Fußball kann ein Segen sein
Während die iranische Mannschaft in den USA auf dem Rasen spielte, flogen amerikanische Bomber Angriffe auf ihr Land, auf ihre Angehörigen.
Vor dem Stadion wurde für und gegen den Iran demonstriert. Denn alle wissen: zuhause werden regimekritische Sportler verhaftet und hingerichtet.
Die ganze Mannschaft und ihr Betreuungsteam durften nicht in den USA übernachten, sie mussten vor und nach jedem Spiel nach Mexico fliegen. Und nicht nur der Kapitän fragt, wie fair das ist.
Und dann das nicht anerkannte Abseitstor. Eine Fußspitze war über der Linie. Die Iraner sind ausgeschieden.
Nach ihrer Abreise fand man in ihrer Mannschaftskabine einen Brief. Darin heißt es:
„Wir sind mit Stolz nach Los Angeles gekommen,
haben mit Ehre gekämpft und gehen in Würde. „
Der Brief enthält außerdem die Hashtags #168 und #Minab. Beides Hinweise auf den Tod von 168 Mädchen durch die Bombardierung einer Schule vor einigen Wochen.
Aber – und das bewegt mich zutiefst – endet der Brief nicht mit einer Hassrede nach allem, was sie erlebt haben. Sie haben andere Worte gefunden:
Dankeschön, Los Angeles, für eure Gastfreundschaft...
Mögen Frieden, Respekt und Freundschaft unter allen Nationen vorherrschen."
Fußball hat die Chance, dass sich Menschen fair begegnen, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion.
Wir alle könnten daraus einiges über Zusammenhalt lernen. So wie das Motto der WM es doch auch behauptet: WIR sind 26.
Wir! Das wäre ein Segen für diese Welt und unsere Zukunft.
Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg