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81 Meter über dem Alltag: Thorsten Keßler, Domturmführer und Radioreporter

Wenn Thorsten Keßler am Wochenende die schweren Türen des Magdeburger Doms hinter sich schließt, liegen erst einmal viele Stufen vor ihm. Sehr viele.

Rund 2.900 Höhenmeter hat er im vergangenen Jahr als Turmführer zurückgelegt – „also einmal die Zugspitze von unten nach oben“, wie er lachend sagt. Anstrengend? „Ja. Aber es macht einfach Spaß.“

Oben, auf 81 Metern, wartet sein zweites Zuhause. Der Blick über Magdeburg, der Brocken am Horizont, manchmal einfach nur Himmel. Und fast immer ein Selfie. Nicht aus Eitelkeit, sondern als Tagebuch. „Einfach zum Zählen“, sagt Keßler. Und vielleicht auch, um festzuhalten, wie besonders dieser Ort ist.

Thorsten Keßler ist Geschichtenerzähler – im wahrsten Sinne. Als Dom-Turmführer spricht er weniger über Jahreszahlen, dafür mehr über das, was Menschen sehen und fühlen. Über Löcher im Stein, die vom Transport der Quader im Mittelalter stammen. Über Graffiti, die seit über hundert Jahren im Mauerwerk verborgen sind. Über Wendeltreppen, bei denen jede Stufe aus einem einzigen Stein besteht. „Man spürt noch die Werkzeuge der Steinmetze“, sagt er. „Das fasziniert mich total.“

Diese Liebe zum Detail passt zu seinem Beruf. Keßler ist freier Radioreporter und berichtet seit vielen Jahren im privaten Rundfunk über kirchliche Themen. Für ihn ist Kirche weit mehr als der Gottesdienst am Sonntag. „Kirche ist Vielfalt“, sagt er. Zwischen Altmark und Burgenlandkreis, zwischen Turmfalken im Kirchturm, Hospizneubau und Radwegekirche. Vor allem aber sind es die Menschen, die ihn bewegen. „Da geht einem manchmal wirklich das Herz auf, wenn man sieht, was die machen.“

Sein Arbeitsplatz liegt selten still. Fast immer ist er mit dem Fahrrad unterwegs – dem „Reporterrad“. Erst ein paar Kilometer, dann zehn, dann zwanzig. Manchmal kommen auch siebzig, achtzig Kilometer zusammen. „Man tastet sich da ran“, sagt er. Und entdeckt unterwegs Geschichten, die sonst ungehört blieben. Begegnungen an offenen Kirchentüren, spontane Interviews, kleine Dörfer mit großer Geschichte. „Wenn die Leute ihren Ort im Radio hören, dann spitzen sie die Ohren.“

Was ihn gerührt hat? Eine ältere Dame, die extra die Kirche fegt, weil „der Reporter kommt“. Ein Paar mit Handicap, das nach fast 900 Tagen Bürokratie endlich heiraten durfte. Was ihn geschüttelt hat? „Ganz klar die Radwege-Infrastruktur“, sagt er trocken und lacht.

Ob auf dem Domturm, auf dem Fahrrad oder mit Mikrofon in der Hand – Thorsten Keßler ist unterwegs zwischen Himmel und Erde. Und immer auf der Suche nach Geschichten, die bleiben.

Thorsten Keßler ist auch Gesprächspartner im EKM-Podcast "gerührt und geschüttelt".

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