Predigt zum Festgottesdienst 1050 Jahre Monstab, 22.08.26 | Regionalbischöfin Friederike Spengeler
Monstab, Altenburger Land
Predigt zu Mt 5,1-10 Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Liebe Fest-Gemeinde mit allen Gästen,
herzlichen Glückwunsch, liebe Bewohnerinnen und Bewohner von Monstab zum 1050. Geburtstag!
An einem solchen Festtag, aber auch zu anderen Anlässen, sagen wir einander Glückwünsche. Dass, was dem Menschen widerfahren soll, was er erleben möge, wie es ihm gehen soll, fassen wir in Worte:
„Herzlichen Glückwunsch“, etwa.
„Gesundheit, viel Glück ...“
Mit Glück und Gesundheit, scheint alles abgedeckt zu sein. Hauptsache gesund und dazu viel Glück. Ob das stimmt? Inzwischen kenne ich eine ganze Menge Leute, die sehr gesund sind und dennoch nicht glücklich. Und auch solche, die trotz diverser Krankheiten glücklich leben. Aber war meint eigentlich „Glück“, was bedeutet das Wort?
Wir sagen „Glück gehabt“, wenn jemand einen Unfall ohne Schaden überstand, wenn einer einen Gewinn gemacht hat, wenn ein gestecktes Ziel überraschend schnell erreicht wurde oder etwas unvorhersehbar Gutes eintritt.
Das Lexikon sagt: „Glück ist die günstige Fügung des Schicksals bzw. der seelisch gehobene Zustand, der sich aus der Erfüllung von Wünschen ergibt.“ Das kommt dem schon etwas näher, was die Bibel damit meint. In einer Predigt, die Jesus vor vielen Männern, Frauen und Kindern auf einem Berg hält, sagt er „Glücklich seid ihr, wenn ihr Leid tragt, nach Gerechtigkeit hungert, glücklich seid ihr, wenn ihr anderen gegenüber barmherzig sein, Frieden stiftet, Gutes sprecht und tut, denn dann gehört euch die Zukunft bei Gott.“ Luther hat dieses „glücklich“ mit „selig“ übersetzt. Das Lexikon mit seiner Beschreibung von einem „seelisch gehobenen Zustand“ für Glück, meint wohl genau das. Glück, so sagt Jesus, sei dir gewünscht, zugesagt. Das ist ein Segen.
Was für ein Segen, was für Glück, dass Euer Ort eine solch lange Geschichte aufweisen kann. Glück ist, eine Heimat zu haben.
Man kann mit gutem Grund für die einstige Ortschaft der „Butterstampfer“ mit sorbischen Wurzeln annehmen, dass sie bereits damals eine kleine Kapelle hatten. Und seitdem immer wieder, bis dann um 1500 die Grundmauern eurer Kirche errichtet wurden. Fast aufs Jahr, ist die Trinitatiskirche genau halb so alt, wie der Ort, den sie als Gebäude prägt. Was für ein Glück, dass eure Kirche im Dorf bleibt. Was für ein Segen, dass der Ort eine Kirche hat.
Weshalb ich mir so sicher bin, dass bereits die ersten Generationen der Monstaber eine Kapelle bauten? Weil die Menschen schon damals um die Kraft des Glaubens wussten. Weil sie einen Ort brauchten und suchten, der sie mit dem Himmel verband. Einen Ort, der ihre Seelen weitetete, ihnen an Leib und Seele guttat. Das ist doch Glück! Kapellen und Kirchen sind solche Orte. Sie sollen das Herzstück eines Ortes sein. Nicht nur für die, die getauft sind. Sondern für alle. Kirchen, eure Kirche hier, ist ein Ort, der allen offensteht, weil er nicht uns, sondern Gottes Ort ist. Gotteshäuser waren immer Zufluchtsorte, boten Asyl für in Not Geratene. Hier durfte keiner Hand an sie legen. Jedenfalls sah das das Gesetz so vor. Gotteshäuser stehen für Inhalte, die wir sonst in unserer Gesellschaft kaum finden: uneigennützig, werbungsfrei, hoffnungsweisend, himmelnd, trostreich, durchbetet, vom Unfassbaren durchweht.
Das alles soll dem Zusammenleben dienen. Hier werden Facetten des Lebens sichtbar, die sonst unsichtbar bleiben. Ohne solche Orte, blieben unsere Seelen heimatlos.
Liebe Gemeinde, mit dem Bau dieser Kirche hat Monstab einen solchen Ort gebaut. Gott zur Ehre und den Menschen zum Segen. Und sie haben sich damals für Figuren im Altarrentabel entschieden, die davon zeugen. Heute, zum 1050. Geburtstag soll eine der Figuren ihre Geschichte erzählen. Es ist die, die von Euch aus gesehen rechts steht.
Viele Legenden ranken sich um diesen Heiligen. In der bekanntesten war er ein Riese namens Offerus, vor dessen Größe und Kraft viele Angst hatten. Das kümmerte ihn wenig, denn er hatte sich vorgenommen, einzig und allein dem mächtigsten Herrscher der Welt zu dienen. Und er begann, ihn zu suchen. Bei immer neuen Kaisern, Zaren und Maharadschas trat er in den Dienst. Und verließ diese nach kurzer Zeit enttäuscht, denn bei jedem von ihnen fiel Offerus schnell auch Zeichen von Machtlosigkeit auf. Nach langer vergeblicher Suche sagte ihm ein Mönch, Offerus solle doch Gott dienen, denn dessen Macht sei unbegrenzt. Offerus fragte: „Aber wie finde ich heraus, dass ich ihm diene?“ Offerus solle, so der Mönch, an einem Fluss arbeiten, an dem es keine Brücke und keinen Fährmann gab. Dort könne er Reisende über einen Fluss tragen. Gesagt, getan. Offerus tat seinen Dienst. Eines Tages nahm er ein Kind auf die Schulter, um es über den Fluss zu tragen. Das Kind war ihm leicht, aber je tiefer Offerus in den Fluss stieg, desto schwerer wurde es ihm. In der Mitte des Stromes konnte Offerus sich kaum aufrecht halten und schwankte vor Anstrengung: „Kind, du bist so schwer, als hätte ich die Last der ganzen Welt zu tragen!“ Das Kind antwortete: „So ist es. Ich bin Jesus. Und als Heiland trage ich die Last der ganzen Welt.“ Am anderen Ufer angelangt, setzte Offerus das Kind ab und sprach: „In deinen Dienst, Jesus, will ich treten. Du bist wirklich der mächtigste Herrscher der Welt.“ Da sagte Jesus zu ihm: „Ab heute sollst du Christopherus, Christusträger, heißen.“
Liebe Gemeinde, da Ihr ja auch ein altes Bild von Martin Luther hier hängen habt, soll er zu Christopherus zu Wort kommen. Luther sagt in einer Predigt: Du sollst wissen, dass Christoph(erus) nicht eine Person ist, sondern ein Ebenbild aller Christen. Die Geschichte will nicht bloß Legende sein, sondern das christliche Leben vor Augen malen.
Euer Christopherus soll, so Luther, Euch auf etwas hinweisen: Auf das, was sich keiner selbst herstellen, keine selbst machen kann. Auf das, was einem zugesprochen, gewünscht, auf den Kopf zu gesagt wird. Auf das, was wir „Glück“ und die Bibel „Selig“ nennen. Was sich einstellt, wo Leute gar nicht damit rechnen. Oft dort, wo sie gar nicht mehr damit rechnen. Es ist unverfügbar (wie wichtig in einer Zeit, in der scheinbar alles jederzeit verfügbar ist bzw. sein soll), weil geschenkt. Es ist mit keinem Geld der Erde zu kaufen (wie wertvoll in einer Welt, in der einige Wenige Unsummen ihr Eigentum nennen), weil nicht-käuflich. Euer Christophorus weist Euch auf den mächtigsten HERRN der Welt, auf Jesus Christus hin. Er ist ihm begegnet. Und ist Zeuge dafür, dass er auch Dir begegnen will. Und kann. Besonders dann, wenn Du nicht (mehr) damit rechnest, weil Deine Hoffnung fadenscheinig geworden ist. Und Dein Vertrauen Risse bekommen hat. Weil Dich mehr Angst vor der Zukunft beschleicht, als Dir guttut. Genau dort und überall da, wo Du es besonders brauchst, wird es Dir gewünscht: dieses Glück. „„Glücklich seid ihr, wenn ihr Leid tragt, nach Gerechtigkeit hungert, wenn ihr anderen gegenüber barmherzig sein, Frieden stiftet, Gutes sprecht und tut. Glücklich seid ihr: denn dann gehört euch die Zukunft bei Gott.“
Christopherus sagt: Trage Jesus Christus mit Dir. Ich jedenfalls bin durch ihn ein sehr glücklicher Mensch geworden und das wünsche ich Dir auch. Von ganzem Herzen.
Also, liebe Monstaber: herzlichen Glück-Wunsch! Amen
Lied: „Gott liebt diese Welt“, EG 409