Zahl der Beratungen zur Kriegsdienstverweigerung steigt weiter deutlich an
Der Bedarf an Beratungen zu Fragen der Kriegsdienstverweigerung ist weiterhin sehr hoch.
Dies betonte die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung, der am 15. Mai begangen wird.
„Die Zahl der Anfragen, die uns erreichen, steigt derzeit deutlich an“, sagt Stefan Schwarzer. Der Stuttgarter Pfarrer ist Koordinator der Gewissensberatung in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und landeskirchlicher Friedenspfarrer. „Dieses Jahr schaffen wir EKD-weit locker die Zahl von 1000 Beratungen. Bereits Mitte April haben wir so viele Beratungen durchgeführt wie 2022 im gesamten Jahr. Auch gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich die Zahl schon jetzt verdoppelt“, unterstreicht Stefan Schwarzer.
Die Gründe für diesen deutlichen Anstieg sieht die EAK dabei im neuen Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. „Seitdem Jugendliche, die volljährig werden, einen Fragebogen erhalten, der nach ihrer Bereitschaft zum Wehrdienst fragt, denken viele auch über die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung nach“, berichtet der Stuttgarter Pfarrer. Aber dass auch in der Gesellschaft sehr kontrovers über sicherheitspolitische Fragen diskutiert werde, trage dazu bei, dass von jungen Menschen auch die Kriegsdienstverweigerung eine Rolle spiele.
Dies zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen. Nach Angaben des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln, wo die Anträge auf Kriegsdienstverweigerung bearbeitet werden, hätten im ersten Quartal dieses Jahres bereits fast 2700 Menschen einen KDV-Antrag gestellt. 2024 waren es im gesamten Jahr nur knapp 3000 Anträge. „Das zeigt, welche Rolle Kriegsdienstverweigerung wieder spielt und wie wichtig die Gewissensberatung ist“, ist Stefan Schwarzer überzeugt. Die EAK ist daher dabei, ihr Beraterinnen- und Berater-Netz bundesweit auszubauen und Menschen für eine Beratung zu schulen. Mittlerweile gibt es in allen 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland, aber auch in den Freikirchen, die auch in der EAK mitwirken, entsprechende Ansprechpartner. „Wir stehen Menschen bei Gewissensfragen zur Seite, das ist auch eine seelsorgerliche Aufgabe der Kirche“, macht Stefan Schwarzer deutlich.
Kriegsdienstverweigerung sei aber auch ein wichtiges Thema in Europa, gibt der Pfarrer zu bedenken. „Der aktuelle Bericht des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung, der in diesen Tagen veröffentlicht wird, zeigt, dass noch lange nicht in allen Staaten das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung auch gewährleistet wird“, so Stefan Schwarzer, der die EAK in diesem Europäischen Büro vertritt. Der Bericht zeige, dass sich in vielen Ländern des Europarates die Lage von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren verschlechtert habe und deren rechtliche Anerkennung oft untergraben werde. „Gerade in Zeiten, in denen wieder aufgerüstet und die Wehrpflicht in vielen Ländern wieder eingeführt wird, ist eine uneingeschränkte Anerkennung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung sowie die Einrichtung wirklicher Alternativdienste ohne Strafcharakter sowie die Angleichung von nationalen Rechtsvorschriften an internationale Menschenrechtsstandards unbedingt erforderlich“, macht der Pfarrer klar.
Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) ist innerhalb der „Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)“ der Dachverband für diejenigen, die in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen für Fragen der Kriegsdienstverweigerung (KDV) und Friedensarbeit zuständig sind. Die EAK ist Teil der Friedensarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland und beschäftigt sich mit Fragen der Friedensethik, Friedenstheologie, Friedenspolitik und Friedenspädagogik: www.eakonline.de