Die Letzten und die Ersten
Erster sein zu wollen, wird uns meist schon von klein auf antrainiert: Wenn Du anders bist als andere, dann doch bitte nur, indem Du besser bist, schneller, erfolgreicher oder eben: Erster!
Einfach nur „anders“ sein, geht gar nicht! Wer „anders“ ist, gilt damit meist auch schlechter, hat eben Defizite oder passt einfach nicht richtig rein. So werden aus „Anderen“ die Letzten. Die, die nicht dazu gehören. Die, bei denen man nur sieht, was sie nicht so gut können, wie die anderen. Die störenden, die man am liebsten nicht sehen und nicht dabei haben möchte und die deshalb nichts mit zu reden haben. Die am Rand, die Unsichtbaren, die keine Maßstäbe setzen und die keine Ansprüche stellen können.
Jesus kehrt in seiner Lehre diese Logik um: „Die Letzten werden die Ersten und die Ersten werden die Letzten sein.“ (Mt 19,30 u.ö.).
Er geht gerade zu den Außenseitern, den Ausgegrenzten und den zu spät gekommenen und stellt sie denen gleich, die sich für das Maß aller Dinge halten. Damit rückt er die Maßstäbe zurecht, die in der Logik von „ersten und letzten“, „besser und schlechter“ gesetzt werden. Von Gott geliebt werden die ganz unterschiedlichen Menschen mit ihren unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen gleichermaßen. Gerade die leistungsorientierten könnten aber lernen, mit Unterschieden und Schwächen bei sich und anderen gelassener umzugehen. Denn auch für sie gilt ja, dass Gott sich vor allem den „Letzten“ zuwendet.
Johann Schneider, evangelischer Regionalbischof aus Halle