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"Eine Orgel ist wie eine Beziehung": Ingrid Kasper, Landeskirchenmusikdirektorin der EKM

Wenn Ingrid Kasper von Musik erzählt, beginnt sie nicht mit großen Worten, sondern mit einem Bild: ein Kind, das am Klavier sitzt, kaum vier Jahre alt, und nachspielt, was die ältere Schwester gerade geübt hat.

Keine Noten, nur das Gehör. „Ich habe einfach gespielt“, sagt sie. Dieses „einfach“ zieht sich wie ein leiser Grundton durch ihr Leben – und steht doch für eine außergewöhnliche musikalische Biografie.

Aufgewachsen in einem Dorf in Mittelfranken, war Musik kein familiäres Erbe, sondern eine bewusste Entscheidung der Mutter. Sie selbst hatte nach dem Krieg keine Chance auf musikalische Bildung gehabt. Den Töchtern wollte sie diese Möglichkeit eröffnen. Also kamen Instrumente ins Haus: Klavier, Blockflöte, Gitarre, später Querflöte, Geige, Orgel. Ingrid Kasper lernte vieles, wollte manches gar nicht – die Orgel zum Beispiel. Und saß doch mit 13 Jahren auf der Empore ihrer Dorfkirche, ein wenig ängstlich vor dem großen Raum, begleitet vom Vater. Kurz darauf starb der Organist. Von da an spielte sie. Sonntag für Sonntag. Weihnachten. Diakonie-Gottesdienste. Drei Choräle, dann vier, dann immer mehr. „Für mich ist das Lebensbrot“, sagt sie rückblickend.

Diese frühe Praxis prägt bis heute ihr Verständnis von Kirchenmusik: Musik ist kein Selbstzweck, sondern Dienst. Und Beziehung. „Eine Orgel ist wie eine Beziehung“, sagt Kasper, „man muss Zeit investieren, hinhören, sich einlassen.“ Vielleicht erklärt das auch ihre besondere Liebe zu der Mühleisen-Orgel in der Bamberger Stephanskirche, die sie als junge Kantorin mit aufgebaut hat – finanziert durch 90 Benefizkonzerte, begleitet Pfeife für Pfeife. Eine Million Euro, erspielt und erbeten. Eine Traumorgel, die geblieben ist, auch innerlich.

Bamberg war ein Kapitel voller Aufbauarbeit: sieben Chöre, Kinder- und Jugendarbeit, Gospel, Oratorien, Theaterprojekte im Kirchenraum. Als alles erreicht schien, kam der nächste Schritt. Heute ist Ingrid Kasper Landeskirchenmusikdirektorin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und Kantorin am Augustinerkloster in Erfurt. Ein Amt zwischen Gestalten und Verwalten, zwischen Vision und Apparat. „Ohne Musik hätte ich mich nicht beworben“, sagt sie. Dass Thüringen mit Bach, Schütz, Händel und Luther eine musikalische Tiefenschicht besitzt, die bis heute trägt, war einer der Hauptgründe für ihren Wechsel.

Wer Ingrid Kasper erlebt, spürt schnell: Ihre Leidenschaft gilt nicht nur dem Klang, sondern den Menschen. Dem gemeinsamen Singen als Ausdruck von Glauben. Besonders in Mitteldeutschland, wo Chöre oft mehr sind als Freizeit – Gemeinschaft, Halt, Bekenntnis. „Das beeindruckt mich bis heute“, sagt sie. Vielleicht ist das ihr innerer Kompass: Musik, die Menschen verbindet. Nicht laut, nicht eitel. Sondern hörend. Und tragfähig.

Mehr zur Kirchenmusik in der EKM: www.kirchenmusik-ekm.de/zentrum-fuer-kirchenmusik

Ingrid Kasper war auch Gesprächspartnerin im EKM-Podcast "gerührt & geschüttelt".

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