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Die Geister, die ich rief

Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben.

Ich musste Goethes Zauberlehrling in der Schule lernen. Und ein paar Verse kann ich noch auswendig. Ein Zauberlehrling probiert heimlich die Zaubersprüche des Hexenmeisters aus. Und siehe da: es klappt! Der Zauberlehrling ist begeistert. Bis er merkt: Ups. Er kann nicht mehr aufhalten, was er da losgetreten hat:
            Herr, die Not ist groß.- Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht los.

In seiner Panik nimmt der Lehrling ein Beil und zerhackt den Besen – Hah! Geschafft.
Doch ach, nun rennen beide Stöcke los und holen doppelt so viel Wasser. Es wird nur noch schlimmer. Die Situation läuft völlig aus dem Ruder.

Wenn ich in diesen Tagen Leuten auf der Straße zuhöre, ihre Posts im Internet lese, muss ich unwillkürlich an den Zauberlehrling denken. Ja manches läuft nicht gut im Land. Leute sind unzufrieden, auch wenn es sie selbst gar nicht betrifft.

Zaubern kann niemand - aber Sprüche machen. Da werden schnelle Lösungen versprochen. Man müsse nur die Schuldigen beseitigen, sie aus dem Land wegspülen.

Walle, walle, manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe...

Sie beschwören einen Fluch herauf, den sie zuerst nicht erkennen und dann nicht mehr stoppen können. Alles geht den Bach runter. 

In der Ballade kommt der Meister nach Hause:

„In die Ecke, Besen, Besen! Seid’s gewesen!“

Aber das Leben ist keine Ballade. Plötzlich fehlen die Arbeitskräfte in den Pflegeheimen. Das Personal in den Krankenhäusern, die Leute vom Service in den Restaurants. Kluge Köpfe verlassen das Land. Absolventen kommen gar nicht erst her. 

 

Und darum bete ich: 
Gott, gib uns gute Gedanken; den Blick füreinander; ein Herz, das sieht; eine Haltung, die hilft. Amen

 

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg

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