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Predigt am Heiligen Abend 2025 zu Mi 5,1-4a, in Gemeinden des Kirchenkreises Saalfeld-Rudolstadt, Regionalbischöfin Dr. Friederike Spengler

Predigttext: Micha 5,1-4
51Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. 2Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Israeliten. 3Er aber wird auftreten und sie weiden in der Kraft des Herrn und in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden bis an die Enden der Erde. 4Und er wird der Friede sein. (Luther 2017)
Gnade sei mir Euch…

Am Pult:
Liebe Gemeinde, der Prophet Micha malt ein Bild: „Es wird Friede sein!“ Ein göttliches Bild. Weder um das Jahr 700 v.Chr. herum, als Micha im Südreich des heutigen Israel unterwegs war, noch heute bei uns, ist das Realität. 
„Ein Kind soll euch geboren werden, ein Friedensbringer“. Einer, der nicht eher ruhen wird, bis die Benachteiligten gesehen und am Leben beteiligt werden. Einer, der das Volk zusammenführen wird aus allen Himmelsrichtungen. Einer, der die Völker gerecht richtet und ihre Waffen zu Ackergeräten umschmieden lässt. Einer, der Gottes Ziel für alle Menschen umsetzt: Wohnen unter seinem Feigenbaum und Weinstock soll jeder. Friede auf Erden für immer!
Ach, Micha! Welche Sehnsucht rufst du in uns wach, wie gern würden wir dir weiter lauschen und uns mit hineinnehmen lassen in ein wunderbar-friedliches Weihnachtsfest. Doch das, was du sagst, ist Zukunftsmusik. „Es wird sein in den letzten Tagen…“
Micha hört den Widerspruch und spricht uns unmittelbar an. Da muss man sich schon warm anziehen, denn der Prophet Micha ist nur Gott gehorsam. Er ist sein Sprachrohr. Und Gott spricht durch Micha: „Nichts ist gut! Was tut ihr mir und euch an“, spricht Gott, „wenn ihr das Recht mit Füßen tretet. Was fällt euch ein, die Armut anwachsen zu lassen und nichts gegen Ungerechtigkeit zu tun, die euern Wohlstand finanziert? Was lasst ihr Menschen am ausgestreckten Arm verhungern, ertrinken oder erfrieren? Ihr lebt und handelt verantwortungslos!“ „Du, Mensch“, predigt Micha weiter „es ist dir doch alles bekannt: Du sollst dein Handeln an Gottes Gebot ausrichten, den Nächsten lieben und dich nicht selbst für Gott halten.“ 
Du hast ja recht, Micha. Aber wir schaffen es nicht aus eigener Kraft. Wir brauchen eine Sehnsucht, die uns zieht. Und einen, der uns beibringt, Frieden zu halten und einander gerecht zu werden! Kennst du solch einen Ort und solch einen Friedenslehrer für uns, Micha?
51Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.
Du sprichst von Bethlehem. Und dass der Friedenbringer aus diesem Ort kommen soll. Aus diesem winzigen Flecken auf der Landkarte, in dem gerade kein Stein mehr auf dem anderen geblieben ist? Schwer vorstellbar. Und doch bleibst du dabei: Aus Bethlehem soll Frieden kommen. Das hat doch auch der Engel gesagt, wir erinnern uns. „Geht nach Bethlehem und ihr werdet finden das Kind!“ Die Hirten auf den Feldern haben deine Worte gekannt, Micha. Und dennoch hatte sich zu ihrer Zeit nichts daran geändert, dass Bethlehem keinen Frieden hat. Dennoch erinnert Michas Wort die Hirten an den Ursprung der Friedenshoffnung: Von Bethlehem wird Frieden ausgehen! 
Um den Frieden zu finden, machen wir uns auf. Kommt und seht!
(Weg vom Pult zur Krippe, Kerze entzünden)

An der Krippe:
„Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren ist. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr. Und das habt zum Zeichen: Ihre werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ - Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef und dazu das Kind in der Krippe liegend.

Was wir in der Krippe sehen, ist ach so alltäglich: ein Kind. So, wie in jeder Sekunde auf der Welt eines geboren wird. Dieses Kind unterscheidet sich zunächst auch nicht von jenen Kindern, die heute Abend geboren werden. Dieses Kind in der Krippe ist: sehr arm, keineswegs mächtig, bescheiden und alltäglich, nackt und frierend - Gott im Stroh. 
Ich sehe, dass Gott im Kleinen beginnt und das Große umfasst. Dass Gott das Unglück in seine Hände nimmt und wenden kann. Dass Gott das Scheitern mit mir aushält und in Krankheit nur ein Gebet weit entfernt ist.
In Windeln gewickelt finden wir Gott und reiben uns verwundert die Augen: Der Friedefürst, so anders als erwartet. Keine Armee, keine Muskelspiele. Dieses Kind ist anders als wir: Es wird seine Ellenbogen nicht einsetzen, um sich durchzusetzen. Es wird vielmehr die andere Wange hinhalten, wenn es auf die eine geschlagen wird. Es wird Menschen nahekommen, um die andere lieber einen Bogen machen. Es wird von Blumen, Vögeln und Fischen predigen und Reichtum und Besitz dem Rost anheimgeben. Es wird den Lahmen aufhelfen, den Gebeugten die Last abnehmen und die Unsichere an die Hand nehmen. Das Kind wird Tränen trocknen und sein Trost wird Balsam für die Seele sein. Dieses Kind ist der „Immanuel“ – „Gott mit uns“ und zugleich ein Versprechen. Gottes Versprechen. Er selbst ist dieses Kind. Er zieht aus der paradiesischen Himmelwärme in die Kälte unserer Welt. Die Größe dieses Kindes liegt genau darin, Gott wirken zu lassen und nicht selbst wirken zu wollen. 
Liebe Gemeinde, ja, es bleibt die Herausforderung des Weihnachtsfestes, Unfrieden und Elend weltweit auszuhalten und dennoch dem neugeborenen Kind zu vertrauen. Wir sind hier an der Krippe, nicht um das Kind zu beschenken, sondern um uns von diesem Kind beschenken zu lassen. Gott macht mit uns Frieden! Dieser Friede geht von dem Kind aus. Dieser Friede ist so umfassend, dass die Weihnachtsbotschaft das Zeug hat, auch eine zerrissene Welt, eine zerstrittene Familie, eine zerbrochene Liebe, eine getrennte Freundschaft wieder zusammenzubringen.  
Im festen Vertrauen darauf, dass ihm dies gelingt, bete ich: „Du Kind in der Krippe. Deine Liebe zu uns ist zum Niederknien. Du bist bei uns. Heute. Ganz nah. Alle werden von dir gesehen und geliebt. Dein Lächeln strahlt durch die Zeiten und erreicht uns: Du, Lichtpunkt, Seelenanker, Hoffnungsfunken, Sehnsuchtsort, Zuhause. Du bringst den Himmel auf die Erde. Klein fängst du an. Damit die Weihnachtfreude groß werde.“

Amen
Und der Friede Gottes, der uns in diesem Kind geschenkt ist, bewahre und erhalte eure Herzen und Sinne.

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