Ein mutiger Schritt
Der Ostermorgen beginnt mit einem mutigen ersten Schritt. Noch vor dem Morgengrauen trauen sich Jesu Freunde ans Grab. Jesus suchen sie. Und finden ihn nicht.
Unter ihnen ist auch Maria Magdalena. Sie liebte Jesus. Als er gekreuzigt wurde, wich sie nicht von seiner Seite. Sie ließ den Schmerz zu, schon immer und auch jetzt, drei Tage nach seinem Tod. Wie gerne hätte sie Jesus noch einmal berührt, aber der Leichnam ist weg.
Was dann am leeren Grab geschieht, das verändert sie für immer. Denn Liebe verändert. Für immer.
In ihrem Augenwinkel zwei Gestalten in weißen Gewändern. Und noch einer – der Gärtner? Da hört sie ihren Namen: „Magdalena!“ Es sind seine, Jesu Worte. Kann das sein? Er ist da. Zum Anfassen nah. Seine Stimme – unverkennbar. Sein Blick – voller Wärme. Als hätte der Tod ihn nie genommen. Da wird es in ihr hell.
Aber er ist verändert, wie aus einer anderen Welt. „Halte mich nicht”, sagt Jesus. „Halte mich nicht fest!“
Lange steht sie da, Chaos im Herzen. Und irgendwann geht sie los, Magdalena, die Mutige, die Treue. Die Tränen brennen noch auf ihren Wangen, aber ihr Herz schlägt voller Hoffnung. Als der Tag anbricht, hat für Magdalena längst etwas Größeres begonnen.
Mir geht’s gerade oft so wie Magdalena. Ich schaffe es gerade noch so mit letzter Kraft zum Grab und könnte eigentlich nur noch heulen, so viel sinnloser Tod ist in dieser Welt. Und dann spüre ich zwischen den Gräbern etwas unglaublich Trotziges, wie eine Stimme, tief in mir, die sagt: Jetzt erst recht. Es geht weiter. Lass dich nicht vom Tod beherrschen. Glaube an das Leben!
Einen solchen Ostermoment wünsche ich Ihnen an diesem Tag. Vielleicht braucht es einen mutigen ersten Schritt. Aber Sie werden erfahren, dass am Ende jeder Weg ins Leben führt.
Conrad Krannich aus Halle