Wieder mehr Rechtsrock-Konzerte in Thüringen

Erfurt (epd). Die Zahl der Rechtsrock-Konzerte ist in Thüringen im vergangenen Jahr weiter angestiegen.

Insgesamt habe man 59 derartige Veranstaltungen registriert, fünf mehr als 2106, teilte die "Mobile Beratung in Thüringen. Für Demokratie - Gegen Rechtsextremismus" (Mobit) am Dienstag in Erfurt mit. Das bedeute einen Zuwachs im dritten Jahr in Folge.

Lagen die Zahlen nach Mobit-Angaben zwischen 2007 und 2014 bei einem Durchschnitt von 25 Rechtsrock-Konzerten, habe sich dieses Bild seit 2015 kontinuierlich gewandelt. Mittlerweile finde, statistisch gesehen, mindestens eine Rechtsrock-Musikveranstaltung pro Woche statt. Dabei sei die stilistische Bandbreite der dargebotenen Musik recht breit und reiche von NS-Rap und rechtem Metal bis hin zu Lieder- und Balladenabenden, welche in der Szene seit Jahren einen hohen Stellenwert besäßen.

Auch im Bereich der Großveranstaltungen im öffentlichen Raum sei sowohl ein Zuwachs an Events wie auch bei den Teilnehmerzahlen zu beobachten. Sie hätten sich nach dem bisherigen Höchststand von 2016 im letzten Jahr von 4.800 auf 9.400 sogar nahezu verdoppelt. "Wir sehen neben den stetig wachsenden Konzertzahlen aber auch eine starke Normalisierungstendenz bei der neonazistische Konzert- und Eventkultur in Thüringen" resümierte Stefan Heerdegen von Mobit.

Das Bedrohungspotential für eine demokratische Kultur in Thüringen durch immer unkomplizierter zu organisierende Neonazi-Konzerte müsse daher mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden. Diese Konzerte bedeuteten ein Angriff auf die Menschenwürde und humanistische Werte und bildeten eine Angstzone für alle, die nicht in das propagierte Weltbild passten, fügte er hinzu.

Auch der Vorsitzende des Mobit-Trägervereins Sandro Witt forderte daher eine breite Unterstützung zivilgesellschaftlich demokratischer Proteste ein. Man könne nicht länger zusehen, wie Thüringen das Kernland der deutschen Neonazi-Szene werde, von dem aus Hass und Gewalt exportiert würden, schreibt Witt in einer Broschüre mit dem Titel "Hass und Kommerz - Rechtsrock in Thüringen", die am Dienstagabend in Erfurt vorgestellt werden sollte.

"Die Taten des NSU sollten uns ausreichende Lehre sein, wohin eine Verharmlosung und teils dilettantisches Agieren der Sicherheitsbehörden führen können", so Witt. Doch es bedürfe nicht nur des konsequenten Agierens der Behörden, sondern auch einer aktive Zivilgesellschaft. Die müsse sich solidarisch zeigen mit den Orten, an denen die Szene besonders präsent sei. "Vor allem kleine Orte wie Themar, Kloster Veßra oder Kirchheim sollten Ziel unserer Solidarität sein, um die Engagierten vor Ort nicht alleinzulassen", so Witt.

 

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