Klaus Zebe – Seelsorge zwischen Autoscooter und Ausnahmezustand
Wenn Klaus Zebe auf dem Festplatz unterwegs ist, fällt er nicht sofort als Pfarrer auf. Kein Kirchturm, kein Gemeindesaal, stattdessen blinkende Lichter, Musik, der Geruch von Zuckerwatte.
Und doch ist Zebe genau hier richtig. Seit gut zwei Jahren ist er Zirkus- und Schaustellerseelsorger der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland – zuständig für Menschen, deren Leben ständig in Bewegung ist.
Sein Lieblingsfahrgeschäft ist der Autoscooter. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung: „Da habe ich das Gefühl, ich kann mitwirken und noch ein bisschen kontrollieren.“ Kontrolle – ein rares Gut in einer Welt, die von Aufbau, Abbau und Weiterziehen geprägt ist. Zebe bewegt sich selbstverständlich darin. Er geht über die Plätze, stellt sich vor, kommt ins Gespräch. „Ich laufe über den Platz und muss erst mal sagen, was ich tue.“ Seelsorge beginnt hier nicht im Büro, sondern zwischen Kassenhäuschen und Wohnwagen.
Sein Alltag unterscheidet sich weniger von dem eines Gemeindepfarrers, als man vermuten würde: Gespräche, Besuche, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, Gottesdienste. Nur die Orte sind andere. Getauft wird im Riesenrad, getrauert im Zirkuszelt, Gottesdienst gefeiert auf dem Autoscooter. „Man ist ganz und gar in der Öffentlichkeit – lauter, ungeschützter, aber auch mitten in der Welt.“ Die Liturgie muss passen zum Trubel. „Knapp und knackig“, sagt Zebe. Aufmerksamkeit ist nichts Selbstverständliches.
Dass er diesen besonderen Dienst übernommen hat, ist kein Zufall. Als Jugendlicher war er mit einem Wanderzirkus unterwegs, lernte jonglieren, arbeitete später selbst auf dem Weihnachtsmarkt. „Aus beiden Welten habe ich schon ein bisschen geatmet.“ Als die Stelle ausgeschrieben wurde, zögerte er kurz – und sagte dann Ja. „Die gibt es nur einmal. Das wollte ich probieren.“
Besonders nah kommt Zebe den Menschen in Krisen. Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt war er schnell vor Ort. Er hörte zu, begleitete, hielt aus. „Die ersten Minuten haben sich wie Stunden angefühlt.“ Viele Schausteller waren selbst Ersthelfer. Das Erlebte wirkt nach – bis heute.
Und doch gehört zum Leben auf dem Rummel auch das Weitergehen. „Die Schwierigkeit ist, ein Trotzdem zu entwickeln“, sagt Zebe. Ein fröhlich-trotziges Trotzdem. Genau darin liegt seine Aufgabe: präsent zu sein, wo Kirche sonst selten ist – und Menschen zu begleiten, deren Zuhause immer dort ist, wo sich gerade das Karussell dreht.
Kontakt zu Klaus Zebe: www.ekmd.de/helfen/seelsorge/zirkus-und-schaustellerseelsorge.html
Klaus Zebe war auch Gesprächspartner im EKM-Podcast "gerührt & geschüttelt".