15-Tonnen-Glocke wird im Magdeburger Dom präsentiert | Domgeläut dann wieder vollständig
Magdeburg (epd). Die weltweit größte Glocke einer evangelischen Kathedrale wird am 24. Mai in Magdeburg der Öffentlichkeit vorgestellt.
Damit seien alle zwölf Glocken für das künftige neue Geläut des Magdeburger Doms komplett, teilte der Förderverein Domglocken Magdeburg mit. Die neue Credamus-Glocke ("Lasst uns glauben") war am 28. November 2025 in der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck (Österreich) gegossen worden. Mit 14,99 Tonnen Gewicht sei sie nicht nur die größte Glocke des Magdeburger Doms, sondern die weltweit größte Glocke einer evangelischen Kathedrale und nach dem "Dicken Pitter" im Kölner Dom die zweitgrößte Glocke Deutschlands.
Am 5. Mai erfolge in Österreich noch die Klangprüfung durch die Glockengießerei und den Glockensachverständigen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, bevor etwa am 19. Mai der Transport nach Magdeburg stattfinden soll. Zu einer Feierstunde am 24. Mai im Dom zu Magdeburg werden auch Landesbischof Friedrich Kramer und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) erwartet. Neben den Glockengießern werde auch der Künstler Gert Weber, der die Glockenzier für die insgesamt acht neu gegossenen Glocken realisiert hat, anwesend sein.
Ehrenamtliches Engagement für Millionenprojekt
Seit 2018 setzt sich der Förderverein Domglocken Magdeburg für die Realisierung des neuen Domgeläuts ein. Allein der Guss der "Credamus" habe 400.000 Euro gekostet. Insgesamt seien für den Guss der acht neuen Glocken und die Überarbeitung der vorhandenen rund 2,5 Millionen Euro Kosten veranschlagt. Zudem sind Arbeiten an den Domtürmen und teilweise komplett neue Glockenstühle notwendig.
Die Glocken des Magdeburger Doms
Magdeburg (epd). Der Bau von Deutschlands ältester gotischer Kathedrale begann nach einem verheerenden Stadtbrand am Karfreitag 1207, bei dem die romanische Vorgängerkirche stark beschädigt wurde.
Der Magdeburger Dom St. Mauritius und Katharina wurde im Jahre 1363 geweiht. Bereits aus dieser Zeit stammt die älteste erhaltene Glocke Magdeburgs, die "Orate" ("Lasst uns beten") auf dem Dachreiter. Sie wurde wohl im 13. Jahrhundert gegossen. Nach Reparaturen wurde sie 1994 wieder in Betrieb genommen und kündigt das Mittagsgebet im Dom an.
Im nördlichen der beiden Osttürme des Doms gab es spätesten ab 1446 Glocken, die zu den Gottesdiensten des Domkapitels geläutet wurden. Bis heute sind noch die Öffnungen für die Läuteseile in den Gewölbedecken erhalten. Die letzten sechs Glocken wurden 1827 entfernt, als im Zuge der preußischen Domsanierung ein Fachwerkaufsatz mit Glockenstuhl abgebaut wurde.
Von den ursprünglich etwa zwöf bis 15 Glocken des Doms sind heute nur noch vier Läuteglocken und eine Uhrschlagglocke ("Schelle") erhalten. Vermutlich wurden die meisten verlorenen Klangkörper im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 und im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zu Kanonen verarbeitet.
Für den südlichen Westturm hatte der Danziger Glockengießer Meister Heinrich 1468 die "Maxima" gegossen, die angeblich 200 Zentner, also zehn Tonnen, gewogen hat. Nachdem sie bereits 1521 einen Sprung bekam, sollte sie während des Schmalkaldischen Krieges zum Kanonenguss genutzt werden. Bei der versuchten Demontage stürzte die Maxima jedoch ab und riss sämtliche hölzernen Zwischendecken des Südturms in die Tiefe.
Das Geläut beschränkt sich heute auf drei Läuteglocken im nördlichen Westturm und die "Orate" auf dem Dachreiter. Die "Osanna" ("Lasst uns loben") wiegt 8,8 Tonnen und wurde im 15. Jahrhundert gegossen. Seit dem Absturz der "Maxima" ist sie die größte Glocke des Doms. Wegen Rissen musste die Glocke in den Jahren 1574, 1586, 1658 und 1702 umgegossen werden.
Die "Apostolica" ("Lasst uns vergeben") ist mit 4,98 Tonnen Gewicht die "Werktagsglocke" und wird wegen ihrer Klangschönheit gerühmt. Ihre erste Erwähnung fällt in die Jahre 1445/1446. Im Jahre 1567 wurde sie an ihren jetzigen Platz gehoben. Auch sie musste 1593 und 1690 wegen Rissen umgegossen werden.
Um die 1575 in Magdeburg gegossene "Dominica" ("Lasst uns hinschauen") zu läuten, wurden früher drei Personen benötigt. Die "Dominica", die normalerweise zum Sonntagsgottesdienst ruft, wurde 2004 wegen zahlreicher Schäden stillgelegt und 2019 zur Reparatur aus dem Turm gehoben.
Bereits im 19. Jahrhundert gab es Pläne, das rudimentäre Geläut zu erneuern. Doch erst im Jahr 2018 nahm sich der Förderverein Domglocken Magdeburg des Themas an. Für den Guss neuer Glocken und die Überarbeitung des vorhandenen Geläuts kam man 2021 auf geschätzt 2,5 Millionen Euro Kosten. Für die Arbeiten an den Türmen zur Aufnahme des Geläuts und die entsprechenden Glockenstühle wird mit weiteren 6 Millionen Euro Kosten geplant.
Die acht neuen Glocken sind die "Amemus" ("Lasst uns lieben", gegossen 2022) mit 6,5 Tonnen Gewicht, die "Cantemus" ("Lasst uns singen", 2023) mit 1,7 Tonnen, die "Benedicamus" ("Lasst uns segnen", 2022) mit 1,3 Tonnen, die "Queramur" ("Lasst uns klagen", 2023) mit 910 Kilogramm, die "Dubitemus" ("Lasst uns zweifeln", 2023) mit 820 Kilogramm, die "Resistamus" ("Lasst uns widerstehen", 2023) mit 580 Kilogramm, die "Speremus" ("Lasst uns hoffen", 2023) mit 440 Kilogramm sowie die "Credamus" ("Lasst uns glauben", 2025) mit fast 15 Tonnen.
Mit dem Ende 2025 durchgeführten Guss der "Credamus" sind die Glocken für das neue Geläut komplett. Am 24. Mai soll die neue Glocke im Magdeburger Doms der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Nach Angaben des Fördervereins ist sie mit 14,99 Tonnen Gewicht die weltweit größte Glocke in einer evangelischen Kathedrale und nach dem "Dicken Pitter" im Kölner Dom die zweitgrößte Glocke Deutschlands.
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