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Die Nase

In der Fußgängerzone von Köthen, ganz in der Nähe von St. Jakob, steht der bronzene Halli. Das Stadtmaskottchen. Und wie das bei Bronzefiguren oft ist, gibt es auch an ihm eine Stelle, die besonders glänzt, weil sie ständig angefasst wird: seine Nase.

Sie ist rund und knubbelig. Und offenbar können viele nicht an ihr vorbeigehen, ohne sie kurz zu berühren. Vielleicht bringt das Glück oder es gehört inzwischen einfach dazu. So ein kleiner Brauch im Vorübergehen.

Ich finde das ganz sympathisch. Und gleichzeitig frage ich mich: Reicht es eigentlich, dem Halli an die Nase zu fassen? Oder wäre es nicht viel wichtiger, sich an die eigene Nase zu fassen?

Denn das meint diese Redewendung ja: erst einmal bei sich selbst anfangen. Nicht immer gleich auf die Fehler der anderen zeigen. Nicht sofort wissen, wer schuld ist. Sondern ehrlich werden. Den eigenen Ton prüfen. Die eigene Ungeduld. Die schnellen Urteile. Die Worte, die man zu leicht sagt.

Ich glaube, vor Gott ist genau das wichtig. Nicht zuerst der Blick auf die anderen. Sondern der ehrliche Blick auf mich selbst. Wo bin ich ungerecht? Wo bin ich hart geworden? Wo täte mir ein bisschen mehr Demut gut?

Dem Halli an die Nase zu fassen, bleibt ein netter Brauch.

Sich an die eigene Nase zu fassen, könnte dagegen wirklich etwas verändern.

 

Mit glänzenden Grüßen, Martin Olejnicki, evangelisch in Köthen.

 

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