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Drei Männer, ein Wagen und die Idee vom Dienen – Diakone auf der Diakonischen Walz

Wenn Werner, René und Andreas losziehen, dann nicht leise. Ein Pilgerwagen klappert hinter ihnen her, zwei Gitarren obendrauf, Schlafsäcke, ein kleines Zelt – und eine Idee, die so ungewöhnlich ist, dass selbst sie anfangs nicht wussten, wie man sie nennen soll. 

„Diakonische Walz“, sagt schließlich René, der selbstironisch zum „Außenminister“ der Truppe ernannt wird. „Der Begriff beschreibt ganz gut, was wir vorhatten.“

Drei Diakone, drei Monate unterwegs, zu Fuß, mit dem Zug, quer durch Bayern, Baden‑Württemberg und Tirol. Keine vorbereiteten Projekte, keine sicheren Schlafplätze. Nur ein Angebot: Arbeit gegen Kost und Logis. „Wir kommen nicht mit einer Botschaft, sondern sagen: Guten Tag, können wir was tun?“ erinnert Werner.

Die erste Station entsteht durch Zufall – oder durch den Pilgerwagen, der sich als sozialer Türöffner entpuppt. In Schweinfurt spricht eine Frau die drei an, lädt sie spontan auf Kaffee ein und überlässt ihnen schließlich ihr Haus, während sie verreist. „Wir haben dort eine Terrasse gereinigt, einen Zaun gebaut, Rasen gemäht“, erzählt Andreas. Und plötzlich stehen Nachbarn mit Kuchen vor der Tür, laden zum Grillen ein, erzählen ihre Geschichten.

Überall, wo sie arbeiten, entstehen Gespräche – oft tief, manchmal herausfordernd. Mit Sissi, der frommen Katholikin, diskutieren sie über Glauben, Priesterbilder und gesellschaftliche Fragen. „Das war eine wichtige Übung: Wo nehme ich mich zurück, wo sage ich klar, dass ich etwas anders sehe?“ sagt Werner.

In Burgbernheim helfen sie im Streuobstkompetenzzentrum, schütteln Apfelbäume, pflanzen Jungbäume. Bei Pascal und Nadine, kirchenfern und spirituell suchend, endet die gemeinsame Zeit mit einem kleinen buddhistischen Ritual. „Kirchensprechmäßig hätten wir gesagt: Es war eine Andacht“, schmunzelt Andreas.

Nicht überall öffnet sich die Tür. Zweimal in den drei Monaten werden sie abgewiesen: „Mit Kirche haben wir nichts am Hut.“ Doch meist zählt nicht das Etikett „Diakon“, sondern dass drei Männer in den 50ern bereit sind anzupacken. „Die Leute wollten sehen: Arbeiten die wirklich? Oder wollen die nur Gitarre spielen und über Glauben reden?“, sagt Andreas.

Der körperlich härteste Abschnitt wartet in Tirol: zehn Tage auf einem Vollerwerbshof. Kartoffeln ernten und Mais, Holz spalten, Tiere versorgen. „Wir wurden am Anfang eher als Knechte gesehen“, sagt René. Doch beim gemeinsamen Essen, beim Kartenspiel „Perlaggen“, wächst Vertrauen. „Dass wir mit dem Bauern spielen durften – das war schon eine Art Adelung.“ Und als die Hefe zum Wein kam, sprachen die drei Diakone aus der EKM einen Segen.

Am Ende bleibt mehr als Muskelkater. Es bleibt die Erfahrung, dass Begegnung entsteht, wenn man fragt statt anzubieten. Wenn man hilft, ohne zu wissen, was zurückkommt. Und wenn man gemeinsam isst.

Oder wie René sagt: „Wir wollten ein Mikroabenteuer. Bekommen haben wir eine Reise zu Menschen.“

Die drei Diakone waren auch zu Gast im EKM-Podcast "gerührt & geschüttelt": https://www.ekmd.de/aktuell/geschuettelt-geruehrt-der-ekm-podcast/

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