Neue Wege
Ups, im Urlaub hatte ich mich in Hamburg etwas verfahren, die Straßenlage war unübersichtlich und ich kenne die Gegend nicht. Mein Handy zeigte mir dann ganz fix die neue Route an. Super. Ich fand dann doch mein Ziel und fühlte mich gleich erlöst.
Heino Bosselmann hat sich auch verfahren. Allerdings nicht auf Urlaubsstraßen, sondern auf seinem Lebensweg.
Er ist in Mecklenburg aufgewachsen, war bei den Grenztruppen der DDR und dann Lehrer im Osten. Nach der Wende fragt er sich: Wie geht‘s nun weiter?
Vor einigen Jahren ist er dann bei der AFD gelandet, war sogar im Landtag tätig. Und nicht etwa nur als Mitläufer. Nein. Das war sein politischer Weg. Er hat geschrieben für rechte Blätter wie Compact und die Junge Freiheit. Sein Name findet sich als Stammautor neben intellektuellen Vordenkern der Neuen Rechten wie Götz Kubitschek und Martin Sellner.
Ja, Heino Bosselmann war ziemlich stark rechts abgebogen.
Und dann: Vollbremsung. Er merkt, das ist doch ethisch überhaupt nicht zu vertreten, was da propagiert wird. Er beschäftigt sich intensiv mit Philosophie und Theologie.
Im Frühjahr tritt es aus der rechtsextremen Partei aus, kündigt seinen Parteijob und hat sich jetzt im Juli taufen lassen. „AFD und Christentum, das passt für mich nicht zusammen“ sagt er.
Manche schauen skeptisch: Kann man sich so ändern?
Heino sagt, seine Umkehr war heilsam und befreiend. Als Christ kann er sein Leben mit Sinn füllen.
Es ist nie zu spät. Jeder Mensch kann sich fragen: Stimmt mein Weg, laufe ich mit den richtigen Leuten an der Seite? Oder sollte ich doch umkehren?
Heino geht diesen Weg. Sein Navi ist der Glaube an den Sinn im Leben.
Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg