Eine Garage als Ort der Begegnung
Als unsere Familie nach Halle zog, haben wir eine Garage gemietet. Hinter dem Haus, wo wir wohnen. Da waren Garagen, die in den 60er und 70er Jahren gebaut worden waren und die ganz praktisch waren. Für unser kleines Auto passte es allemal. Ein größeres hätte da aber nicht hineingepasst. Leider mussten diese Garagen bald darauf einem Parkplatz weichen.
Für die früheren Nutzer war das ein trauriger Moment. Garagen waren ja weit mehr als nur Stellplätze. Garagen waren, wie man heute sagen würde, „dritte Orte“, wo man sich in einer Mischung aus kollektivem Hobbykeller und Campingplatz traf und miteinander redete, bastelte, tauschte und sich austauschte.
Kürzlich, als unser Auto kaputt ging, habe ich mich daran erinnert, dass ich als Student mit meinem alten Golf viele, viele Stunden in einer Garage verbracht habe. Zusammen mit meinem guten Freund Rainer. Von ihm habe ich gelernt, den Ölwechsel zu machen und kleinere Reparaturen. Und natürlich kamen wir dabei auch ins Erzählen über alles Mögliche. Austausch eben, weil wir einen Raum hatten, in dem wir viele Stunden gemeinsam werkeln konnten. In Arbeitsklamotten redet es sich halt leichter – auch über Schweres und auch ohne Garagen – zB jetzt im Frühling beim Umgraben im Garten.
Johann Schneider, evangelischer Regionalbischof aus Halle