Akademien fordern offene Debatten in Bildung und Wissenschaft
Neudietendorf (epd). Die Evangelischen Akademien in Ostdeutschland wollen berechtigte Kritik an Bildung und Wissenschaft nicht populistischen Kräften überlassen.
Demokratie werde dort angreifbar, wo reale Probleme ignoriert würden, erklärten die Chefs der Akademien in Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und der Nordkirche in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Demokratische Institutionen müssten deshalb Angriffe auf die Demokratie zurückweisen und zugleich deren Reformbedarf offen benennen.
Als Beispiele nannten die Akademiedirektoren etwa den Lehrkräftemangel, den Unterrichtsausfall und die hohe Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss, insbesondere auch in Sachsen-Anhalt. Hochschulen litten zudem unter dem Eindruck politisch eingeengter Debatten und einem hohen Anteil befristeter Beschäftigungsverhältnisse.
Austausch von Argumenten stärkt Vertrauen in Bildungsorte
Der Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen, Sebastian Kranich, erklärte, Demokratie brauche Bildungsorte, an denen der freie Streit der Argumente geschützt werde. Nur so entstünden Vertrauen und gesellschaftliche Resilienz.
Der Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Christoph Maier, betonte, die Freiheit von Bildung und Wissenschaft werde nicht verteidigt, indem Schwächen verschwiegen werden. Vielmehr müsse offen über Reformen gesprochen werden.
Der Hallenser Bildungsforscher Peer Pasternack betonte, Bildungsinstitutionen müssten ihre Eigenständigkeit und Widerstandsfähigkeit stärken. Dazu gehöre die Konzentration auf ihren Kernauftrag, Menschen zur eigenständigen Urteilsbildung zu befähigen und offene wissenschaftliche Debatten zu ermöglichen.
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