Aufgabe des Staates, einen Rahmen für die Vielfalt der Antworten zu ermöglichen. Genau aus diesem Grund bewegen uns in diesen Tagen allerhöchste Bedenken, wenn der Staat z.B. in Sachen Schulen mehr und mehr allein auf sein eigenes Handeln und Gestalten setzt und die Beziehung zu Schulen in freier Trägerschaft noch stärker als bisher in ein großes Gefälle zu den eigenen Schulen bringt. Die Bildungslandschaft Thüringen wird jedoch durch das Miteinander von staatlichen und freien Schulen geprägt. Das Ja zu dieser Vielfalt ist uns sehr präsent. Es kann ja auch gar nicht anders sein: Wer darum weiß, dass das Gemeinwesen von unterschiedlichen Perspektiven, Wurzeln und damit verbundenen Werten lebt, muss sich auch über eine bunte Schullandschaft freuen. Damit verändert sich auch der Blick auf freie Schulen: Aus vermeintlichen Kostgängern werden wertvolle Partner, die ihren spezifischen Beitrag für ein buntes, freies und sich gegenseitig befruchtendes Schulwesen auch mit ihrem spezifischen Beitrag zur Werteerziehung leisten. Pluralität ist anstrengend - wie der Diskurs um die Werte anstrengend ist. Und zugleich braucht ein lebendiges Gemeinwesen solche Pluralität. Evangelische Schulen bringen in die Werteerziehung eine besondere Note ein, und sich selbst als Beispiel, gerade auch um des Bildungsdiskurses willen. Um so unverständlicher sind die harten, doppelten Kürzungen im Bereich der Regel- und Förderschulen und bei den Gymnasien. Diese Kürzungen sind leider nicht moderat und nicht ohne massive Schulgelderhöhungen aufzufangen. Uns verbindet das gemeinsame Ziel, der gemeinsame Wert der Bildungsgerechtigkeit. Mit dem neuen Schulgesetz entfernen wir uns u.E. von diesem Ziel. Das ist schade für die Träger, aber noch viel mehr für die Kinder und Jugendlichen, die nicht mehr die Schule wählen können, die für sie die richtige ist.
In den Wertediskurs der pluralen Gesellschaft haben Christen einzubringen, was Martin Luther im kleinen Katechismus so wunderbar in den Erklärungen zu den 10 Geboten verbunden hat: Jede Erklärung, auch die zu den Geboten, die den zwischenmenschlichen Bereich betreffen, beginnt mit den Worten: "Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir (z.B. zum achten Gebot) unsern Nächsten nicht belügen." Der Wert der Wahrhaftigkeit im zwischenmenschlichen Umgang ist gegründet im Respekt vor Gott, in der Liebe zu Gott.
Das ist die elementare Antwort aus Schrift und Tradition auf den Ruf nach Werten: Was einen biblischen Wert ausmacht, ist, dass er in einem Beziehungsgeflecht gründet und lebt. Dieses Beziehungsgeflecht entspannt sich im Dreieck "Ich - Gott - mein Mitmensch/Nächster". Zwischen diesen drei Bezugsgrößen ist das Netz der zehn Gebote gespannt, das zusammengefasst ist im Doppelgebot der Liebe: "Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all Deiner Kraft und Deinen Nächsten wie dich selbst." Die Orientierung an Gottes Willen und den Rechten des bzw. dem Respekt vor dem Nächsten lassen in der konkreten Situation die jeweils angemessenen Werte entstehen bzw. zur Wirkung kommen. Der "Grundwert" in diesem Beziehungsgeflecht ist die Gerechtigkeit, vom Alttestamentler Gerhard von Rad als Gemeinschaftsgerechtigkeit noch genauer bezeichnet. Dieser Begriff bezeichnet ein Verhalten, das der Gemeinschaft mit Gott und mit dem Nächsten entspricht und angemessen ist. In der Prüfung der Frage nach dem dieser Beziehung in der jeweiligen konkreten Situation angemessenen Verhalten bilden sich situationsangemessene Werte. Diese Wertebildung geschieht, so die reformatorische Einsicht, im Gewissen jedes einzelnen Menschen. Deshalb ist es gut, dass wir in unseren Parlamenten bei elementaren Lebensfragen die gewissensgebundene Einzelabstimmung haben.
Lassen Sie mich zum Schluss etwas sagen zu einem Wert, den es neu zu entdecken gilt für unsere Gesellschaft, für unser Leben in einer globalisierten Welt: es ist der Wert der Grenze. Welches sind die Grenzen des Wachstums? Welches sind die Grenzen des Machbaren? Welches sind die Grenzen des Wirtschaftens, des Warenaustauschs, des Geldhandels wie des Schuldenmachens? Wie kommen wir von einem Streben nach immer Mehr hin zu einer Ethik des Genug? Wie kommen wir zu einem Verständnis von Freiheit, dass das Ja zu Bindungen als Wesenselement von Freiheit erkennt? Dies, sehr geehrte Damen und Herren, sind die Fragen, von deren Antworten es abhängt, ob und wie wir und unsere Mitmenschen hier und weltweit ein Leben in Menschenwürde haben können, wie unsere Umwelt und Mitschöpfung überleben und leben kann, wie die nachfolgende Generation Mittel zum Leben haben wird. Wir leben in einer endlichen Welt. Qua definitionem gehört zur Endlichkeit die Begrenztheit. Seit Reformation und Aufklärung sind Menschen bestrebt, die Grenzen des Wissens, des Erkennens und ihres Könnens zu erweitern. Unglaubliches haben sie damit erreicht und an Lebensmöglichkeiten errungen, ich denke nur an die Errungenschaften der modernen Medizin. Wir stehen heute vor der Frage: Stehen wir vor einer zweiten Aufklärung - die nach der Phase dieser Grenzerweiterungen ein neues Ja zur Begrenztheit findet, damit die Lebensmöglichkeiten für alle innerhalb dieser erweiterten Grenzen gerecht geteilt werden können. Ein Ja zur Grenze - vielleicht kann ein kleiner Fingerzeig von Weihnachten her uns den freundlichen Weg dorthin zeigen: In dem Weihnachtslied ... heißt es: "...heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis...". Mit Weihnachten öffnet Gott die Tür zum Paradies wieder - es steht kein schwertbewehrter Engel mehr davor und versperrt den Weg. Wir können in dieses Paradies eintreten - wenn wir Ja zur Grenze sagen: Denn: Paradies, das ist dieses Ja zur Grenze ". Das Ja zur Grenze - ist ein Ja zu unserem endlichen Leben und unseren endlichen Möglichkeiten - ein Ja dazu, dass Gott Gott ist und dass Gott Mensch wird - damit alle Menschen ihren Lebens-Wert zuspricht und zueignet, damit alle Menschen diesen Lebens-Wert erfahren und damit unsere Welt lebens-wert bleibt.
Wie wunderbar, dass Gott selbst Mensch wird und uns in Jesus zeigt, wie ein Leben in diesem Beziehungsgeflecht zwischen Ich, Gott und den Mitmenschen die paradiesischen Werte des Zusammenlebens zum Leuchten bringt: "Er ist gerecht, ein Helfer wert. Sanftmütigkeit ist sein Gefährt. Sein Königskron ist Heiligkeit. Sein Zepter ist Barmherzigkeit. All unsere Not zum End er bringt. Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat. "
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
Zitat
"Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende - und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen."
Mark Twain
"Der gute Redner bewirkt, dass die Menschen mit den Ohren sehen."
Arabisches Sprichwort
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