Dummheit
Und dann haben sie ihn doch noch ermordet, schnell und dreckig kurz vor Kriegsende. Einen Monat später sollte der Wahnsinn vorbei sein; kurz vorher endete sein Leben. Heute vor 81 Jahren wurde Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg stranguliert, auf persönlichen Befehl Hitlers. Er hasst den Pfarrer Bonhoeffer, weil er den Widerstand gegen die Nazis unterstützte. In seiner Todeszelle wird Bonhoeffer berührende Worte schreiben. Vielleicht kennen Sie das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Aber schon kurz vor der Haft bringt Bonhoeffer ein paar kluge Wahrnehmungen seiner Zeit aufs Papier:
„Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit“, schreibt er. „Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern […] Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten […] den Dummen durch Gründe zu überzeugen […] ist sinnlos und gefährlich.“
Hört sich für mich ein bisschen verzweifelt an, was Bonhoeffer da sieht und schreibt. Wie kommen wir da raus, frage ich mich.
Die Dummheit, sagt Bonhoeffer, die hat was mit dem Herzen zu tun. Ihr Gegenteil ist nicht klug, sondern: Liebe und Vertrauen, Respekt vor Gott und vor allem, was er ins Leben gerufen hat. Dieser Respekt lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
Als Bonhoeffer am 9. April zum Galgen geht, da hat er vielleicht auch diesen Gedanken im Herzen. Anstatt seine Henker zu verfluchen, sagt er nämlich nur: „Dies ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.“
Conrad Krannich