Bistum Magdeburg: Abschied von Leo Nowak
Mit einem Requiem in der Magdeburger Kathedrale St. Sebastian nimmt das katholische Bistum Magdeburg am Samstag (25. April 2026) Abschied von Bischof em. Leo Nowak.
Er war von 1994 bis 2004 erster Bischof des 1994 neu gegründeten Bistums Magdeburg und verstarb am 12. April 2026 im Alter von 97 Jahren.
Stimmen zum Tod von Leo Nowak aus der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM):
Johann Schneider, Regionalbischof im Bischofssprengel Magdeburg:
Der erste Magdeburger römisch-katholische Bischof nach der Reformation, Leopold Nowak, im Jahr 1994 neugegründeten Bistum Magdeburg hat diese kirchengeschichtliche Pointe nie öffentlich in den Mittelpunkt gestellt.
Er hat als Geistlicher und als Bürger durch sein langes Leben Kirche in zwei deutschen Diktaturen erlebt und er die Chancen, die die deutsche Wiedervereinigung den kirchlichen und gesellschaftlichen Initiativen in Mitteldeutschland bot, mutig unterstützt.
In dieser Zeit trug das in Zeiten der kirchenfeindlichen DDR erprobte verlässlich eingeübte ökumenische Miteinander zwischen dem Erzbischöflichen Kommissariat Magdeburg und der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) sichtbare Früchte.
Ab 1975 war er Leiter des katholischen Seelsorgeamtes in Magdeburg – und war dadurch im regelmäßigen Austausch mit den Pröpsten der KPS.
Er hat viele ökumenische Gottesdienste mit den evangelischen Magdeburger Bischöfen Christoph Demke und Axel Noack gefeiert und so Zeugnisse der Versöhnung öffentlich machen können. Und durch die Namensähnlichkeit von Nowak und Noack stellte die Post öfter Briefe dem anderen zu. Dies hat das gute ökumenischen Miteinander eher gefördert und beide zum Schmunzeln gebracht.
Die EKM ist dankbar für den gemeinsamen Dienst vom Leo Nowak in unserer religiös gleichgültigen Gesellschaft.
Pfarrer Stefan Kunze, Catholica-Beauftragte der EKM:
Die Nachricht, dass der ehemalige Bischof des Bistums Magdeburg, Leo Nowak, gestorben ist, hat auch viele evangelische Christen mit Trauer erfüllt.
Das Ökumenismusdekret des II. Vatikanischen Konzils war noch nicht lange verabschiedet, da pflegte Leo Nowak bereits als Vikar in Stendal selbstverständliche und herzliche Kontakte zu den evangelischen Amtsgeschwistern und deren Familien. Auch als Bischof in Magdeburg kannte er viele evangelische Christen persönlich; die Kontakte zur Kirchenleitung der damaligen Kirchenprovinz Sachsen pflegte er treu; sie waren ihm ein Herzensanliegen.
Im Dialog behielt er seine ihn prägende freundliche, bodenständige und zugleich humorvolle Art. Auf die Frage eines prominenten katholischen Christen nach einem ökumenischen Gottesdienst, warum er angesichts der großen Gemeinsamkeiten nicht einfach evangelische Christen zur Eucharistie zulassen würde, erwiderte er: „Weil mir sonst der ganze Laden um die Ohren fliegen würde!“ In den letzten Jahren seiner Amtszeit hatte er das „Pastorale Zukunftsgespräch“ initiiert. Dass bei den Beratungen zur organisatorischen und geistlichen Neuausrichtung des Bistums Magdeburg auch evangelische Vertreter beteiligt wurden, war ihm wichtig.
Nun ist er im gesegneten Alter von 97 Jahren gestorben. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland wird ihm ein dankbares Gedenken bewahren. Möge er nun schauen, woran er geglaubt hat.
Vita
Leo Nowak wurde am 17. März 1929 in Magdeburg geboren. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre und besuchte von 1948 bis 1950 eine Fachschule für Industrie und Handel. Nach der Ausbildung verließ er jedoch den kaufmännischen Berufsweg. Denn schon als Jugendlicher hatte er sich intensiv mit der Frage nach Gott auseinandergesetzt. Um dieser Frage noch tiefer auf den Grund zu gehen, entschloss er sich, in Paderborn und Erfurt Theologie zu studieren.
Nach seiner Priesterweihe durch Weihbischof Friedrich Maria Rintelen am 10. Mai 1956 war er sechzehn Jahre lang als Vikar, Kuratus oder Pfarrvikar in verschiedenen Gemeinden der Magdeburger Kirche tätig, zum Teil mit regionalen Zusatzaufgaben. Orte seines Wirkens waren Seehausen, Großkorbetha, Lützen, Merseburg, Ziesar und Stendal. Es folgten drei Jahre als Referent für die Erwachsenenseelsorge und fünfzehn Jahre als Leiter des Magdeburger Seelsorgeamtes.
1990 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof und Apostolischen Administrator in Magdeburg. Seine Bischofsweihe fand am 24. März 1990 in Magdeburg statt. Der Hauptkon-sekrator war sein Vorgänger Bischof Johannes Braun. Als schließlich am 8. Juli 1994 aus dem Bischöflichen Amt Magdeburg ein eigenständiges Bistum wurde, wurde Leo Nowak von Papst Johannes Paul II. zu dessen erstem Bischof ernannt und am 9. Oktober 1994 in dieses Amt eingeführt.