Caritas-Präsident kritisiert Egoismus des Westens bei Impfkampagne

Berlin (epd). Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, wirft dem Westen bei der Corona-Bekämpfung Egoismus vor. 

Drei Viertel der weltweit produzierten Impfstoffe seien an genau zehn Ländern weltweit gegangen, kritisierte Neher am Montag im Inforadio des RBB. In Hinblick auf die gesamte Weltbevölkerung sei das egoistisch.

Und nachhaltig sei es auch nicht, sagte der Caritas-Präsident. Durch die Verknappung von Impfstoff in anderen Ländern könnten neue Virusvarianten entstehen. Dadurch würden Lieferketten unterbrochen, wovon die westlichen Länder auch betroffen wären.

Dass Deutschland nun Impfstoff zur Verfügung stelle, sei nur selbstverständlich. „Wir sollten das nicht als generöse Haltung sehen. Den Ländern weltweit stehen diese Impfstoffe genauso zu wie uns“, sagte Neher.

Er sprach sich dafür aus, die Patente für die Impfstoffe freizugeben, um die Produktion anzukurbeln. Allerdings sei der Widerstand zu groß, weshalb er für Kooperationen mit Pharmaunternehmen plädiere. Eigenständige Produktionsstätten könnten dann in den jeweiligen Entwicklungsländern entstehen.

Die Gesundheitsminister der G20-Staaten beraten seit Sonntag unter anderem über einen Impfpakt für ärmere Länder und die Immunisierung der Weltbevölkerung. Auch Deutschland will sich laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit 100 Millionen Impfdosen beteiligen. Neher kritisierte, dass sei keine generöse Handlung, denn viele westliche Länder hätten durch gesonderte Verträge mit den Herstellern erst für eine Verknappung von Impfstoffen gesorgt: „Insofern ist das ein bisschen wie das Feigenblatt.“



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