Ein gutes Herz
Ein Banner am Kirchturm in Hohenwarthe flattert im Wind. Der untere Rand ist zerfetzt. „Herz statt...“ lese ich.
Und merke sofort: da fehlt ein Stück Stoff und ein Wort. Denn ich weiß, dass es „Herz statt Hetze“ heißen müsste. Doch den unteren Teil hat jemand mit Gewalt entfernt. Aber es ist ihm nicht geglückt, auch das Herz zu beseitigen.
Regelmäßig treffen sich in dieser Kirche Menschen, um zu reden und zu beten. Für Frieden, Demokratie und Menschenwürde.
Doch irgendjemandem hat genau das nicht gepasst. Dann hat er nachts sein Messer gezückt.
Auch an anderen evangelischen Kirchen hängen solche Banner „Herz statt Hetze“ oder „Kirche gegen Rechtsextremismus“. Zum Beispiel an St. Nicolai in Magdeburg.
Nach einer Wahlveranstaltung der AFD unter dem Motto: „Alles ist möglich“ wurde vor wenigen Tagen heimlich der Kirchturm beklebt. 50 Zettel mit so rechten Sprüchen. Mitglieder der Kirchengemeinde haben das alles inzwischen wieder entfernt.
„Alles ist möglich?“
Und ich denke: Ja, sogar dass ein Abgeordneter von denen mit einem Baseballschläger einen Jugendlichen brutal ins Krankenhaus prügelt. – wie in Stendal.
„Alles ist möglich“ - das stammt aus der Bibel. Aber der ganze Satz geht weiter: „Alles ist möglich. Aber nicht alles dient dir zum Besten.“
Wir können die verblieben zwei Worte am Kirchturm ergänzen:
Herz statt Gewalt!
Herz statt Rumbrüllen!
Herz statt Beleidigungen!
Herz statt Ausgrenzung!
Denn erst das Herz macht unser Land liebenswert.
Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg