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Kirchenrechtler Heinig: Kirchen und AfD betrachten sich gegenseitig als inkompatibel

Frankfurt a.M. (epd). Der Göttinger Staats- und Kirchenrechtler Hans Michael Heinig sieht im Programm der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Abkehr von bisherigen Prinzipien. 

Das Programm sei ein Bruch mit "der langen Tradition eines sehr religions- und kirchenfreundlichen Umgangs aller politisch maßgeblichen Kräfte", sagte Heinig dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er sprach von einer "Zäsur", selbst wenn die AfD im September nach der Landtagswahl nicht regieren sollte.

Der AfD-Landesverband hatte am Wochenende sein sogenanntes Regierungsprogramm für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September verabschiedet, darin greift er auch die Kirchen als Institution an. Die Partei will die Privilegien der "Kirchensteuerkirchen" abschaffen, wie sie die evangelische und katholische Kirche nennt. Die Kirchensteuer soll nicht mehr von den staatlichen Finanzämtern eingezogen, das Kirchenasyl abgeschafft und staatliche Gelder für die Kirchen an Bedingungen geknüpft werden. Der Landesverband wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.

Heinig sagte, die AfD äußere sich in dem Programm kirchenfeindlich. Doch auch die Kirchen hätten sich im Vorfeld AfD-kritisch geäußert. Man betrachte sich gegenseitig mit den jeweiligen politischen Vorstellungen als "inkompatibel", sagte Heinig. Die Frontstellung gegen die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer entspreche dem politischen Kampf gegen etablierte Institutionen.

Aber, gab der Professor für Öffentliches Recht zu Bedenken, möglicherweise hätten die Kirchen ungewollt auch selbst einen Beitrag zum Erstarken des Populismus geleistet. In der Politikwissenschaft werde über die Entstehungsbedingungen des autoritären Rechtspopulismus geforscht. Dieser werde von manchen auch als Gegenbewegung zu einer liberal-progressiven Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte gesehen.

Die evangelische Kirche habe sich als Motor der kulturellen Modernisierung gesehen, sagte Heinig. Dabei habe sie vielleicht in der Debatte über die Einwanderungs- und Migrationspolitik Diskussionsräume verengt. Er wolle eine selbstkritische Reflexion anregen, ob dies nicht ein Versäumnis der evangelischen Kirche sei. Sie wäre möglicherweise besser gefahren, wenn sie nicht-rassistische, migrations- und integrationspolitische Kontroversen stärker ermöglicht hätte.

Heinig sagte, die Kirchen sollten die radikale Rhetorik der AfD ernst nehmen. Konflikte seien auf allen kirchlichen Handlungsfeldern absehbar.


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