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Rede zur Wiederbeisetzung Otto I. am 1.September 2026 im Dom zu Magdeburg

Landesbischof Friedrich Kramer 

Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass Du Dich seiner annimmst? (Psalm 8,5)

Herzlich willkommen im Dom Sankt Katharina und Mauritius hier in Magdeburg. Sie riechen den Weihrauch und Sie sehen zwei Bischöfe.

 

Wir werden heute ökumenisch Otto I. wieder zur Ruhe legen. 

Vor über 1000 Jahren, im Juni 973, wurde Kaiser Otto, den wir seit dem Mittelalter „den Großen“ nennen, hier im Vorgängerbau des Magdeburger Doms, dem Mauritiuskloster beigesetzt. 2025 erfolgte die Konservierung des Grabmals, bei der die 300 kg schwere Deckplatte des Sarkophags abgenommen wurde.

Landeskonservator Harald Meller und sein Team nutzten die Chance, um die Gebeine wissenschaftlich zu untersuchen. Mit großer Sicherheit werden wir heute Otto I. wieder seine Ruhe geben. Es handelt sich um den ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Magdeburg war für hunderte von Jahren das Zentrum Deutschlands. Heute geben wir Otto seine Totenruhe wieder. Das gebietet Respekt und Anstand, auch nach 1000 Jahren.

 

Und wir dachten, wir machen es mit einem großen Fest. Einen großen Festgottesdienst, wo auch Weihrauch und Gesang, Musik und unser Zusammenspiel sichtbar und spürbar werden. Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und das Menschenkind, das du dich seiner annimmst?

Der Magdeburger Dom, in den Sie heute gekommen sind, ist ein Gebäude, das die Kleinheit des Menschen spürbar macht gegenüber der Größe Gottes und gleichzeitig den Menschen erhebt und nicht erniedrigt.

Dieser Dom, der Vorgängerbau von Otto initiiert, dann nach 1207 nach einem großen Brand neu gebaut, soll auch die Größe Ottos mit beschreiben. Und das haben wir in unseren Kirchen immer: diese Mischung aus Geistlichem und weltlicher Macht. Und dennoch: Otto war Christ, Otto war gläubig. Und Otto hat überlegt, was für ein Heiliger könnte für das Heilige Römische Reich denn der richtige sein. Und er hat sich für den Heiligen Mauritius entschieden. Mit großem Pomp wurde er geholt, hier wurde ein Kloster mit seinen Gebeinen eingerichtet. Und der Heilige Mauritius ist Schwarzafrikaner. Sie können sich gerne das Denkmal vorne im Altarraum anschauen.

Und wer dem ersten Heiligen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation nicht die Ehre gibt, wer Rassist ist und Menschen, die anders aussehen, ausgrenzt, kann nicht behaupten, deutsch zu denken. Ein Rassist kann nicht Deutscher sein, obwohl wir es bitter anders erfahren haben und in diesen Tagen erleben, dass das wieder hervorbricht. Dem lasst uns fröhlich widerstehen mit dem Geist Ottos, mit dem Geist Jesu Christi, mit dem Geist der Liebe statt des Hasses.

 

Sie sind hier heute, wir sind ganz verschiedene Menschen, wir sind vor Gott alle gleich. Und der Glaube Ottos hat ihm immer vor Augen geführt, dass es eine höhere Macht gibt, vor der er sich zu verantworten hat. Und das wünsche ich auch allen Regierenden heute hier in Sachsen-Anhalt und in der Welt, dass man sich nicht über alles stellt, sondern verbunden bleibt mit dem, was über uns steht.

Der Psalm, den wir gleich beten werden, sagt, dass Gott sich auch aus dem Mund der Unmündigen und Kinder einen Lob bereiten kann, nicht nur aus dem der Mächtigen und dem der Starken. Aber wir alle sollen einmünden in das Gotteslob, wir sollen alle miteinander erkennen, staunen und danken, dass wir gemacht, ja, dass Gott uns mit großer Macht beseelt hat, dass wir wenig niedriger sind als Gott, aber nicht gemacht, uns über andere zu erheben, sondern einander beizustehen und zu stärken. So sei es in diesem Gottesdienst, in unserem Miteinander.

 

AMEN

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