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Predigt am Sonntag Trinitatis (31.05.2026), Großeutersdorf, St. Georg - Landesbischof Friedrich Kramer

Festgottesdienst zum 1150.Ortsubiläum 

Heute ist Trinitatis, das Fest der Dreieinigkeit.

Ich weiß nicht, wann Sie das letzte Mal am Küchentisch über die Trinität diskutiert haben. Vielleicht noch nie, dann versuchen Sie es morgen früh mal. Wie stellen Sie sich das eigentlich vor mit Gott? Drei und doch eins... Im Zeitalter des Internets ist das ganz einfach: Sie sollen ein Profil erstellen und nennen sich nicht, wie sie heißen, sondern geben sich ein anderes. Und so manch einer hat vielleicht zehn, zwanzig, dreißig Profile und ist sonstwie unterwegs und bleibt doch ein Mensch.

Bei Gott hat man nachgedacht: Wie verhält sich das? Es gibt den einen Gott, das ist völlig unstrittig, den einen Gott, der die Welt gemacht hat. Und dann hat man erlebt: Jesus Christus, der ganz viel mit Gott zu tun hatte. Und die frühen Christen waren so mutig zu sagen: Er ist Gott. In ihm ist das Göttliche so stark gewesen, dass dort Mensch und Gott zusammenkommen. Und dann hat man gemerkt, wie kommt es eigentlich, dass wir glauben? Wie kommt es eigentlich, dass Sie heute hier sind? Das hat was mit dem Heiligen Geist zu tun. Und seitdem denken Christen trinitarisch.

Und das heißt, das ist schön, denn es bedeutet immer: Beziehung. Zwei können schon in Beziehung sein, bei dreien ist es schon komplexer, Sie ahnen das. Und Sie alle kommen irgendwie aus einer trinitarischen Beziehung: Vater, Mutter, Kind, kann nicht anders sein. Alleine kommt keiner für sich zur Welt, obwohl heute manche so leben, als wären sie nur sie selbst, am besten auch noch Gott und hätten in allem Recht. Und wenn es nicht so geht, wie sie gesagt haben, ist alles falsch.Ich hoffe, Sie kennen niemanden, bei dem das so ist. 

Und am Trinitatisfest feiern wir heute ihr 1150-jähriges Jubiläum als Ort. Vorhin sagte die Pfarrerin, da gab es noch keine Kirche, das ist sicherlich richtig. Aber es gab sicherlich schon das Gerücht vom Dreieinigen Gott. Denn einige hundert Jahre vorher ist Bonifatius hier herumgelaufen und hat das Christentum verbreitet. Und musste übrigens feststellen, es war schon da. Denn die gute Nachricht hat sich schnell verbreitet. Und das Christentum hat sich nicht, wie manche glauben, mit Gewalt und Schwert verbreitet, sondern einfach, weil es, wie wir es vorhin gehört haben, wunderbar ist. Das ist eine Botschaft der Liebe, des Vertrauens und der Hoffnung. Und die hat eine solche Kraft, dass sie gegen allen Hass, alle Unterdrückung, alles Niederdrücken anderer stärker ist. Das haben Menschen gespürt. Und deswegen gab es garantiert vor 1150 Jahren mindestens ein Haus, das sich zu Christus gezählt hat, hier im Großeutersdorf. Ich weiß nicht, wie viele es heute sind. Ich hoffe, ein paar mehr.

Und heute am Trinitatissonntag im Festgottesdienst, hören wir einen Text, wir haben ihn vorhin gehört. Den Text, der in dreifacher Weise Gottes Segen weitergibt. Und deswegen werden Sie immer, wenn Sie an Trinitatis in die Kirche kommen, irgendeinen Text erleben, der die Dreieinigkeit irgendwie aufmacht. Obwohl er hier nicht von Vater, Sohn und Heiligem Geist spricht. Sondern er sagt: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Die von Ihnen, die regelmäßig in den Gottesdienst kommen, kennen das: Das kommt immer am Ende des Gottesdienstes. Der sogenannte Aaronitische Segen. Der Segen, den die Kinder Aarons sprechen dürfen.

Und falls Sie mal auf einen jüdischen Friedhof gehen, da können Sie mal die Grabsteine angucken. Und da finden Sie plötzlich Grabsteine, wo so eine Hand drauf ist. Und dann wissen Sie, aha, das ist ein Aaronit. Der stammt aus dem Stamm von Aaron, ein Nachfahre. Und der soll den Aaronitischen Segen sprechen. Das ist übrigens heute so in allen jüdischen Gemeinden, auch in unserem Land. Wenn mal einer aus der Familie Aarons zu Besuch kommt in die Gemeinde, oder man weiß, dass er dazugehört, dann darf er am Ende des Gottesdienstes den Segen sprechen. Ganz egal, was er für einen Beruf hat und was er sonst so macht. Das heißt, es ist der Segen, den ein Nachfahre Aarons spricht. Und wir haben das übernommen als Christen und haben es zum Abschluss des Gottesdienstes gemacht, weil es ein dreifacher Segen ist. Ich möchte Ihnen diesen Segen anhand der Geschichte von Jakob nahe bringen. Und Jakob, das könnten auch Sie sein.

Denn die entscheidende Frage für uns Christinnen und Christen ist ja: Was hat das, was in der Bibel steht, mit mir zu tun? Gibt es Segen in meinem Leben? Gibt es die Erfahrung der Nähe Gottes? Wie ist das eigentlich? Und der Segenswunsch hier, den Aarons Söhne sprechen sollen, der beginnt ganz knapp. Es sind in Hebräischen nur drei Worte. Wir machen im Deutschen ein bisschen mehr Worte, weil wir es nicht so knapp sagen können.

Aber im Hebräischen sind es drei Worte: Der Herr segne dich und behüte dich. Und das ist ein ganz allgemeiner Segen für das alltägliche Leben. So wie es im ersten Artikel im Katechismus geschrieben steht, der die Schöpfung beschreibt: Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat, samt allen Kreaturen, sagt Luther im Katechismus. Mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält. Mich mit allem, was Not tut für Leib und Leben reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt. Und das alles aus lauter väterlicher göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne all mein Verdienst und Würdigkeit.

Glauben sie das auch, dass ihr Leib und ihre Augen, ihre Ohren und alles, was sie haben, ein Ausdruck von Gottes Segen ist? Das ist doch schon mal wunderbar, und wenn ich mich hier umschaue: Segen die Fülle! Gott hat uns gemacht und da ist viel Segen zu entdecken. Leider sind wir ja unterwegs in einem Land, das immer eher die Augen dahin richtet, wo es nicht gut läuft.

Und wenn man hier die schönen Sängerinnen und Sänger sieht, denkt man: Oh, ich kann gar nicht singen. Und schon ist man wieder schlecht gelaunt, weil man denkt: Mensch, sing schön, singen wäre doch schön. Dabei kann jeder von ihnen singen, man muss sich nur trauen. Und ich sage immer scherzhaft: Auch die Krähe und die Elster gehören zum Gotteslob dazu. Also trauen sie sich fröhlich und machen sie ihren Mund auf. Wir haben so schöne Gaben geschenkt gekriegt. Gottes Segen ermöglicht uns unser Leben.

Und bei Ihrem Leben sehen sie gleich Gott, den Vater, der Sie gemacht hat, und den Heiligen Geist, den spüren Sie ständig. Der hat nämlich auch mit Gesang und Atem zu tun. In den frühen Klöstern hat man überlegt, ob man das Heiliger Geist oder Heiliger Odem nennt, und hat sich entschieden für Heiliger Geist.Aber schon, dass Sie atmen, ist ein Zeichen, dass Gott Sie gemacht hat. Sie kennen die Schöpfungsgeschichte, Gott bläst dem Ton den Atem ein, und wenn man tot ist, atmet man nicht mehr. Und wenn sie heute atmen, denken sie mal dran, Gott hat mir den Atem eingeblasen. 

Jakob, der weiß, dass bei den Israeliten es üblich ist, dass der Vater den Sohn segnet. Und das ist so ähnlich, heute ist das bei uns anders, das ist sowas wie das Testament. Also wen schreibt man rein, wer was erbt? Segen bedeutet gleichzeitig Erbschaft. Und leider ist Jakob nicht der Erstgeborene, sondern der Zweitgeborene und macht sich Sorgen, ob er gut durchs Leben kommt, wenn er nicht den Segen bekommt. Und er erschleicht sich den Segen. Übrigens vermutlich nicht seine Idee, sondern die Idee seiner Mutter, die gerne den zweiten Sohn nach vorne bringen wollte. Und Isaak, der blind ist, der hat sich ein Fell angezogen und der denkt, der ältere Sohn hatte ganz viele Haare, hat sich ein Fell angemacht, der spürt das, denkt, aha, es muss Esau sein, legt ihm die Hände auf und sagt: Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde und Korn und Wein die Fülle. Und es geht also in diesen Segen um Tau und Erde.

In Großeutersdorf kennt man das. Das ist normale Landwirtschaft, Gartenpflege. Man hat es nicht in der Hand.In diesem Jahr läuft es gut, nicht zu trocken, aber man braucht den Segen. Und das wissen alle, die in der Landwirtschaft unterwegs sind. Man kann es nicht zwingen, sondern es braucht den Sonnenschein und den Regen. Und denken wir an Oskar Brüsewitz, der sich vor 50 Jahren verbrannt hat in Verzweiflung über die DDR. Da hatte die LPG rausgehangen: Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein. Und er hatte an seinem Pfarrhaus rausgehängt: Ohne Sonnenschein und Gott gibt die ganze Welt bankrott. Was soll man sagen, die SED ist weg und der Sozialismus auch und Sie sind heute hier in der vollen Kirche, so soll es sein. 

Gott hat den Segen bereitet und Jakob erschleicht ihn sich. Nur könnte man sagen, Segen ist etwas Statisches, aber erschlichener Segen funktioniert nicht. Und Jakob muss fliehen, hat totale Angst vor seinem großen Bruder, der auch doppelt so groß ist und so ein Kreuz hat und der sich nun betrogen fühlt. Und er haut ab und muss fliehen in die Ferne, heimatlos und ruhelos. Man kann alles erreicht haben, alles bekommen, sich durchgesetzt haben, alle ausgetrickst haben, aber ohne Segen nützt das alles nichts.

Oder wie es im Korintherbrief steht: Hätte ich die Liebe nicht, so wäre alles umsonst. Und er kehrt später zurück, und immer wieder fragt er sich: Bin ich gesegnet oder nicht? Mein Vater hat mich ja gesegnet, wie ist das nun? Und Gott hat ein Einsehen, liebt ihn und spricht ihm im Traum von der Himmelsleiter den Segen zu: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst und will dich wieder hierher bringen in dieses Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe

Wir lernen erst mal eins daraus, Gott sind menschliche Erbregeln ziemlich egal. Er kann jeden und jede berufen und hält sich nicht an das, was Menschen sich ausgedacht haben. Er steht dem Verzweifelten bei, der auf der Flucht ist und sagt ihm: Ich will mit dir sein. Das heißt nicht, dass wenn du gesegnet bist, dir nicht schlimme Dinge passieren können oder auch Fürchterliches dein Leben heimholt. Aber die Gewissheit der Segen Gottes spricht dir zu: Gott ist bei dir und wird dich hindurchführen. Ja, er wird dich nicht verlassen. 

Der zweite Teil des Segens, der zweite Spruch heißt: Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Im Deutschen ziemlich viele Worte, im Hebräischen fünf, es kommen immer zwei dazu. Drei, fünf, sieben.

Und hier geht es um unser Gottesverhältnis, um unsere ganz persönliche Beziehung zu Gott. Kennen Sie leuchtende Angesichter? Ist es nicht etwas Schönes, wenn ein Gesicht leuchtet? Wir versuchen das jedes Jahr zu Weihnachten herzustellen. Manche mit dem Weihnachtsmann, andere mit dem Christkind und freuen sich, wenn dann die Kinderaugen strahlen und leuchten im Schein des Weihnachtsbaums. Irgendwann sagen dann die Kinder, ihr müsst nicht mehr so tun, das habt ihr die Geschenke nicht gebracht, die wissen ja Bescheid. Aber Weihnachten spürt man etwas von der sich ausgießenden Liebe und dass sie die Gesichter zum Leuchten bringt. Und hier ist es so, dass Gott, wenn er sich dir zuwendet, sein Angesicht voll Liebe über dir leuchtet. So wie es in jeder guten Beziehung ist, wenn man die Liebe wieder spürt, man sieht das Leuchten in den Augen der anderen. Gott ist uns gnädig. Wie Luther sagen würde, oh unser Verdienst, da haben wir nicht viel für getan, aber er liebt dich so wie du bist, denn er hat dich auch gemacht.

Das können Sie einfach mal so hören und nicht gleich widersprechen. Denn das ist gar nicht leicht, sich anzunehmen, wie man ist. Aber Gott schaut uns an, wie wir sind und schaut uns mit dem Blick der Liebe an.Und der Blick der Liebe ist ein Blick, der dich so sieht mit dem, wie du werden könntest, was alles noch möglich ist. Und nicht mit dem defizitären Blick, was du alles schon wieder falsch gemacht hast und nicht kannst. Sondern der Blick der Liebe sagt: Aus dir kann ein wundervoller Mensch werden, es ist so viel möglich. Und in Glaube, Hoffnung, Liebe ist für uns alle unendlich viel Luft nach oben. Da können wir uns weiterentwickeln. Das ist kaum aufzuhalten, deswegen ist der Himmel auch so weit und groß, dass da viel möglich ist. 

Jakob kommt zurück, nachdem er viel Erfolg gehabt hat. Er ist reich geworden, er hat geheiratet und hat totale Angst vor dem Treffen mit seinen Bruder. Denn er weiß, den hat er betrogen. Und in der Nacht davor träumt er und erlebt plötzlich, dass ein Mann zu ihm kommt und mit ihm ringt. 

Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und als er sah, dass er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Gelenk und seine Hüfte. Und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. Und er sprach, lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Und er sprach, wie heißt du? Er sagte: Jakob. Und er sprach, du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel, denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen.

Sich an Gott, hier in diesem Fall eine unbekannte Figur (man weiß nicht, wer es ist, bleibt völlig im Dunkeln) festhalten, bis man wieder gesegnet wird. Das können Sie mal ausprobieren, wenn Sie sich mit jemandem zerstritten haben. Sich hinknien, ihn festhalten und sagen: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Es verändert völlig, man traut sich dann nicht, etwas Böses zu sagen, es wird alles anders. Und Jakob erlebt hier, dass er Gott so festhält, obwohl diese Figur, die von Gott kommt, ein Engel, man weiß es nicht, ihm auf die Hüfte geschlagen hat. Das heißt, er geht humpelnd in den Morgen, aber das Morgenlicht leuchtet. Und er geht als Gesegneter.

Gott nicht loslassen in den dunklen Nächten des Lebens, sondern sich an ihm festhalten. Nicht nachlassen und sagen: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Und so entsteht der neue Name, den wir in diesen Tagen auch viel hören, Israel. Für viele auch ein Hassname und von bösen Gedanken bezogen. Aber hier ganz klar ein Name, der heißt: Du bist einer, der sich festhält an Gott, und deswegen bist du gesegnet. Und der Segen ist immer da, wenn man Gott folgt und sich an Gott festhält. Alle Schuld, aller Kampf, aller Krampf unseres Lebens, wir können uns an Gott festhalten und wenn er uns segnet, auch humpelnd mit angeschlagener Hüfte in die leuchtende Sonne treten. Die Wunden sind nicht weg, die Last bleibt, aber als Gezeichnete sind wir Gesegnete.

Und daran entdeckten immer die Christen auch Christus, der, obwohl er alle Gewalt hatte, ans Kreuz für uns gegangen ist und für uns gestorben ist. Der sich hat ans Kreuz nageln lassen und deswegen immer die segnenden Hände über uns hält, obwohl sie schmerzvolle Hände sind. Und der dem Leid nicht ausgewichen ist, sondern für dich alles gegeben hat. So sollen wir Segen verstehen: sich an Gott festhalten, an Christus, dem Schmerz und dem Leid nicht ausweichen, sondern es ansehen und darauf vertrauen, dass Gott Segen gibt. 

Der dritte Zuspruch ist dann (im Hebräischen sieben Worte): Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Ist das nicht schön? Am Ende steht der Shalom. Und Shalom ist im Hebräischen so ziemlich alles, was man sich Gutes vorstellen kann. Plötzlich sind die Schulden weg, alles, was ich Schlechtes gesagt habe, ist aufgehoben. Plötzlich ist ein Frieden, der ganz umfassend ist, der nicht nur keinen Krieg bedeutet, sondern ein umfassender Frieden der Gerechtigkeit, der Liebe, der Hoffnung, des Glaubens ist.

Und Jakob als Gesegneter erlebt das. Er begegnet dann seinem Bruder Esau, immer noch ängstlich. Wird er mich angreifen? Er schickt zuerst lauter Geschenke und seine ganze Familie vorneweg. Und ganz zum Schluss kommt er und Esau umarmt ihn. Esau ist durch den Segen berührt. Und trotzdem, das ist das Schöne danach, gehen sie beide andere Wege, weil sie wissen, Konflikte sind ja nie ganz weg, die wollen wir nicht wieder aufkochen. Aber in dem Moment gibt es Frieden, Frieden zwischen den Brüdern. Und falls bei Ihnen zu Hause, wie bei Jakob, der Familiensegen schief hing oder hängt, versuchen Sie, den Segen Gottes zu erbitten, einander um Segen zu bitten, um Vergebung zu bitten und neu zu starten als Versöhnte, die unter Gottes Frieden leben.

Wenn wir den dreifachen Segen hören, dann ist es so, wie es hier heißt, dass der Name Gottes auf uns gelegt wird. Dann ist nicht mehr egal, wer wir sind und woher wir kommen, sondern wir gehören zu jemandem. Wir sind in Beziehung, und zwar in Beziehung zu Gott. Gott gehört zu dir. Sein Name ist in deinem Namen eingeschrieben. Und wie Dietrich Bonhoeffer es ausgedrückt hat: Vom Segen Gottes lebt die Welt und hat sie eine Zukunft.

Segnen, das heißt die Hand auf etwas legen und sagen, du gehörst trotz allem Gott. Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. So sagt es der lebendige Gott uns neu.

Segnen sie fröhlich einander. Es ist keine bischöfliche oder pfarramtliche Aufgabe. Wir tun das stellvertretend für sie alle, die sie Priester sind und Priesterinnen Gottes. Sie dürfen zu Hause segnen, was das Zeug hält. Wenn der Mann auf Arbeit geht, wenn die Kinder in die Schule gehen, machen sie ein Kreuz auf die Stirn und sagen sie: Der Herr segne dich. Denn von dem Segen Gottes leben wir. Der Segen ist hier 1150 Jahre in dieser Kirche zugesprochen worden. Segen ist immer wieder erlebt worden und auch in den dunklen Zeiten, die hier nicht weit weg sind, in dem Bergwerk, wo Menschen schrecklich gelitten haben und arbeiten mussten für Waffen. Trotzdem auch bei ihnen, der Segen ist dort aufgeblüht, wo Menschen einander sich zugewandt und geholfen haben.

Wir sollen im Segen gehen und Gottes Wort vertrauen. Wir dürfen im Segen weitergehen und segnen und wir dürfen den Segen weitergeben. Tut dies die nächsten 1150 Jahre hier in Großeuterstorf.

AMEN

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