Dämonen der Vergangenheit
Es ist gerade mal ein Jahr her, dass David die Stelle gewechselt hat. Neuer Ort – neues Glück. Und glücklich beginnt alles. Aber es dauert nicht lange, da findet er sich in denselben Konflikten wieder, derentwegen er doch alles hinter sich gelassen hatte.
Einer guten Freundin erzählt David von seiner Vorgesetzten, die immer so ätzend nachfragt vor versammelter Mannschaft; dass er das Gefühl hat, sie traue ihm überhaupt nichts zu und kontrolliere ihn die ganze Zeit; und wie sehr ihn das auf die Palme bringt.
„Ist dir das früher auch schonmal irgendwo so gegangen, also ganz früher“, fragt die Freundin. Oh ja, spürt David. Diese spezielle Wut, die kennt er gut, und zwar aus seiner Schulzeit. Das ist jetzt echt lange her, aber noch sehr präsent: Wie die Lehrerin damals seine Fehler kommentiert und ihn vor der ganzen Klasse bloßgestellt hat.
„Diese Typen finden mich überall“, seufzt David. „Diese Typen, die nimmst du mit“, sagt ihm die Freundin. „Mir scheint, da springt auf Arbeit dein innerer Schüler von damals an. Der wittert vielleicht‘n bisschen zu schnell die böse Lehrerin und schaltet direkt in Angriff. Unnötig. Das war einmal.“
„Haste eigentlich recht“, denkt sich David. Und ich denke es mir auch. Autorität zu erleben, ohne sich klein fühlen und kämpfen zu müssen – damit tue auch ich mich schwer. Das schmerzt. Und es könnte sein, dass sich darin eine sehr alte Wunde meldet. – Heile mein Herz, Gott, und mach mich frei für das, was jetzt dran ist.
Conrad Krannich aus Halle