Stolz sein
„Willy, komm ans Fenster“ das riefen die Erfurter 1970 als Willy Brandt in Erfurt war, um Gespräche mit Willy Stoph zu führen.
Als der Zug mit Willy Brandt bei uns zu Hause vorbeifuhr, hatten viele ein weißes Bettlaken aus dem Fenster gehängt. Wir schauten diesem Zug sehnsüchtig nach. Nein, ausreisen wollten wir nicht, Erfurt war unsere Heimat, aber die Trennung unseres Landes war uns immer gegenwärtig. Unser Vater war Kölner und unsere Mutter Thüringerin. Mein Vater hat sich oft nach seiner Heimat gesehnt und er hat 1989 nicht mehr erlebt. Als ich1989 in der Nacht des 3.Oktober das erste Mal offiziell im Reichstag in Berlin die Nationalhymne mitsingen durfte, tat ich dies mit viel Dankbarkeit und Stolz. Und ich habe manchen verwundert, wenn ich oft in der ersten Reihe stehend, gern und hörbar die Nationalhymne mitsang. Ja, ich bin gern Deutsche und ich bin dankbar in Deutschland zu leben, denn unser Grundgesetz hat in der Präambel den Gottesbezug – wir leben hier in der Verantwortung vor Gott und den Menschen – das ist mir wichtig und nicht verhandelbar. Und wir haben den ersten und wichtigsten Artikel: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Jedes Menschen. Auch das ist für mich nicht verhandelbar.
Ehrlich, darauf bin ich bis heute stolz.
Wir müssen dies immer wieder leben in unserem Alltag gerade in Zeiten von Wahlen. Welche Partei sich nicht an diese klaren Grundsätze hält, die Menschen in verschiedene Kategorien einteilt ist für mich als Christ nicht wählbar.
Die Würde des Menschen ist unantastbar!
meint
Pfarrerin Renate Höppner von der Evangelischen Kirche in Magdeburg