Seelsorgerin, Entertainerin, Bürofachfrau: Theologiestudentin Pia Birke Dobisch freut sich auf den Pfarrberuf
Pia Birke Dobisch hat ein klares Ziel vor Augen: Sie will Pfarrerin werden. In einer Kirchengemeinde. Dabei war ihr Weg in die Kirche kein selbstverständlicher.
Nicht getauft, nicht „vorbelastet“, wie sie selbst sagt. Und doch: Religionsunterricht, Kirchenmusik, Konfirmation. Und jetzt: Theologiestudium an der Universität Halle-Wittenberg. „Ich bin superfroh, dass ich den Weg gegangen bin“, sagt sie rückblickend. In dieser Zeit wächst ihr Glaube – und mit ihm der Wunsch, nicht nur zuzuhören, sondern zu fragen, zu widersprechen, zu verstehen. „Ich habe richtig Spaß daran, Dinge zu hinterfragen.“
Eine biblische Figur begleitet sie besonders: Judith. Eine starke Frau, die handelt, riskiert, Verantwortung übernimmt. „Ich finde es einfach stark, dass in der biblischen Geschichte die Frau eine Protagonistin ist.“ Judith wird für Pia Birke Dobisch zur Projektionsfläche für Selbstermächtigung – und für eine Haltung, die sie auch in der Gegenwart braucht. Frauenfeindlichkeit, menschenverachtende Haltungen, Antisemitismus: Das alles begegnet ihr nicht nur im Studium, sondern im Alltag. Wegschauen ist für sie keine Option. „Ich habe irgendwann gemerkt: Ich habe keinen Bock mehr, da weiter nur zuzusehen.“
Theologie zu studieren war trotzdem kein leichter Entschluss. Hebräisch, Hausarbeiten, Zweifel. „Ich habe einige Tränen vergossen“, sagt sie offen. Und doch: Aufzugeben kam nie infrage. Zu klar ist das Ziel. „Mich fasziniert, dass ich Menschen von der Wiege bis zum Grab begleite.“ Pfarrerin sein heißt für sie Vielfalt: Seelsorgerin, Entertainerin, Bürofachfrau. „Ich kann nichts richtig, aber alles ein bisschen“, sagt sie mit trockenem Humor.
Durch ein Praktikum in einer Kirchengemeinde fühlt sie sich bestätigt. Acht ältere Menschen im Sonntagsgottesdienst, ein durchgebrochener Pfarrhauskeller, Gespräche, Planung, Improvisation. „Die Tage waren mit einem Fingerschnips vorbei.“ Dass immer weniger Menschen in die Gottesdienste kommen, immer mehr aus der Kirche austreten, das beunruhigt sie weniger. „Damit müssen wir umgehen.“ Respekt hat sie vor zu großen Strukturen, langen Pendelzeiten zwischen den Gemeinden, zu wenig Zeit für echte Begegnung. Denn genau darum geht es ihr: zuhören, verstehen, Menschen sehen. Auch – oder gerade – dann, wenn politische oder gesellschaftliche Gräben sichtbar werden. „Meine Aufgabe ist nicht, Menschen umzustimmen, sondern zum Denken anzuregen.“
Für die Zukunft der Kirche wünscht sie sich Präsenz mitten im Leben. „Dort sein, wo Menschen Hilfe brauchen.“ Und dabei den Glauben nicht aus dem Blick verlieren. Kirche als solidarische Kraft – und als Ort der Transzendenz. Standfest, offen, menschlich.
Pia Birke Dobisch ist noch Studentin. Aber sie wirkt bereits angekommen auf ihrem Weg. Mit offenem Blick, fester Stimme – und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Hinter ihrem ungewöhnlichen zweiten Vornamen „Birke“ steckt übrigens auch eine kleine Geschichte: „Mein Papa ist Förster“, erzählt sie, „und hat sich gedacht, dann geben wir der ersten Tochter den Namen vom Lieblingsbaum mit.“ Ein Name, der verbindet – Familie, Natur, Herkunft. Und einer, den sie mit den Jahren immer mehr schätzen gelernt hat.
Pia Birke Dobisch ist auch Gesprächspartnerin im EKM-Podcast "gerührt & geschüttelt".