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Predigt beim Ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung der Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis am 26.04.2026, Landesbischof Friedrich Kramer

(Predigttext: Johannes 15, 1-7)

Liebe Schwestern und Brüder in Christo,
liebe Gartenschaugemeinde,

Gnade sei mit Euch und Friede, von dem großen Ich-bin-da, der da ist, der da war und der da kommt: Jesus Christus.

Was für ein herrlicher Ort hier, ein wunderschöner Garten, wie gemacht dafür, Gottesdienst zu feiern. Und uns Christen erinnert der Garten an den Paradiesgarten am Beginn der Welt und an die blühende Stadt am Ende der Tage, das himmlische Jerusalem. Und an Christus, der als Auferstandener für einen Gärtner gehalten wird. Und so erleben wir es in diesen Frühlingstagen, wie durch die Winterzeit hindurch, wie durch den Tod hindurch neues Leben aufblüht – überall. Und so haben wir es zu Ostern gefeiert: der Tod ist überwunden: Christus ist auferstanden! Heute am Sonntag Jubilate stimmen wir in den österlichen Jubel ein, und den Jubel der Natur, der uns umgibt, die wir sehen und riechen können. Öffnen wir unsere Herzen für das Wunder, das Gott schenkt. gerade in diesen Tagen in denen Gewalt und Krieg kein Ende nehmen und wir düstere Gedanken haben, da ist es gut in den Garten zu gehen, so wie Sie dies heute getan haben. Herzlich willkommen hier auf der Landesgartenschau.

Und dann hören wir den Text vom Weingarten und dem Weingärtner Gott. Schon bei der Schöpfung und auch hier ist Gott Gärtner. Ist das nicht großartig? Kein Kriegsgott, sondern einer der es wachsen lässt. 
Keiner, der niedertritt und zerstört, sondern einer, der Lust hat am Leben. Ja, der Freude hat an Vielfalt, Geruch und Gesumme und daran, dass unsere Herzen sich öffnen und sich freuen. Hier auf der Landesgartenschau gibt es wohl keinen Weinberg, und ich weiß auch nicht, ob das Eichsfeld für Weinbau bekannt ist. Ich glaube nicht. Es wird immer wärmer, vielleicht wird das noch. Schauen Sie mal, wo hier und da noch eine alte Flurbezeichnung ist.
Der Weinbau in unserer Gegend hier, Saale-Unstrut und was es hier auch gibt, der verdankt sich uns Christen, denn die Christen brauchen Wein zum Abendmahl, und deswegen wurde er hier angebaut. Überhaupt verbindet uns das Weingärtnerbild, uns Evangelische und Katholische, leider in der Reformationszeit mit bösartigen Bildern.

So geht es los mit der Bulle gegen Martin Luther. Da steht drin, eine Sau ist in den Weinberg eingebrochen, in Klammern: Luther ist die Sau. Und wie revanchieren sich die Protestanten... 
Wenn Sie mal in Wittenberg sind, gehen Sie mal in die Stadtkirche. Da sehen Sie ein Weinbergbild. Auf der einen Seite die Protestanten, die alles richtig machen, rechen und düngen, und auf der anderen Seite die Katholiken, die alles falsch machen, Steine in den Brunnen kippen und die Reben abbrechen und so.
Also immerhin gemeinsam noch im gleichen Weinberg, noch keine Sau die anderen, aber trotzdem böse Polemik. Schön, dass wir heute hier zusammen sind und wissen, wir sind zusammen im Weinberg des Herrn unterwegs und Gott ist der Weingärtner, der uns alle gepflanzt hat und pflegt. Das siebte und letzte der Ich-Bin-Worte im Johannesevangelium lockt uns in den Garten.

„Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Wir erinnern uns, das erste Ich-Bin-Wort heißt: „Ich bin das Brot des Lebens“.
Hier sind wir nicht nur im Garten, sondern durch Brot und Wein im Abendmahl und schmecken schon hier im heute etwas von dem, auf das wir zugehen, vom Reich Gottes. Und wir schmecken in der Geschichte auch schon etwas von dem, auf dem wir irgendwann auch zugehen werden, Protestanten und Katholiken und alle anderen, zum gemeinsamen Mahl. Dauert vielleicht noch tausend Jahre, wir sollen die Nerven nicht verlieren, aber es wird irgendwann kommen.
Und wir sind hier im Garten, hier sehen und spüren wir schon etwas von dem, auf das wir zugehen, aufs himmlische Paradies. Ich bin, sagt Jesus und knüpft damit an die berühmte biblische Geschichte von Mose am Dornbusch an, wo Mose den Dornbusch brennend sieht und mit Gott ins Gespräch kommt und er dann Gott fragt, wie heißt du? Und Gott sagt, ich bin, der ich bin. Man kann auch übersetzen, ich bin, der ich sein werde, ich bin der Seiende, ich bin der, ich bin da. 
Gott stellt sich vor als der, der da ist und immer da sein wird. Jesus nimmt diese Worte im Johannes-Evangelium auf und konkretisiert sie. Sieben Mal sagt er: Ich bin das Brot des Lebens, das Licht der Welt, die Tür und der gute Hirte.
Ich bin die Auferstehung und das Leben. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Und zum Schluss: Ich bin der wahre Weinstock.

Da sind wir also im Garten, im Weingarten, und werden in der Rede Jesu zu einem Teil dieses Gartens: Ihr seid die Reben. Und dann heißt es über Gott den Weingärtner: Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um das Wortes Willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 
Was Jesus, den wahren Weinstock, so einzigartig macht, ist der Weingärtner, der ihn pflegt, Gott selbst. Aber was Gott da tut, geht uns schwer über die Zunge.

Diese Worte vom mehr Frucht bringen und vom Weggeworfen werden. Und plötzlich scheint der Garten ein Bewährungsort zu sein. Frucht bringen heißt es. 
Wie ist es mit deinen Lebensfrüchten? Hast du etwas vorzuweisen? Oder denkst du hier in der von Profigärtnern gestalteten Gartenschau in deinen eigenen Garten und fragst dich, wie das so schön werden konnte? Denkst du an die Wildkräuter, die einige Unkraut nennen in deinem Garten und dann was das, was da einfach jedes Jahr wächst, obwohl du dir etwas anderes vorgenommen hast. Was sind die Früchte? Was sind die Früchte deiner Hände? Was sind die Früchte deines Mundes? Was sind die Früchte deines Herzens? Bist du hilfreich, freundlich und liebenswert? Die vielen Blumen hier in der Landesgartenschau stimmen uns schon einmal freundlich und liebevoll. Und wenn wir anderen begegnen, kann man eigentlich nicht bösartig gucken, weil wenn es so schön blüht, ist man gut gestimmt.
Unser Text ist nämlich keine Drohung, sondern eine Einladung zu gelingendem, erfülltem Leben. Darum braucht die Rede vom Weinstock auch keine Kataloge über Tugend und Laster und keine Ge- und Verbote, die uns sagen, was wir tun sollen, sondern es geht vor allem darum, woher wir die Kraft und das Vertrauen, die Begeisterung beziehen, die uns immer wieder aufbrechen lassen. Auch nach Enttäuschungen einen neuen Anfang zu suchen, auch nach Streit und Zwietracht Versöhnung zu wagen.

Es geht um die Liebe Gottes zu uns Menschen. Es geht darum, an Christus dranzubleiben und mit ihm in enger Verbindung zu stehen. Dann können die Früchte der Hände und der Lippen und des Herzens wie von selbst wachsen und werden zum fröhlichen Lobgesang und Osterlied.

Seit ich vor zwölf Jahren einen kleinen Weingarten erworben habe, freue ich mich immer, wenn ich über eines der Weinworte der Bibel sprechen kann und predigen darf. Denn durch die Winzertätigkeit verändert sich der Blick auf diese Texte, und durch das Hacken, Schneiden, Binden, Ausgeizen, Wässern und Weinlesen bekommen die Worte der Heiligen Schrift eine andere Farbe. 
Ich war zum Beispiel vor vier Jahren zur Weinlese da und hatte Freunde eingeladen. Wir wollten den Wein lesen und mein Schwager kam völlig bleich aus dem Weinberg und sagte, es sieht aus wie auf einem abgegessenen Buffet, nur noch Strunke. Da war ein Vogelschwarm eingefallen. Und mir fiel der Spruch ein: „Seht die Vögel unterm Himmel, sie säen nicht und sie ernten nicht und sie essen doch.“ Aber ich fragte mich: Warum in meinem Weinberg? Habe ich also Netze gekauft. So ist das, wenn man plötzlich mittendrin ist.

Der Winzer, der im Winter alle Reben wegschneidet und nur zwei Reben stehen lässt, wussten Sie das? Und plötzlich klingt das Wort hier völlig anders. Es geht also nicht darum, einfach nur ein bisschen Rebe zu sein, sondern möglichst nah am Stock, sonst wird man weggeschnitten.

Jedenfalls nach einem Jahr. Und wir merken, die Bibel macht alles immer dringend. Manchmal gibt es auch noch ein zweites, wenn ein Baum nicht wächst, aber eigentlich haben wir nicht viel Zeit. Jetzt sollen wir ganz nah an Christus herangehen.

Es geht darum, ihr Lieben, ganz nah an Christus zu sein und seine Worte zu halten, denn diese Worte machen uns rein. Keine Distanz, sondern mittendrin, so wie ihr mitten hier in dem Garten hineingegangen seid. Denn wenn ihr draußen vor der Mauer oder vom Zaun stehen würdet, hättet ihr nichts von der schönen und blühenden Pracht. 
Das Johannesevangelium malt große Bilder von Jesus vor unsere Augen, die ihn als den zeigen, der allein Schutz gibt und dem Leben ein Ziel. Ja, der selbst das Leben ist. Er ist der gute Hirte, der nicht flieht, wie die, denen es nur um ihren Lohn geht, sondern der die Schafe schützt in der Gefahr.

Er ist der einzige Weg zu Gott, dem Vater alle Wege führen in die Irre. Er ist das Brot, das wir zum Leben brauchen, das Licht in der Finsternis, das leuchtet, die Auferstehung und das Leben, das stärker ist als der Tod. Alles, was wir zum Leben brauchen, finden wir an ihm. 
Finden wir durch ihn den Weinstock, an dem wir nahe dran sein sollen. Ja, er ist die Tür, und von dem heutigen Text her wissen wir, er ist die Tür zum Garten: zum Garten des gelingenden Lebens, durch das du hineintreten kannst, wenn du auf sein Evangelium hörst. 
Kein anderes Evangelium ist derart angefüllt mit Bildern. Wir sehen den Lebensspender vor Augen, der die Fülle gibt und der gleichzeitig sagt: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Und das heißt: Nein, wir müssen nicht allein alles tun, sondern wenn wir uns ganz nah an Christus halten, wird er uns durchströmen und es wird wie von selbst gelingen. 
Beim Gärtnern ist es ja auch so. Wir können alles vorbereiten und bereiten, aber das Wachsen und Gedeihen können wir nicht erzwingen, das schenkt Gott. Und ich muss in diesem Jahr an Oskar Brüsewitz denken, dessen Selbstverbrennung als Mahnung gegen den SED-Staat vor 50 Jahren in Zeitz geschah. Er hatte in seinem Dorf auf den ausgehängten SED-Slogan „Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein“ mit einem großen Plakat reagiert mit der aufgemalten Aussage „Ohne Regen, ohne Gott geht die ganze Welt bankrott“. So ist es. Ohne Jesus können wir nichts tun.
Ohne Gott wird es immer schlimmer und selbst, wenn die, die Gott im Munde führen, anders handeln, so sollen wir sehen, bleibt dran. Lasst uns nicht irre werden in diesen Tagen, sondern an Jesus Christus dranbleiben. Er ist der wahre Weinstock, und wie jede Weinpflanze eine tief verwurzelte Kletterpflanze, die selbst auf steinigem Boden und bei Trockenheit noch für ihre Reben sorgen kann. Wie bei guter Pflege durch den Weingärtner, wozu auch der klare Schnitt gehört, einem die Grenzen weisen, die dann ein langes, langes Leben, das ewige Leben hat, wenn wir in Christus verbunden sind. Und das steht für das Wachsen, das steht für euer Wachsen, für die Kraft, die Christus in euch entfalten kann.

Ihr seid die Reben, eigentlich ganz einfach. Dran bleiben, verbunden bleiben mit dem Weinstock und mit den anderen Reben, ein schönes Bild. Wir, die Reben, werden alle durchströmt mit der Lebenskraft, die der Weinstock seinen Reben schenkt. 
Ganz selbstverständlich, ganz automatisch geschieht das. Wenn die Reben mit dem Weinstock verbunden sind, werden sie versorgt mit allem, was sie zum Leben brauchen. Und sie wissen, warum der Wein, Wein heißt? Wenn sie nämlich jetzt zu dieser Zeit, wo gerade die Kraft einschießt, ihn anschneiden, haben sie das vielleicht schon mal gesehen, dann weint er.

Man muss zur rechten Zeit schneiden. Und wenn das Wachstum begonnen hat, muss man es wachsen lassen. Verbunden mit Christus wächst auch uns das zu, was wir zum Leben brauchen: Widerstandskraft, die Fähigkeit zu lieben, die Fähigkeit zu hoffen und zu glauben, zu verzeihen. Die Lebensfreude, der Mut, die Geduld, auch Zeiten der Dürre auszuhalten. 
Verbunden mit dem Weinstock werden die Reben Kraft bekommen, Kraft bekommen durch sein Wort, das sie brauchen wie das tägliche Brot. Verbunden zu bleiben mit dem Auferstandenen Christus, im Hören auf sein Wort, im Gebet, in der Stille, im Gespräch mit den anderen Geschwistern in Christo und mit anderen der Gesellschaft, dass wir uns wachsen lassen und uns wechselseitig an unseren Früchten bringen. Ganz selbstverständlich, das geht gar nicht anders.

Und das macht mir bewusst, ich bin nicht die einzige Rebe am Weinstock des Herrn. Die Reben sind untereinander verbunden, und wenn wir heute ökumenisch feiern, dann ist es die katholische Rebe und die evangelische Rebe und dann ist es aber auch die der neuapostolischen Gemeinschaft und viele anderer Christen, die unterwegs sind im Namen des Herrn. Wir können nicht allein überleben, wir brauchen die Gemeinschaft mit Christus und untereinander.

Bleiben wir in der Beziehung, das ist das Entscheidende. Bleiben wir in der Beziehung mit Jesus Christus nah an ihm dran, denn der wahre Weinstock ist die Voraussetzung dafür, dass Gott auch mit uns und durch uns seine Geschichte schreibt und weiterschreibt. Jesus bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm, als er durch sein Reden und Handeln die Gegenwart und Nähe Gottes auf dieser Erde erfahrbar machte.

Als ein Mensch lehrte er, sich selbst und einander als geliebte Kinder Gottes zu erkennen. Jesus blieb in Gott und Gott blieb in ihm, als er am Kreuz litt und starb. Auch am Kreuz gab er seine Liebe zu den Menschen nicht preis, sondern bat sogar für seine Folterknechte um Vergebung. 
Jesus blieb in Gott und Gott blieb in ihm, als er auferstand aus dem Tode und für uns und alle Welt neues und unzerstörbares Leben eröffnete. Jesus bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. Deshalb wurde Jesus mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen für uns und für alle Welt zu der großen lebensfördernden Liebe der Geschichte Gottes. 
Bleiben wir in Christus. Bleibt Jesus in uns, dann bleiben wir heutigen als Reben am Weinstock Gottes. Lasst uns heilsame Früchte bringen, dann werden wir heilsames und fruchtbares für diese Welt bekennen.

Heute sind wir hier im Garten und sehen die Schönheit, die wie alle Schönheit ein Abbild der Herrlichkeit Gottes ist. Und wir freuen uns zusammen an der Blütenpracht. Die Blüten werden dann zu Früchten werden.

Der Weinstock blüht übrigens ganz unscheinbar. Da müssen Sie sehr genau hingucken. Ganz winzige Blüten, aber seine Früchte sind doch wunderbar und erfreuen des Menschen Herz.

So lasst uns jeder blühen, wie er kann, und vor allem lasst uns an Christus dranbleiben, auf das sich viele und wundervolle Früchte ergeben, die uns alle ergötzen. So sei es. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen in Jesus Christus.

AMEN