Baustellenblick
Wenn ich durch die Stadt gehe, komme ich kaum an ihnen vorbei:
an Bauzäunen, Absperrbändern, einem Bagger, der gerade den Asphalt aufreißt.
Staub liegt in der Luft, ein Presslufthammer hämmert irgendwo, und man muss im Zickzack an allem vorbeilaufen.
Ich merke, wie ich genervt bin. Schon wieder eine Baustelle. Schon wieder Dreck, Lärm und Umleitung.
Aber dann bleibe ich kurz stehen und denke:
Ist das etwa schon wieder so eine Haltungsfrage?
Will oder kann ich nur das sehen, was gerade kaputt ist – oder auch das, was da gerade entsteht? Ärgere ich mich über die Baustelle – oder freue ich mich, dass da bald etwas Neues wächst?
Baustellen sind ja eigentlich kein Zeichen des Stillstands, auch wenn es hier und da ein paar solche Beispiele gibt.
Denn Baustellen zeigen, dass etwas in Bewegung ist.
Dass Menschen gestalten, verbessern, erneuern.
Dass Zukunft gebaut wird – Stein für Stein.
Und wenn ich ehrlich zu mir bin, ist das in meinem Leben doch genauso.
Auch da gibt es Baustellen an allen Ecken und Enden.
Da ist längst nicht alles fertig – manches sogar ziemlich brüchig.
Aber Gott sieht schon das Neue, das daraus entstehen kann.
Er sagt zu uns Menschen: Siehe, ich mache alles neu.
Das ist Gottes Blick auf unsere Welt – und vielleicht darf ich mir den ein bisschen abgucken:
Nicht nur auf den Staub und die Zäune zu schauen, sondern auf das, was wächst.
Mit hoffnungsvollem Blick,
Martin Olejnicki, evangelisch in Köthen.