Der Frosch
Beim Karneval in Köthen war ich in diesem Jahr ein überdimensionaler Frosch.
Schon das allein ist ein Satz, bei dem ich innerlich ein bisschen schmunzeln muss. Ein großer grüner Frosch also. Mit allem, was dazugehört. Und das Besondere war: Mich hat kaum jemand erkannt.
Das bin ich sonst nicht gewohnt. Normalerweise werde ich schnell erkannt. Als Pfarrer, als Martin, als der, den man eben kennt. Aber in diesem Kostüm war das anders. Da war ich einfach der Frosch.
Und ehrlich gesagt: Das war eine erstaunlich gute Erfahrung.
Vor allem wegen der Kinder. Ich habe an diesem Tag so viele lachende Gesichter gesehen. So viele kleine Momente, in denen ein Kind einfach nur Freude hatte, weil da dieser riesige Frosch unterwegs war. Nicht wichtig. Nicht würdevoll. Nicht besonders klug. Einfach nur freundlich, ein bisschen albern und zum Lächeln gut.
Und vielleicht liegt genau darin etwas, das im Alltag schnell verloren geht: sich nicht immer selbst so wichtig zu nehmen. Nicht immer erkannt werden zu müssen. Nicht immer mit dem eigenen Namen, der eigenen Rolle, der eigenen Bedeutung unterwegs zu sein.
Sich in den Dienst stellen. Freude machen. Und dafür auch einmal hinter etwas anderem verschwinden.
Jesus hat einmal gesagt, dass der Größte der sein soll, der den anderen dient. Das klingt erstmal ernst. Aber vielleicht beginnt es manchmal ganz einfach: in einem lächerlichen Froschkostüm. In einem Moment, in dem nicht ich wichtig bin, sondern das Lächeln, das ich einem anderen entlocke.
Ich glaube, solche Übungen tun gut:
ein bisschen weniger ich.
ein bisschen mehr Freude für andere.
Mit quakigen Grüßen, Martin Olejnicki, evangelisch in Köthen.