Für Menschenwürde, Vielfalt und Gleichberechtigung: Stellungnahme der Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland zum Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt 2026
Als christliche Frauen bezeugen wir Gottes umfassende Liebe zum Leben und die unveräußerliche Würde jedes Menschen als Ebenbild Gottes. Aus diesem Glauben heraus setzen wir uns für eine Gesellschaft ein, in der alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Lebensform oder Identität respektiert werden und ihre Gaben frei entfalten können.
Das Menschenbild der AfD, ihre frauen- und familienpolitischen Ideale und die von ihr gewollte „normative Normalität“ der Gesellschaft widersprechen unseren Zielen und Werten. Wenn Menschen in einengende Geschlechter- und Rollenbilder gepresst werden sollen, würdigt dies herab, benachteiligt und beschneidet Freiheit.
Wir stehen für die Gleichwürdigkeit und Gleichberechtigung aller Geschlechter.
Wir treten für eine Gesellschaft ein, die Vielfalt als Bereicherung versteht und Menschen nicht auf vorgegebene Rollen festlegt. Unser Vorbild ist Jesus Christus. Er hat Menschen in ihrer je eigenen Würde wahrgenommen, soziale Grenzen überschritten und insbesondere Frauen gestärkt und in die Nachfolge gerufen. Die Frauenpolitik der AfD bedeutet einen Rückschritt, der Frauen in viele Arten von Abhängigkeit bringt. Frauen nur auf die Rolle als Mutter festzulegen, widerspricht der Lebensrealität von Frauen in Sachsen-Anhalt.
Wir stehen für die Anerkennung unterschiedlicher Lebens- und Familienformen.
Familien tragen auf vielfältige Weise Verantwortung füreinander – als Ehepaare, Alleinerziehende, Patchwork-, Pflege- oder Regenbogenfamilien. Sie alle verdienen Respekt, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung. Die AfD erhebt die Ehe zwischen Mann und Frau und die Kleinfamilie zur „normativen Normalität“, während alternative Lebensformen abgelehnt werden. Sie orientiert sich an einem binären, biologistisch begründeten Geschlechterverständnis und legt ein homogenes gesellschaftliches Ideal zugrunde.
Wir stehen für Geschlechtergerechtigkeit und den Abbau struktureller Benachteiligungen.
Gleichstellungspolitik bedeutet für uns, gerechte Teilhabe zu ermöglichen und bestehende Hindernisse zu überwinden. Deshalb befürworten wir Maßnahmen, die Frauen und andere benachteiligte Gruppen fördern und die Vereinbarkeit von Familie, Sorgearbeit und Beruf stärken. Die AfD negiert strukturelle Gründe für Benachteiligung und unterstellt Frauen mangelnde Qualifikation. Sie will sie – auch mit Blick auf das stark ideologisch aufgeladene Mutterbild – in letzter Konsequenz aus dem Beruf drängen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für die Partei ein Anti-Thema.
Wir stehen für die Selbstbestimmung von Frauen.
Die evangelischen Kirchen treten für den Schutz ungeborenen Lebens ein und betonen zugleich die Selbstbestimmung der Frau. Die AfD fordert verpflichtende Ultraschallvorführungen in der Schwangerschaftskonfliktberatung. Diese instrumentalisiert den Körper der Frau und widerspricht dem seelsorgerlichen, ergebnisoffenen Ansatz evangelischer Beratung.
Wir stehen für den konsequenten Schutz vor Gewalt.
Sexualisierte, häusliche und digitale Gewalt verletzt die Würde von Menschen und bedroht den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb setzen wir uns ein für wirksame Prävention, Unterstützung von Betroffenen und eine klare Haltung gegen jede Form von Hass und menschenfeindlicher Diskriminierung. Maßnahmen gegen sexualisierte, häusliche und digitale Gewalt – die überproportional oft Frauen trifft – nennt das Wahlprogramm der AfD nicht. Obwohl es den Tatsachen widerspricht, macht die AfD allein migrantische Männer für geschlechtsspezifische Gewalt verantwortlich, sie leugnet Hasskriminalität im Internet und will die Netzregulierung zurückdrängen. #
Wir stehen ein für eine offene und demokratische Gesellschaft.
Vor diesem Hintergrund sehen wir die politische Ausrichtung der als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD Sachsen-Anhalt mit großer Sorge. Ihr Verständnis von Geschlecht, Familie und gesellschaftlicher Ordnung beruht auf einem engen Bild von „Normalität“, das viele Menschen ausschließt und abwertet. Frauen werden vorrangig auf ihre Rolle als Mütter reduziert, vielfältige Familienformen werden nicht als gleichwertig anerkannt, und Instrumente zur Förderung von Gleichstellung werden grundsätzlich abgelehnt. Als Evangelische Frauen in Mitteldeutschland halten wir dem eine christliche Haltung entgegen, die von Menschenwürde, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Vielfalt geprägt ist. Wir treten für eine offene und demokratische Gesellschaft ein, in der alle Menschen in ihrer Verschiedenheit respektiert werden und gleiche Chancen auf Teilhabe haben.