Gleicke: Osten hat weiter Aufholbedarf

Halle (epd). Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), sieht 28 Jahre nach dem Fall der Mauer weiterhin einen großen wirtschaftlichen Aufholbedarf.

Die Einheit sei noch nicht vollendet. "Noch immer ist die Wirtschaftskraft im Osten viel niedriger als die im Westen", erklärte Gleicke der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Montag). Im Osten sei die Arbeitslosigkeit höher und die Löhne niedriger.

Die Sicherung der Daseinsvorsorge gerade in ländlich geprägten Regionen werde auch in Westdeutschland zu einer immer größeren Herausforderung, so die SPD-Politikerin. Nötig sei deshalb "nach dem Auslaufen des Solidarpaktes II ein Fördersystem für die strukturschwachen Regionen in Ost und West". Die Ostbeauftragte betonte, die Ostdeutschen hätten "in den zurückliegenden Jahrzehnten unglaublich viel erreicht. Den Rest schaffen wir auch noch."

Gleicke erinnerte zugleich daran, dass am Montag (5. Februar) die Berliner Mauer "vor genau so vielen Tagen gefallen" ist, "wie sie vorher unser Land teilte", nämlich vor 28 Jahren, zwei Monaten und 27 Tagen. "Wer heute jung ist, hat diese schreckliche Grenze nie mit eigenen Augen gesehen", so Gleicke. Was auf Dauer bleibe, sei die Erinnerung und die damit verknüpfte Mahnung. "Man kann und muss die Mauer in ihren historischen Kontext einordnen, aber man kann sie nicht rechtfertigen!" So gebe es auch keine Rechtfertigung für den Schießbefehl und "für den Versuch, die eigene Bevölkerung zur Geisel zu nehmen".

 

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