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Magdeburg ist Lutherstadt und "Unseres Herrgotts Kanzlei"

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Die wenigen persönlichen Anwesenheiten Luthers in Magdeburg und die beiden bemerkenswerten Belagerungen im 16. und 17. Jahrhundert lassen es zu, Magdeburg auch eine Lutherstadt zu nennen.

Magdeburg ist mit seinem Dom heute der Sitz des Bischofs und der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, der Kirche, die in dieser Region aus der Reformation Martin Luthers entstand, sich dieser Tradition verpflichtet weiß, und in der die meisten Lutherstätten liegen.

Magdeburger Dom.Magdeburg könnte sich auch "Lutherstadt" nennen. Aber es gibt ganz wenige genaue Nachrichten über Martin Luthers Aufenthalt hier im Jahr 1497/98. Zusammen mit einem anderen Schüler aus Mansfeld wird der Knabe von seinem Vater auf die "damals berühmte Schule" geschickt. Wir wissen nicht, welche Schule das war. Vielleicht - aber das wird zunehmend bestritten - wurde sie von den Brüdern vom gemeinsamen Leben betrieben.
Wohnung erhielt der junge Lateinschüler bei einem ebenfalls aus Mansfeld stammenden Vorsitzenden des Kirchengerichts, dem Offizial Paul Moßhauer. Für seinen Lebensunterhalt musste sich auch Martin Luther durch Kurrende-Singen Gaben erbitten. Das war eine für die damaligen Schüler durchgängige Praxis.

Besonders beeindruckt wurde er von der Gestalt eines Franziskaner-Mönchs. Fürst Wilhelm von Anhalt war 1473 in den Orden eingetreten und ging gelegentlich mit dem Bettelsack durch die Stadt. Dass Vater Hans Luther seinen Sohn bereits nach einem Jahr von Magdeburg nach Eisenach schickte, konnte seinen Grund darin haben, dass es dort Verwandte gab. Vielleicht wollte der Vater aber auch die erkennbaren Sympathien für den Franziskaner oder für die Brüder vom gemeinsamen Leben nicht zu stark werden lassen.

Etwa zwei Jahrzehnte später kommt Luther im Frühjahr 1516 bei seiner Inspektionsreise durch die seiner Aufsicht unterstehenden Augustinerklöster in Sachsen und Thüringen wieder nach Magdeburg, um das dortige Augustinerkloster zu besuchen und nach dem Rechten zu sehen. Wie sonst auch tritt er für die sorgfältige Beobachtung der Ordensregeln ein.

Noch ein drittes Mal führt den Reformator sein Weg in die Elbestadt. Am 26. Juni 1524 predigt er in der Johanniskirche. Diese war als größte Stadtkirche unmittelbar neben dem Rathaus für die Bürger das geistliche Zentrum. (Der Magdeburger Dom war damals der geistliche Mittelpunkt des Erzbistums, musste diese Funktion aber schon seit geraumer Zeit mit dem Dom in Halle teilen, weil die Erzbischöfe ihre Residenz dorthin verlegt hatten. Für das geistliche Leben der Stadt hatte er deshalb nur sporadisch eine Bedeutung. Zudem lag er am Rande der Stadt.)

Mit der Predigt Luthers in der Johanniskirche war die endgültige Wende für Magdeburg erfolgt. Die Stadt zählte fortan zu den treuen Städten der Reformation. Schon bald nach dem Tode Luthers wurde das deutlich.
Im Schmalkaldischen Krieg verweigerte die Stadt die Annahme der in Augsburg ausgehandelten Kompromissformel (dies "Interim" legte fest, bis zu einem kommenden Konzil solle den Reformatorischen der Laienkelch und die Priesterehe zugestanden werden, ansonsten sollten aber alle katholischen Bräuche erst einmal beibehalten bzw. wiedereingeführt werden). Damals erhielt die Stadt Magdeburg auch den Namen "Unseres Herrgottes Kanzlei" wegen ihrer heldenhaften Verteidigung gegen den Vollstrecker der Reichsacht, Moritz von Sachsen. Trotzdem musste sie am 4. November 1551 gegenüber Moritz kapitulieren.


In ähnlicher Weise widerstand die Stadt im Dreißigjährigen Kriege 1630 der Belagerung durch Wallenstein und 1631 zunächst der durch Tilly, bis am 10. Mai durch Einnahme und den dabei entstandenen Brand fast die ganze Stadt zerstört wurde.

Die wenigen persönlichen Anwesenheiten Luthers in Magdeburg und die beiden bemerkenswerten Belagerungen im 16. und 17. Jahrhundert lassen es zu, Magdeburg auch eine Lutherstadt zu nennen, wenngleich sie als solche von wesentlich geringerer Bedeutung ist als etwa Wittenberg.

Zur Erinnerung an diese Tradition haben die Bürger 1886 ein Denkmal Luthers vor der Johanniskirche aufgestellt. Das wurde nach längerer Zeit der Restaurierung 1995 wieder vor der Johanniskirche errichtet. Diese Kirche, ein Symbol protestantischen Lebens in Magdeburg, ist nach der zweiten großen Zerstörung der Stadt am 16. Januar 1945 als Ruine erhalten geblieben. Inzwischen profanisiert, wird sie nach mehrjährigem Wiederaufbau seit 1999 als Konzert- und Veranstaltungshalle der Stadt Magdeburg genutzt.

In die Augustinerklosterkirche zogen 150 Jahre nach Luthers Tod protestantische Glaubensflüchtlinge reformierter Tradition ein, die sie zur "Wallonerkirche" machten und ihr mit ihren besonderen Gottesdiensten ein neues Gepräge gaben. Heute gibt es in der Stadt lutherisch und reformiert geprägte evangelische Kirchengemeinden, daneben natürlich auch Freikirchen und die katholische Kirche, die 1993 erneut ein Bistum Magdeburg errichtete.

Pfarrer i.R. Martin Kramer,
Schadowstraße 2, 39108 Magdeburg, Telefon 0391 / 4 01 49 42





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