Proteste gegen Neonazis und Rechtsrock in Themar

Themar (epd). Zu einem Rechtsrockfestival im südthüringischen Themar sind am Wochenende laut Polizei insgesamt mehr als 2.200 Teilnehmer gekommen.

Begleitet wurde das vor allem von Rechtsextremisten besuchte Event von Gegenprotesten. Unter anderem wurden nahe der Festivalwiese weiße Kreuze mit den Namen von Todesopfern rechter Gewalt aufgestellt. An einer Protestmeile mit einigen Ständen von Initiativen und wiederholten "Pilgermärschen" mit den Kreuzen in der Hand beteiligten sich rund 300 Menschen. Der knapp 3.000 Einwohner zählende Ort Themar war bereits wiederholt Schauplatz von Rechtsrockkonzerten.

Laut Landespolizeidirektion Thüringen kam es bei den in der Nacht zu Sonntag zu Ende gegangenen "Tagen der nationalen Bewegung" zu zahlreichen Straftaten. Insgesamt seien in Themar von Freitag bis Sonntag 84 Anzeigen aufgenommen worden, darunter zahlreiche wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, teilte die Polizei in Erfurt mit. Außerdem gab es zwei Anzeigen wegen Volksverhetzung. Insgesamt wurde von 381 Personen die Identität überprüft. Ein 33-jähriger Rechtsextremist schlug am Freitagabend einem 27-jährigen Fotojournalisten ins Gesicht und muss sich wegen Körperverletzung verantworten. Lediglich gegen einen Teilnehmer der Gegenproteste habe die Polizei einschreiten müssen.

Zu den Protesten, die unter dem Slogan "Tage der Weltoffenheit", liefen, hatte ein zivilgesellschaftliches Bündnis eingeladen. Bereits am Freitagabend hatten sich dazu mehr als 200 Menschen an einem ökumenischen Friedensgebet in der Stadtkirche St. Bartholomäus beteiligt. Im Anschluss waren sie mit den weißen Kreuzen in die Nähe des Veranstaltungsortes der Rechtsextremisten gezogen.

Neben Thüringens Innenminister Georg Maier und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (beide SPD) nahm auch die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, an dem Gottesdienst teil. Junkermann hatte bereits zuvor zur Teilnahme an den Protesten gegen die Neonazi-Versammlung aufgerufen. Auch am Samstag gab es regelmäßige Friedensgebete in der Friedhofskapelle. Im Anschluss wurden jeweils bis zu 20 weiße Kreuze in die Nähe der Festivalwiese getragen und dort aufgestellt. Insgesamt handelte es sich um 193 Kreuze. So viele Todesopfer rechter Gewalt hat die Amadeu Antonio Stiftung seit 1990 in Deutschland ermittelt.

Mit Blick auf das im Vorfeld von den Verwaltungsgerichten abgelehnte behördliche Verbot des Rechtsrockkonzertes sprach der evangelische Superintendent des Kirchenkreises Hildburghausen-Eisfeld, Johannes Haak, von einer törichten Entscheidung. "Nazis sind gefährlich", sagte Haak in Themar zur Begründung. Er nannte es auch nicht akzeptabel, dass das zeitweilige Alkoholverbot für die Besucher des Rechtsrockkonzertes aufgehoben wurde.

Das Oberverwaltungsgericht in Weimar hatte am Mittwoch in zweiter Instanz ein Verbot des Rechtsrockkonzertes in Themar abgelehnt und damit eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Meiningen bestätigt. Der Landkreis Hildburghausen hatte naturschutzrechtliche Gründe für seine Verbotsverfügung angeführt. Dagegen waren die Veranstalter gerichtlich vorgegangen. Auch die vom Kreis geforderten Auflagen an den Konzertveranstalter wie ein Alkoholverbot und die Beschränkung der Teilnehmer aus 1.000 Menschen war vom Verwaltungsgericht abgelehnt worden.

 

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