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Gedenken an Selbstverbrennung von Pfarrer Brüsewitz

Zeitz (epd). Mit einer Kranzniederlegung und einem Requiem ist am Dienstag in Zeitz Oskar Brüsewitz (1929-1976) gedacht worden.

Vor 50 Jahren hatte sich der evangelische Pfarrer aus Protest gegen die Kirchen- und Bildungspolitik der DDR vor der Michaeliskirche in Zeitz selbst angezündet. Vier Tage später war er im Alter von 47 Jahren seinen Verletzungen erlegen.

"Uns steht es nicht zu, zu urteilen und zu bewerten und doch wollen wir verstehen", sagte der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer bei der Gedenkveranstaltung. Er betont, dass auch nach 50 Jahren die Fragen nach dem Warum nicht eindeutig beantwortet werden können. "Einseitige Deutungen werden dem Menschen Oskar Brüsewitz und der Situation nicht gerecht. Es wird ein Geheimnis bleiben", sagte Kramer in Anwesenheit zahlreicher Angehöriger, Freunde und Zeitgenossen.

War die Tat ein Zeugnis des Glaubens?

Es scheint unstrittig, sagte der Bischof, dass Oskar Brüsewitz sich noch am Vorabend seiner Tat mit Dietrich Bonhoeffers Gedanken des "zeichenhaften Handelns" beschäftigt hat. Demnach sei das Sterben für Oskar Brüsewitz nichts Schreckliches gewesen, "sondern eben das Gehen zum Herrn und König. Dann war das 'Signal von Zeitz' das Zeugnis seines individuellen Glaubens", folgerte Kramer. Er hob hervor, dass die Kirche dies so noch nie gesagt habe.

Den Glauben ihres Vaters betonten auch Esther Fröbel und Dorothea Eichmann, die Töchter von Oskar Brüsewitz. Beim Gedenken lasen sie im Wechsel den 27. Psalm: "Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?" Im Vorfeld hatte Dorothea Eichmann auch auf den Abschiedsbrief des Vaters verwiesen, in dem er der Familie Trost zusprach: "Über mich sollt Ihr nicht trauern, denn nun soll ich den schauen, den ich sehr geliebt habe. Von nun an wird ein Größerer und Stärkerer für Euch sorgen." Dieses Wissen habe die Familie auch vor 50 Jahren nach der schockierenden Nachricht über die Tat getröstet, sagte Eichmann.

Scharfe Reaktion des SED-Regimes führte zu großer Kritik

In jedem Fall sei Pfarrer Brüsewitz nichts für Angepasste gewesen, sagte Landesbischof Kramer: "Er wollte stören, er wollte aufrütteln und wecken - gegen einen Scheinfrieden und ängstliches Schweigen." In diesem Sinne sei er ein Störenfried gewesen. Doch er habe auch angeklagt, "was er beklagenswert fand - ob Staat oder auch seine eigene Kirche und die lauen Christen", sagte Kramer.

Letztlich habe die Tat von Zeitz innerhalb der Kirche der DDR ernsthafte Diskussionen über die Nähe zum Staat und Wahrhaftigkeit ausgelöst. Doch zu einem regelrechten Streit zwischen Kirche und Staat habe erst ein Beitrag in der SED-Zeitung "Neues Deutschland" am 31. August 1976 geführt: "Erst durch die Schärfe und Unsachlichkeit des Artikels wurde eine Welle des Protestes in der Bevölkerung ausgelöst'", erinnerte Kramer.

Er ergänzte: "Im Zusammenhang mit der Zwangsausbürgerung von Wolf Biermann im selben Jahr trug die Selbstverbrennung von Brüsewitz zur Bildung einer wachsenden Oppositionsbewegung in der DDR bei, die letztlich dem Untergang der DDR das Feld bereitete." Somit habe die DDR-Führung mit ihren überzogenen Reaktionen sich selbst geschadet.

 

Trotz Druck hat sich die Kirche nicht von Brüsewitz distanziert

Die Selbstverbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz am 18. August 1976 stürzte das DDR-Regime in eine Krise. Auf die Kirche wurde Druck ausgeübt, sich von Brüsewitz zu distanzieren. Was zeigen die Akten 50 Jahre danach?

Magdeburg (epd). Mehrere Bücher und ein Film haben bereits die Selbsttötung von Pfarrer Oskar Brüsewitz vor 50 Jahren und die folgende Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat in der DDR beleuchtet. "Dass die verschiedenen Wege der Annäherung zu unterschiedlichen Bewertungen führen können, ist nicht verwunderlich", sagte der Theologe Christian Fuhrmann im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Magdeburg. Im Rahmen einer Forschungsarbeit wurde er von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) mit der kritischen Sichtung der Akten zum Fall Brüsewitz beauftragt.

"Die DDR-Führung erwartete, dass sich die evangelische Kirche von der Tat und der Person Brüsewitz klar distanziert", sagte Fuhrmann. Man wollte die Selbstverbrennung in Zeitz "unter der Decke halten". Als dann jedoch in bundesdeutschen Medien Berichte erschienen, begann eine Kampagne mit Schmähungen gegen die Person Oskar Brüsewitz, aber auch gegen die Kirche. Trotz enormen Drucks habe die Kirchenleitung standgehalten, erläuterte Fuhrmann.

Kirchenleitung distanzierte sich nicht "von Bruder Brüsewitz"

Die Tat an sich konnte die Kirche natürlich nicht gutheißen, meint Fuhrmann. Doch beim Begräbnis von Oskar Brüsewitz bekräftigte Propst Friedrich-Wilhelm Bäumer (1917-2003): "Wir distanzieren uns von Bruder Brüsewitz nicht." Aufgrund der staatlichen Verleumdungskampagne habe sich auch Bischof Werner Krusche (1917-2009) gezwungen gesehen, beim Kirchentag in Halle (Saale) Anfang September klar Position zu beziehen.

Laut Fuhrmann führte das dazu, dass dem Kirchenmann vonseiten staatlicher Stellen und der SED unterstellt wurde, ein Lügner zu sein: "Die Kirche hat im Hinblick auf Öffentlichkeitsarbeit nicht das geleistet, was von der DDR-Staatsführung erwartet wurde", ergänzte Fuhrmann. Doch zugleich setzte eine innerkirchliche Debatte ein, die mehr Distanz zum Staat einforderte.

Ehefrau gab keine Zustimmung zum Brüsewitz-Zentrum

Die Akten zeigten aber auch, dass bisweilen verschiedene Ansichten zu einem Thema herrschen, sagte Fuhrmann. Zu einer solchen Situation sei es 1977 in der Debatte um die Namensgebung des Brüsewitz-Zentrums in Bad Oeynhausen gekommen. Demnach befindet sich im Kirchenarchiv der EKM "das handschriftliche Exemplar von Frau Brüsewitz, dass sie der Namensgebung mit dem Namen ihres Mannes nicht zustimmt", sagte Fuhrmann. Hingegen berichteten die Initiatoren des Zentrums, dass sie keine Einwände gegen die Namensgebung habe. "Fragen weckt die Tatsache, dass auf die Situation von Frau Brüsewitz in diesem Ringen offenbar wenig Rücksicht genommen wurde", sagte Fuhrmann.


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