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Adrian Then – Mit Bildern Haltung zeigen

Wenn Adrian Then von seinem Arbeitsplatz im Medienzentrum der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland erzählt, spricht er ruhig, reflektiert, beinahe nüchtern. Und doch geht es bei seiner Arbeit um Themen, die unter die Haut gehen: Menschlichkeit, Verantwortung, Zumutungen.

Spätestens seit dem Grimme-Preis für den Dokumentarfilm 104 ist klar, dass der Medienpädagoge aus der EKM genau dort arbeitet, wo Medien mehr sind als bloße Bilder – nämlich Räume für Haltung.

Der Film 104, den Then gemeinsam mit dem Leipziger Regisseur und Kameramann Jonathan Schörnig verantwortet, dokumentiert eine Seenotrettung im Mittelmeer in Echtzeit. Keine Musik, kein Kommentar, keine erklärende Stimme. Stattdessen ein Splitscreen aus mehreren Kamerabildern, die gleichzeitig laufen. Der Zuschauer muss selbst entscheiden, wohin er blickt. „Wir wollten die Seenotrettung erlebbar machen – möglichst authentisch und ohne politische Einordnung“, sagt Then. „Damit jeder sich seine eigene Meinung bilden kann.“

Die Idee zu dem Film entstand nicht am Schreibtisch. Ein Freund von Then begleitete als Kameramann eine zivile Seenotrettungsmission. Wochen später saßen beide auf dem Sofa, sichteten erstes Material. Was Then sah, ließ ihn nicht mehr los. „Ich war schockiert, wie zufällig diese Rettung am Ende war“, erinnert er sich. Kleine Veränderungen, sagt er, hätten für viele den Tod bedeuten können. Gerade diese Unmittelbarkeit machte für ihn den Kern des Projekts aus.

Then selbst war nicht auf dem Rettungsschiff dabei. Seine Rolle lag woanders – im Sichten, Ordnen, auch im Aushalten der Bilder. Als Medienpädagoge weiß er, wie Bilder wirken, wie Dramaturgie funktioniert und wann sie manipulativ wird. Genau deshalb entschieden sich die Macher für einen radikalen Ansatz: Kein einziges Bild der Rettungsaktion wurde herausgeschnitten. „Alles, was aufgenommen wurde, ist im Film drin. Vom ersten Moment bis zum Schluss“, sagt Then. Eine bewusste Zumutung – und zugleich ein Angebot an die Zuschauenden, Verantwortung für das eigene Sehen zu übernehmen.

Diese Haltung prägt auch Thens tägliche Arbeit im Medienzentrum der EKM. Seit mehr als einem Jahrzehnt sichtet, bewertet und empfiehlt er Filme für kirchliche Bildungsarbeit, für Gemeinden, Schulen und Konfirmandengruppen. Entscheidend ist für ihn weniger das Genre als die Wirkung: „Das wichtigste Kriterium ist, dass Filme Menschen berühren und zum Gespräch einladen.“

Dass 104 inzwischen im evangelischen Mediennetzwerk bundesweit verfügbar ist, passt für ihn konsequent ins Bild. Auch wenn der Film alles andere als leicht konsumierbar ist. „Es ist ein harter Brocken“, sagt Then offen. Aber einer, der Fragen stellt – nach Menschlichkeit, nach europäischer Verantwortung, nach dem Wert jedes einzelnen Lebens. Für ihn ist das kein rein politisches Thema. Sein christlicher Glaube spiele dabei durchaus eine Rolle, sagt er, aber vor allem gehe es um etwas Grundsätzliches: „Menschlichkeit ist kein exklusiv christlicher Wert. Aber für mich ist mein Glaube ein Antreiber, dafür einzustehen.“

Vielleicht ist es genau diese Verbindung aus professioneller Distanz und persönlicher Haltung, die Adrian Then auszeichnet. Einer, der weiß, wie stark Bilder wirken können – und der trotzdem darauf vertraut, dass Menschen sich ihrer Wirkung stellen. Ohne Belehrung. Aber auch ohne Wegsehen.

Das EKM-Medienzentrum finden Sie hier: www.medienzentrum-ekm.de/

Adrian Then war auch Gesprächspartner im EKM-Podcast "gerührt & geschüttelt".

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