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Gefangen werden

Ich habe einen Bericht über ein Gefängnis in Syrien gelesen. Ein ehemaliger Gefangener erzählt, es gäbe dort ein Begriff, den draußen kaum jemand kennt: Istihbas. Ich weiß nicht, wie man das richtig ausspricht, aber es bedeutet soviel wie: „Gefangener werden“. Dabei geht es nicht um den Moment, wo man inhaftiert wird, — sondern um den Moment, wo ein Gefangener innerlich aufgibt. Wo er das Gefängnis als unausweichliches Schicksal annimmt.

Istihbas ist eine innere Haltung. „Ich bin gefangen.“

Manchmal fühle ich dieses Istihbas. Manchmal fühle ich mich gefangen in dieser Zeit mit ihren dramatischen Entwicklungen. Da drohe ich innerlich zu resignieren. Da werde ich ein Gefangener. Gerade jetzt, wenn ich an die Umfragewerte für die Wahlen in Sachsen-Anhalt denke. Da steht auf dem Spiel, woran ich glaube: die von Gott geschenkte Freiheit und Vielfalt.

Istihbas - Ich fühle mich wie gefangen. Wie soll das werden? Wie soll das denn weitergehen? Ich habe Angst um Menschen, die hier leben und sich sorgen, wegen ihrer Herkunft, ihrer Geschlechtlichkeit oder ihrer persönlichen Haltung.

Aber nein. Ich will nicht resignieren und mich gefangen geben.

Ich bin ein freier Mensch. Und das will ich auch bleiben. Denn so hat mich Gott in diese Welt gestellt.

„Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ – sagte Rosa Luxemburg, die am 15. Januar 1919 von Rechtsnationalen ermordet wurde.

Für mich ist diese Freiheit ein Gottesgeschenk. Und darum will ich nicht resignieren - und mich und alles um mich herum aufgeben, sondern für Freiheit in Vielfalt in diesem Land eintreten.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg

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