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Predigt Himmelfahrt 2026 zu himmelhoch - erdentief, Regionalbischöfin Dr. Friederike Spengler

Apg 1,4ff in Verbindung mit Joh 17,20-26, Krölpa, KK Schleiz, 

Acta 1, 4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. 9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. 12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt.

Joh 17, 20 Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, 21 dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. 22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, 23 ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. 24 Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. 25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen. 


Gnade sei mit Euch und Frieden…

Liebe Gemeinde,
Gottes Geschichte mit uns wird von Vorn her gelebt, wird aber erst im Rückblick verstanden. Als Christen bekennen wir: Das Beste kommt zum Schluss. Aber, es gehört eben Beides dazu: Das von Vorn Leben und das im Rückblick Verstehen.

Zu Himmelfahrt ist das besonders deutlich. Ihr habt die Geschichte noch im Ohr. Das gegen Ende Gesagte bleibt natürlich hängen: Dass Jesus von einer Wolke aufgenommen wurde und nicht mehr zu sehen war. Und weil dann die engelhaften Männer die Jünger ansprachen: „Was steht ihr da und seht gen Himmel?“ wissen wir auch, wohin die Leute schauten: Zum Himmel. Dort verorten wir Gott. Dorthin denken wir Jesus, spätestens seit seiner Himmelfahrt. Von dorther rechnen wir mit Gottes Geist, der in uns wirkt.

Der Himmel also. Natürlich wird deshalb Himmelfahrt so gern und gut im Freien gefeiert. Unter freiem Himmel. Das liegt natürlich nahe. Und alle, die solch einen Gottesdienst vorbereiten, und auch die, die heute anders draußen unterwegs sein möchten, die schauen zum Himmel und auf ihre Wetter-App. Vielleicht verbinden sie auch ihren Glauben mit der Ansicht des Himmels: Blau und klar wie blankgeputzt. Das fällt der einen oder dem anderen vielleicht leichter, mit Gott zu verbinden, als den verhangenen, regenschweren, grauen oder schwarzen Himmel oder den, der von wilden Blitzen zerrissen wird.
Auf jeden Fall tut der Blick zum Himmel gut, mir jedenfalls geht das so. Ich schaue gern nach oben. Vor allem dann, wenn ich mich so erdenschwer fühle, etwa, weil die Nachrichten einem das Grauen lehren oder Trauer schwer wie Blei auf der Seele liegt. Gründe dafür lassen sich jedenfalls sofort und zur Genüge finden! Da lasse ich meinen Blick doch lieber nach oben wandern und suche den Himmel nach Hoffnung ab. Das alles aber, liebe Gemeinde, hat mit der biblischen Botschaft von der Himmelfahrt Christi nicht viel zu tun.

Deshalb ist es vielleicht ein Wink des Himmels, dass wir heute nicht draußen unter freiem Himmel sein können, sondern uns in Eurer Kirche versammeln. Denn die weist uns auf eine ganz andere Stelle der Himmelfahrtsgeschichte hin. Die nämlich, die als Geschichte Gottes mit uns von Vorn gelebt wird.

Wer von Euch zum Altar schaut, der sieht zuerst den Altartisch. Hier ist der Ort, wo sich die Gemeinde zum Abendmahl trifft. Tisch des Herrn sagen wir und denken daran, wie Jesus Mahl um Mahl gemeinsam gegessen hat. Und so geht auch die Geschichte der Himmelfahrt los: mit dem gemeinsamen Essen. Mit dem Teilen von Brot und von Sorgen und dem Herumreichen des Weins und der Freuden. Alles hat hier seinen Ursprung. Hier begegnet Jesus den Seinen, begegnete ihn damals und uns heute. So oft ihr das feiert, sitzt ihr mit Jesus am Tisch. Als die Seinen. Inmitten der Jüngerinnen und Jünger von damals könnt ihr sitzen, stehen oder liegen und euch von Gott selbst Brot und Wein reichen lassen.
So wichtig ist das, dass die Geschichte gerade nicht mit dem entschwundenen Jesus beginnt, sondern mit dem ganz und gar präsenten, anwesenden, an deiner Seite Sitzenden. Mit dem, dem ich begegnen kann, hier am Tisch der Gemeinde und ihres Herrn und in vielen anderen Situationen. 
Begegnung. 
Gott begegnen. 
Ihr Lieben, „alles wirkliche Leben ist Begegnung“. Dieser Satz stammt vom großartigen Gottes-Nachdenker Martin Buber. Aufgewachsen im Judentum und durch seinen Großvater unterwiesen im Gesetz und den Weisungen der Torah, war ihm der Gedanke, dass Gott uns begegnet und immer wieder begegnen will, sehr nah.

Ja, Gott ist Dir schon vor deiner Geburt begegnet, erzählt die Bibel. Er sah Dich bereits im Bauch Deiner Mutter und dachte bei sich: „Wie schön, dass du geboren werden wirst. Du kannst dieser Welt guttun.“  So hoffnungsvoll gestimmt entließ er Dich ins Leben und Du kamst zu Atem. „Lasst uns Menschen machen, in unserem Bilde, nach unserer Ähnlichkeit…“, heißt es im 1. Buch Mose. Und so schaffte das Du Gottes mit seinem Wort das Ich: den Adam. Der von der Erde Genommene und Eva, die „Mutter des Lebens“.

Aber Du und ich wissen, dass die Begegnung mit Gott oft nicht in den Alltag hineinreicht. Dass wir da bei den vorhin bereits erwähnten abendlichen Nachrichten anfangen uns zu fragen, wo denn Gott bleibt. Und wir seine Nähe vermissen, wenn einem Dinge oder Menschen oder Zustände oder Entscheidungen schwer auf der Seele liegen. Gerade noch war dieses Gefühl der Begegnung mit Gott doch so schön und nah und man sah beinahe den Himmel offen und kaum einen Augenblick später ist das gute Gefühl vorüber.

Begegnung heißt auch: den anderen nicht immer vollumfänglich bei sich zu haben. Ich kenne das, so richtig Sehnsucht nach dem geliebten Gegenüber zu haben. Du auch? Zeiten, in denen die direkte, leibliche Begegnung in weite Ferne gerückt ist etwa. Das gilt natürlich besonders dann, wenn man jemanden loslassen, gehenlassen musste. Da schnürt es einem vielleicht vor Sehnsucht den Hals zu, sodass es kaum auszuhalten ist. Wer gerade vom gemeinsamen Mahl mit Jesus, von der Gemeinschaft mit ihm kommt und dann wieder mitten in der Welt steht, dem kann es leicht so gehen. Die Abwesenheit Gottes schmerzt dann. Da kann es ganz dunkel werden, wenn ich ihn so vermisse. Wenn er sich gerade so gar nicht begegnen lässt. Ich denke dabei etwa an die Kriegsschauplätze dieser Welt, an die Täler des Hungers, an die Hoffnungslosigkeit in den Augen junger Menschen, die nur Armut kennen. Ich erlebe den Missbrauch der guten Schöpfung Gottes, unser Leben auf Pump und die Unfähigkeit, wirklich etwas grundlegend anders zu machen. Ich sehe die neue Begeisterung alles in die Sicherheit durch moderne Waffen und eine wehrhafte Truppe 18+ zu setzen, in unserem Land mit großer Sorge. Und ich vermisse Gott. Ihn bei mir zu haben, würde mir guttun, seine Begegnung mich beleben.

Lasst uns also gemeinsam sehen, wie die Geschichte von der Himmelfahrt Christi weitergeht, die mit dem gemeinsamen Essen und Trinken, mit der Begegnung im Abendmahl, begann.

Die Apostelgeschichte erzählt: 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. 

Und da kommt wieder Euer Altar ins Spiel. Über dem Tisch für das Mahl mit Jesus ist die Kanzel eingebaut. Von dieser wird Euch das Wort Gottes verkündigt, das lebendig ist. Das Wort, in dem Gott selbst anwesend ist. Begegnung durch die Predigt.

Die Predigt ist der Ort, wo das Nahesein Gottes im Abendmahl mit der gefühlten Ferne, mit der empfundenen Abwesenheit Gottes ins Gespräch gebracht wird. Hier wird Euch als Gemeinde gedeutet, was Gott in den Worten seiner Schrift zu uns sagen will. So war es auch bei Jesus und den Jüngern, die nach dem gemeinsamen Essen ihre Zukunftssorgen vor Jesus auspackten. Sorgen, die in dem Moment noch gar nicht spürbar waren, man war ja noch mittendrin in der Begegnung mit ihm. Trotzdem sorgten sie schon vor und fragen Jesus nach Trost für trostlose Stunden. Jesus antwortet mit der Ankündigung des Heiligen Geistes, der Kraft Gottes: Die wird kommen und bei euch sein, sagt er. 
Im heutigen Predigttext aus dem Johannesevangelium antwortet Jesus auf die Zukunftsängste seiner Jünger mit einem Gebet:

24 Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. 25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen. 

Ganz deutlich wird Jesus hier und dort: mit der Verheißung des Heiligen Geistes und mit der liebenden Verbindung, die er von Gott erbittet, schafft er Begegnung. Wer so angesprochen wird von der Predigt, der kann es wagen, seine Zukunftsängste, Sorgen, Nöte, Schmerzen… mit hineinzunehmen in das, was uns hier angeboten wird: Jesus bietet Dir an, immer und überall an Deiner Seite zu sein. Nicht nur, wenn Du es spürst, vielleicht beim Abendmahl, im Gebet oder beim Hören der Musik, sondern besonders dann, wenn Du nichts von ihm spürst und Dich schlichtweg gottverlassen fühlst.
Liebe Gemeinde, die Himmelfahrtsgeschichte handelt natürlich auch vom Himmel und dem Weg Jesu dorthin. Von den Jüngern, die ihm nachschauen und es nicht fassen können, dass er jetzt nicht mehr so leiblich, zum Greifen nah ist, wie bisher. Und deshalb heben auch wir jetzt die Augen vom Altartisch über die Kanzel bis ganz hinauf. Dort oben ist die Wolke zu sehen, von der in der Geschichte die Rede ist. Sie wird überstrahlt von der Sonne, vom Licht Gottes. Dieses Zeichen an Euerm Altar steht für den Segen, den Ihr in jedem Gottesdienst empfangt. Der Segen ist da, um Euch die Begegnung Gottes auf den Kopf zu zu sagen. Der Segen soll Euch stärken für das, was Euch in der Welt erwartet. Für das, was Dich zu Hause, in der Schule, auf Arbeit, beim Alleinsein, in der Nacht oder am Morgen erwartet. 
„…da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. 

So sendet Dich der Segen. Gottes spricht Dir zu, dass die Heilige Geistkraft auch heute mit Dir geht und Du mit der Liebe, die Jesus zu Dir hat, auch Deine Nächsten lieben kannst. Sogar Deinen Feind, ja, auch den.
Um den Segen zu erbitten, schau auf die Spitze dieses Altars und erinnere Dich, dass nicht nur die Himmelfahrtsgeschichte, sondern jede Geschichte, die Gott mit Dir vorhat, im gemeinsamen Mahl der Gemeinde beginnt, in der Predigt mit den Nöten der Welt durchbuchstabiert wird und im Segen gipfelt. Auf dass auch Du in Jesu Namen ein Segen seist für die Welt.
Amen

Und der Friede Gottes, der unser Denken weit übersteigt, der bewahre und erhalte Herz und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn.

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