Erste Lockerung bei Corona-Beschränkungen in Sachsen-Anhalt | Normalbetrieb bei Gottesdiensten bis Pfingsten laut Ministerpräsident fraglich

Magdeburg (epd). Die strengen Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie sind in Sachsen-Anhalt erstmals ein wenig gelockert worden.

"Wir sind aber immer noch in einer problematischen Phase und noch nicht auf der sicheren Seite", sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Donnerstag in Magdeburg. Es sei immer noch ein fragiles System. Auch die freien Spitzen der Intensivbetten in den Krankenhäusern könnten bei einem Ausbruch der Corona-Erkrankungen "relativ schnell zulaufen".

Schrittweise werden in Sachsen-Anhalt die Schulen und der Einzelhandel geöffnet. Ladengeschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche könnten unter Auflagen öffnen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben indes bis einschließlich 3. Mai bestehen. Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur allein, mit einer weiteren Person oder mit Familienmitgliedern gestattet. Gaststätten, Sportstätten und Spielplätze bleiben geschlossen. In Krankenhäusern und Pflegeheimen gilt weiter Besuchsverbot. Großveranstaltungen sind bis Ende August untersagt.

Das Tragen von Schutzmasken, möglich ist auch ein Schal, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften wird dringend empfohlen. Gottesdienste dürfen weiter nicht stattfinden. Haseloff sagte mit Blick auf das weiter bestehende Gottesdienstverbot, die verordneten Maßnahmen seien "deutschlandweit ein sehr starker Eingriff in eines der wichtigsten Grundrechte". Die Kirchen hätten statt der üblichen Gottesdienstformate zwar alternative Angebote geschaffen. Dies sei aber nur eine "temporäre Zwischenlösung".

Haseloff verwies auf laufende Gespräche. Es werde versucht, Lösungen zu finden, immer vor dem Hintergrund der Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen. Allerdings sagte Haseloff auch: "Ich bin nicht sicher, dass wir vor Christi Himmelfahrt oder Pfingsten wieder einen Normalbetrieb hinbekommen." Zugleich verwies er darauf, dass in Sachsen-Anhalt etwa 35 Prozent der Bevölkerung aufgrund des Alters und Vorerkrankungen zu den besonders gefährdeten Gruppen gehörten. Was für die Gesamtbevölkerung gelte, sei gerade im kirchlichen Bereich noch stärker ausgeprägt. Es gebe ein hohes Risiko für alle Betroffenen.

Die Kirchen dringen allerdings bereits auf Lockerungen. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hofft auf eine schnelle Verständigung über die Rahmenbedingungen zur Abhaltung von öffentlichen Gottesdiensten. Ähnlich sieht es in Anhalt aus. "Bei allem Verständnis für Einschränkungen, die notwendig sind, um die Verbreitung des Corona-Virus zu reduzieren, schmerzt es uns sehr, dass Gottesdienste weiterhin nicht stattfinden können", sagte der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig. Wie angemessen diese Einschränkungen gerade in Sachsen-Anhalt seien, müsse immer wieder neu geprüft werden.

Liebig sagte: "Ich denke, wir wären gerade in Anhalt mit unseren überschaubaren Gemeindegrößen und in größeren Kirchengebäuden durchaus in der Lage, auch reguläre Gottesdienste stattfinden zu lassen, unter Einhaltung eines angemessenen Abstandes und aller hygienischen Vorschriften."



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